08.11.2019, 09:00 Uhr

Von Oktober bis Ostern Mit Winterreifen klar im Vorteil – Landratsamt informiert zur Verkehrssicherheit in der kalten Jahreszeit

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Ein herrlicher „Altweibersommer“ trügt nicht darüber hinweg, dass mit dem Herbst kühlere Temperaturen und schlechtere Witterungsverhältnisse auf den Autofahrer warten. Wer bei glatten, mit Bodenfrost belegten Straßen, keine bösen Überraschungen erleben will, sollte rechtzeitig auf Winterreifen umrüsten. Deshalb: Von „O bis O, von Oktober bis Ostern“ nur mit Winterreifen am Fahrzeug unterwegs sein.

KELHEIM Die kalte Jahreszeit stellt im Vergleich zum Sommer wesentlich härtere Anforderungen an das Fahrzeug, besonders an die Reifen. „Winterpneus“ haben bereits ab Temperaturen unter sieben Grad plus Vorteile gegenüber den „Sommerschlappen“. Bei einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde verkürzt sich der Bremsweg mit Winterreifen auf nasser Fahrbahn um circa zehn Prozent, dies entspricht 5,4 Meter. Durch das spezielle Profil und die besondere Gummimischung hat das Auto mehr Haftung auf kühlen und glatten Straßen, bestätigen die ADAC-Reifenexperten. Wer sich jetzt neue Winterreifen besorgt, spart sich zudem viel Zeit und Nerven: Die Händler haben noch eine große Auswahl und man umgeht lange Warteschlangen vor den Reifendiensten, die den größten Ansturm wie jedes Jahr nach dem ersten Wintereinbruch erleben.

Damit Sie und ihre Reifen optimal in den Winter starten können, haben Experten die neun wichtigsten Empfehlungen zum Thema Reifen für Sie zusammengestellt:

1. Achten Sie bei der Reifenauswahl auf das Schneeflocken-Symbol. Dieses weist auf ein gewisses Maß an Wintertauglichkeit hin. Das bekannte M+S-Symbol (englisch „mud and snow“, deutsch „Matsch und Schnee“) ist aber allein kein Garant dafür, dass der Reifen ein echter Winterspezialist ist.

2. Die Gummi-Mischung der Reifen ist nur die halbe Miete, es geht nicht ohne ein ausreichendes tiefes Profil. Gesetzlich vorgeschrieben ist in Deutschland zwar eine Restprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Aus Sicherheitsgründen empfehlen ADAC-Reifenexperten jedoch mindestens vier Millimeter. Und spätestens nach sechs Jahren kann die Gummi-Mischung so hart werden, dass die Reifen bei tiefen Temperaturen nicht mehr genügend Grip aufbauen und daher ausgetauscht werden sollen.

Wissenschaftliche Versuche zeigten, dass bereits unter circa vier Millimetern die Haftung deutlich abnimmt. Abgenutzte Reifen fahren dann bei Nässe nicht mehr sicher. Dies ist insbesondere bei Nässe und Schnee zu beobachten, es droht Aquaplaning. Wie überprüfe ich das Reifenprofil? Entweder beim Fachhändler oder selbst mit einem Profilmesser, den es im Zubehörhandel gibt. Oder mit einer Zwei-Euro-Münze: Die steckt man in das Profil – ist der Vier-Millimeter-Silberrand der Münze im Reifen nicht sichtbar, hat der Reifen genügend Profil.

3. Mischen Sie auf keinen Fall Sommer- und Winterreifen! Das Mischen von Sommer- und Winterreifen ist bei Pkw und deren Anhänger grundsätzlich verboten.

4. Steigen Sie frühzeitig auf Winterbereifung um. Zum einen sind die Wartezeiten bei Händlern und Werkstätten bei Wintereinbruch sehr lang. Zum anderen ist die Reifenauswahl zu Saisonbeginn am größten. Am sinnvollsten ist der Wechsel zwischen Mitte Oktober und Mitte November. Die Reifen sollten mindestens bis zum Wochenende nach Ostern montiert bleiben, da besonders im Süden Deutschlands bis nach Ostern noch mit Schneefällen zu rechnen ist.

5. Prüfen Sie Reifen vor dem Kauf genau auf die Verwendbarkeit am eigenen Fahrzeug. Die Montage falscher Pneus kann im schlimmsten Fall zu einem Verkehrsunfall führen. Doch auch ohne eine solche Situation können falsche Reifen zu einem Bußgeld, Punkten in Flensburg und dem Verlust des Versicherungsschutzes führen. Welche Reifen zu Ihrem Fahrzeug passen, erfahren Sie durch Vergleich der Radaufschrift mit den Vorgaben in den Fahrzeugpapieren. Weitere Reifen-Fahrzeug-Kombinationen erfahren Sie bei Ihrem Vertragshändler.

6. Kaufen Sie gebrauchte Winterreifen nur, wenn Sie deren Zustand und die bisherige Behandlung beurteilen können.

7. Prüfen Sie vor der ersten Fahrt den Geschwindigkeits-Index Ihres Winterreifens, dessen „persönliche Höchstgeschwindigkeit“. Darüber hinaus ist ein Aufkleber mit Angabe der Höchstgeschwindigkeit des M + S-Reifens im Sichtfeld des Fahrers anzubringen.

8. Winterreifen sollten, je nach Kilometerleistung, etwa nach fünf Jahren, spätestens nach zehn Jahren ausgetauscht werden. Bei Beschädigungen oder Alterserscheinungen (Risse oder Auflösungen) kann dies auch früher erforderlich sein: Zuerst das Profil prüfen und den Reifen auf Beschädigungen wie eingedrungene Fremdkörper, Beulen oder Risse checken – auch auf der Reifeninnenseite. Steine, die sich im Profil festgesetzt haben, beseitigen. Sind Reifen auf der Lauffläche oder an der Seitenwand beschädigt oder stark abgenutzt, sollten sie ersetzt werden.

Möglichst auf allen vier Rädern Reifen des gleichen Typs verwenden – zumindest aber gleiche Reifen auf einer Achse montieren.

9. Kraftfahrzeuge, insbesondere Pkw, besitzen nur vier Reifen. Ein Reifen hat eine Auflagefläche auf der Straße von der Größe einer Postkarte. Sie fahren also auf vier Postkarten durch den Winter!

Wie soll man die abmontierten Sommerreifen richtig lagern? Vor dem Einlagern den Luftdruck um 0,5 Bar erhöhen. Die Räder sollten vor dem Abmontieren mit Kreide markiert werden und bei Wiedermontage achsweise gewechselt werden. Reifen liegend übereinander lagern. Alternativen sind Felgenbäume oder Wandhalterungen. Reifen ohne Felgen senkrecht in einem trockenen Raum stehend lagern und alle paar Monate drehen.

Im Hinblick auf die Verkehrssicherheit bedeutet all dies keine absolute Sicherheit. Zusätzlich zur wintertauglichen Ausrüstung ist es das Wichtigste, die Fahrweise an die Witterungsverhältnisse anzupassen. Die Verantwortung und die richtige Selbsteinschätzung des Fahrers sind stets gefordert.


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