17.02.2020, 16:28 Uhr

Handwerkskammer zieht Bilanz Für Jugendliche sind die Chancen ideal

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Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz zieht Bilanz: 5.264 neue Auszubildende haben von Januar bis Dezember 2019 eine Lehre im ostbayerischen Handwerk begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr 2018 ist das mit 252 weniger besetzten Lehrstellen ein Rückgang um 4,57 Prozent.

Niederbayern-Oberpfalz. Als ursächlich für die Entwicklung nennt die Handwerkskammer an erster Stelle die demografische Entwicklung: Denn auch die Absolventenzahl der allgemeinbildenden Schulen hat in Ostbayern um rund vier Prozent abgenommen. „Die anhaltend sinkenden Schulabgängerzahlen in Niederbayern und der Oberpfalz spiegeln sich in unserer Ausbildungssituation wider“, sagt HWK-Präsident Dr. Georg Haber. „Was erschwerend dazu kommt, ist der anhaltende Trend zum Hochschulstudium.“ Nach wie vor gut gefüllte Auftragsbücher im Handwerk würden den Bedarf an Fachkräften umso dringlicher machen. „Nahezu jede Wirtschaftsbranche sucht Nachwuchs, auch jenseits des Handwerks“, weiß Haber. Das steigere auch den Konkurrenzdruck untereinander.

Zwar sind unbesetzte Lehrstellen für Betriebe eine Herausforderung, dagegen profitieren Jugendliche von einer Bandbreite an Ausbildungsmöglichkeiten. „Die Chancen sind für sie so ideal wie nie zuvor, Azubis sind begehrt“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger. „Einen seiner Neigungen entsprechenden Ausbildungsplatz zu finden, ist in der Regel kein Problem.“ In Niederbayern ist der Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit einem Minus von 0,73 Prozent gering ausgefallen. In der Oberpfalz liegt der Wert dagegen bei 8,77 Prozent. „Um der aktuellen Entwicklung entgegenzuwirken, muss das Handwerk weiterhin die ausgezeichneten Perspektiven darstellen, die eine Ausbildung im Handwerk bietet“, ist sich Kilger sicher. Die neue Abschlussbezeichnung „Bachelor Professional“, die ab diesem Jahr als Zusatzbezeichnung zum Meistertitel geführt werden darf, beurteilt er als einen wichtigen Schritt in Richtung Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Gegen den allgemeinen Trend hat die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge in den Berufen des Nahrungsmittelhandwerks um über fünf Prozent zugelegt. Der beliebteste Lehrberuf in Niederbayern und der Oberpfalz ist nach wie vor Kfz-Mechatroniker. 771 neue Lehrverträge wurden hier unterzeichnet. Im Ranking der meisten Neuabschlüsse folgen die Berufe Elektroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Schreiner und Friseur. Diese fünf machen 43 Prozent des Gesamtbestandes im ersten Lehrjahr aus. Positiv hat sich zudem die Zahl der Auszubildenden mit Hochschulreife im Handwerk entwickelt. Die Quote liegt aktuell bei 9,54 Prozent. „Das zeigt, dass sich mittlerweile immer mehr leistungsstarke Jugendliche für eine Handwerksausbildung entscheiden und sie die Karrieremöglichkeiten in der Heimatregion gerne annehmen“, sagt Georg Haber. Um junge Menschen für eine Handwerksausbildung zu begeistern, müsse man für seinen Beruf und seinen Betrieb intensiv werben und sich als attraktiver Arbeitgeber positionieren, Stichwort Employer Branding. „Nur mit einer durchdachten Strategie in Sachen Nachwuchswerbung, Mitarbeiterförderung und Betriebsimage wird es möglich sein, sich im Wettbewerb um die besten Köpfe zu behaupten.“


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