06.11.2018, 20:34 Uhr

Wirtschaft Jubiläumsempfang des IHK-Gremiums Kelheim – „Potentiale vor Ort ausbauen“


Anlässlich des 175-jährigen Bestehens der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim empfing das IHK-Gremium Kelheim am Montag, 5. November, Vertreter der regionalen Wirtschaft, Politik und Verwaltung zum Jubiläumsempfang in Neustadt an der Donau.

NEUSTADT AN DER DONAU IHK-Präsident Michael Matt betonte in seiner Festrede die Lebensqualität des Landkreises Kelheim sowie dessen Erfolgsfaktoren als Wirtschaftsstandort: „Neben einer blühenden Tourismusbranche sind es insbesondere die vielen innovativen Mittelständler, die die Region so stark machen.“ Kelheim gelte zu Recht als attraktive Zuzugsregion und dies „nicht zuletzt durch die Tatkraft engagierter Menschen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“.

Regionale Schnittstelle

„Es sind die Unternehmerinnen und Unternehmer, die mit ihrem Engagement und ihren Ideen den Wirtschaftsraum Kelheim definieren“, bestätigte IHK-Gremiumsvorsitzender Michael Gammel. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass der Landkreis so gut da stehe, sondern das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit. „Viele Betriebe, Politiker und andere Akteure trafen gemeinsam die richtigen und weitblickenden Entscheidungen und engagieren sich nach wie vor für wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen.“ Die Vor-Ort-Strategie der IHK schaffe mit ihren bezirksweit sechs Geschäftsstellen – eine davon in Abensberg – regionale Schnittstellen zwischen dem Ehren- und Hauptamt sowie der Wirtschaft und Politik in den Landkreisen. Gammel sieht darin die Basis für die Interessensvertretung der regionalen Wirtschaft: „Wie könnte man die Bedürfnisse der Betriebe im Landkreis besser aufgreifen und umsetzen als direkt vor Ort?“

Bedarfsgerecht handeln

Jede Region muss sich mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Zwei Themen, die auch über die Landkreisgrenzen hinaus unternehmerische Herausforderungen sind, hat das Gremium für die kommenden fünf Jahre ganz oben auf seine Agenda gesetzt: Fachkräfte(mangel) und Infrastruktur. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes diskutierte zusammen mit dem Kelheimer Landrat Martin Neumeyer und den Unternehmern Bernd Lotter und Christian Wittmann über die wirtschaftliche Bedeutung des überregionalen Fachkräftemangels. Moderne Arbeitsformen oder die Zuwanderung qualifizierter Mitarbeiter aus dem Ausland könnten einen positiven Beitrag zur Fachkräftegewinnung leisten. „Aber wir müssen auch das vorhandene Fachkräftepotenzial mehr nutzen“, sagte Helmes. Dies gelinge beispielsweise durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen und Weiterbildungsangebote. „Weiterbildung macht die Ausbildung erst richtig interessant.“ Lotter stimmte zu: „Junge Menschen brauchen Perspektiven.“ Das Image der Ausbildung sei in den letzten Jahren durch den Akademisierungswahn zu Unrecht verschlechtert worden, findet Landrat Neumeyer. Initiativen wie die IHK-Aktion „Elternstolz“ seien tolle Projekte, um den Wert einer Ausbildung zu verdeutlichen. Unternehmen benötigen nicht nur Fachkräfte, sondern auch eine gute Verkehrsinfrastruktur, die ihre Mitarbeiter und Geschäftspartner zu ihnen bringt. „Wichtig ist, dass die gesamte Infrastruktur bedarfsgerecht ausgebaut wird“, so Helmes. Das gehe über die Erweiterung von Fahrbahnen hinaus: Auch eine stabile Mobilfunk-Versorgung und leistungsfähige Breitbandverbindung seien notwendige Maßnahmen. „Denn ohne flächendeckend passende Infrastruktur gibt es keine modernen Arbeitsplätze“, ist sich Wittmann sicher. Die Digitalisierung sehe er nicht als „Game-Changer, sondern Life-Changer“. Es brauche langfristige Pläne der Politik wie, wann und wo der Ausbau der digitalen Infrastruktur stattfindet und eine offene Kommunikation mit den Unternehmen. Landrat Neumeyer betonte sein Verständnis für die unternehmerische Sicht, wies jedoch darauf hin, dass in der Politik stets ein Kompromiss nötig sei, der alle gesellschaftlichen Interessen vereint.


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