10.01.2018, 17:55 Uhr

Blind vor Liebe Bankräuber geworden 23-Jähriger für Überfall auf Mengkofener Raiffeisenbank verurteilt

Der Verurteilte soll blind vor Liebe gewesen sein. (Foto: ws)Der Verurteilte soll blind vor Liebe gewesen sein. (Foto: ws)

Gelegenheitsarbeiter Dennis H. (23) muss für drei Jahre und drei Monate hinter Gitter.

MENGKOFEN/LANDSHUT Aus blinder Liebe zu einer attraktiven 18-Jährigen aus seiner Heimatgemeinde Mengkofen wurde der Staplerfahrer Dennis H.

zum Bankräuber. Im Prozess vor der 1.Strafkammer des Landshuter Landgerichts kam der hünenhafte 23-Jährige, der auf der Anklagebank eher tollpatschig wirkte, wegen schwerer räuberischer Erpressung mit einer moderaten Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten davon.

Besonders pikant: Seine „Traumfrau“ muss sich demnächst selbst wegen eines versuchten Tankstellenüberfalls vor Gericht verantworten.

Vermummt mit einer Sturmhaube und mit einer täuschend echt aussehenden Soft-Air-Pistole bewaffnet hatte der 23-Jährige - dem der psychiatrische Sachverständige später unterdurchschnittliche Intelligenz bescheinigte - am 16. Mai letzten Jahres die Mengkofener Raiffeisenbank betreten und die anwesende Bankangestellte (21) sowie eine Auszubildende (18) aufgefordert: „Überfall, runter auf den Boden.“ Dann forderte er Geld und bekam schließlich eine Holzkiste mit Hartgeldrollen und Papiergeld ausgehändigt - insgesamt 8193 Euro.

Damit flüchtete er zunächst, allerdings hatten die beiden Bankmitarbeiterinnen bereits den Alarm ausgelöst und so konnte der Räuber nach kurzer Fahndung am Klausenweg. Den Streifenbeamten war er nicht nur anhand der Beschreibung - vor allem seiner massigen Figur - verdächtig vorgekommen. „Er trug bei 30 Grad auch noch einen dicken Pulli“, so einer der Beamten vor Gericht. Nach kurzen Ausflüchten führte der Staplerfahrer dann die Polizisten auch zum Versteck des Geldes und der Überfall-Utensilien, lieferte bereits bei seiner ersten Vernehmung ein umfassendes Geständnis.

Was er den Polizeibeamten und dann vor der 1. Strafkammer zu berichten hatte, war eine filmreife Geschichte: Im Alter von sieben Jahren mit seinen Eltern aus Polen nach Mengkofen umgesiedelt, habe er wegen seiner Sprachschwierigkeiten in der Schule „schlechte Jahre“ gehabt, es schließlich über die Förderschule und berufliche Maßnahmen zum Staplerfahrer gebracht. Allerdings sei ihm zuletzt gekündigt worden, weil er sich mit dem Vorarbeiter „gefetzt“ habe. Er habe fleißig gespart und ein Guthaben von rund 18 000 Euro auf dem Konto gehabt.

Das sei schnell weg gewesen, nachdem er 2016 „Natalie“ kennen und lieben gelernt habe. Sie habe ihm das Geld mit den abenteuerlichsten Geschichten aus der Tasche gelockt. Beispielsweise, dass sie ihr Vater an Russen in Straubing verkauft habe und er sie für 10 000 Euro freikaufen könne. Ein andermal habe sie ihm erzählt, dass sie ein Sparbuch mit mehr als zwei Millionen Guthaben ihrem Vater für 9000 Euro abkaufen könne, usw., usf.

Schließlich sei nicht nur sein Erspartes aufgebraucht gewesen, er habe Schulden bei der Bank und bei Bekannten gehabt. In der Nacht zum 16. Mai habe ihn „Natalie“ wieder angerufen: Sie brauche 75 000 Euro für eine „Koma-Therapie“. Als er ihr erklärt habe, dass er kein Geld mehr habe, habe sie ihn aufgefordert, „dann halt eine Bank auszurauben.“ Dass er das dann getan habe, bereue er, schäme sich dafür: „Ich war nicht mehr ich selbst, ich hätte alles für sich getan.“

Für eine Überraschung sorgte dann „Traumfrau Natalie“: Nicht nur, dass sie ihrem Verehrer ihren echten Namen Nadja L. verschwiegen hatte, gegen sie liegt inzwischen nämlich eine Anklage wegen eines von ihr im Juli letzten Jahres in Mengkofen begangenen Tankstellenüberfalls vor, wobei sie die Kassiererin mit einem Beil vergeblich zur Herausgabe von Geld nötigen wollte und später von einem Passanten festgehalten wurde.

Obwohl die 18-Jährige, die derzeit in einer psychiatrischen Klinik eine Drogentherapie absolviert, bereits vorab über ihr Schweigerecht belehrt worden war und Vorsitzender Richter Markus Kring sie eindringlich auf die Wahrheitspflicht hinwies, entschloss sie sich zu einer Aussage, in der sie zwar die Bekanntschaft mit Dennis H.

bestätigte, aber sie habe ihm nur aus „Spaß“ Liebe vorgespielt. Es ei nie zu Zärtlichkeiten oder gar Intimitäten gekommen. Und dann: Sie habe ihn nie um Geld gebeten, nie welches von ihm bekommen. Ebenso wenig habe sie ihn zum Bankraub aufgefordert, davon habe sie erst Wochen später erfahren. Andererseits habe der 23-Jährige ihr gegenüber behauptet, dass er eine Riesenerbschaft in Polen gemacht und „Geld wie Heu“ habe.

Die Bankangestellte bekundete, dass sie beim Überfall zwar Panik, aber keine wirkliche Angst gehabt habe. Bei ihr seien auch keine psychischen Folgen aufgetreten. Anders die Auszubildende: Sie habe Angst gehabt und leide heute noch psychisch unter den Folgen. Die schriftliche Entschuldigung des 23-Jährigen akzeptierten beide nicht: Dennis H. habe darin das Geschehen mehr oder minder bagatellisiert.

Vorsitzender Richter Kring begründete die von der Kammer verhängte moderate Freiheitsstrafe - Staatsanwältin Dr. Lina Schneider hatte viereinhalb Jahre und Verteidiger Siegfried Wiesböck nicht über vier Jahre beantragt - damit, dass man zu einem „minder schweren Fall“ der schweren räuberischen Erpressung gekommen sei. Dabei sei man zugunsten des 23-Jährigen von seiner Version ausgegangen, dass er ständig von der 18-Jährigen mit Geldforderungen bedrängt worden sei.

Es könne dahin gestellt bleiben, ob er tatsächlich von ihr zum Banküberfall aufgefordert worden sei: „Er war komplett in sie verschossen, durch seine Verliebtheit geblendet und auch intellektuell nicht in der Lage, die Plausibilität ihrer aufgetischten Geschichten infrage zu stellen. Die fielen auf fruchtbaren Boden, weil sie ihm infam eine Liebesbeziehung vorspiegelte.“

Bereits Verteidiger Wiesböck war in seinem Plädoyer auf die Feststellung des psychiatrischen Sachverständigen eingegangen, dass „verliebt sein keine psychische Erkrankung sei.“ In diesem Fall sei das aber der Kern des Problems gewesen. Der 18-Jährigen warf er vor, sich gegenüber dem Angeklagten niederträchtig verhalten und vor Gericht noch mit „einer Lüge nach der anderen“ aufgewartet zu haben. -ws-


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