30.08.2019, 11:50 Uhr

B11 Die Lebensader der Region


Für eine sichere Straße ist manchmal etwas Chaos erforderlich.

GRAFLING Am Hochbühl wird gebaut, zwischen Niederkandelbach und Datting wird die Fahrbahn saniert: An den damit einhergehenden Verkehrsbeeinträchtigungen erkennt man deutlich, wie wichtig die Bundesstraße 11 als Lebensader der Region ist. Seit den 1980er Jahren wird die Straße laufend verbessert und ausgebaut, werden durch Verlegungen Ortschaften entlastet und eine leistungsfähige Verbindung geschaffen. Ein Blick in die Geschichte:

1986 wurde die Ortsumgehung Zwiesel für den Verkehr freigegeben. Zuvor verlief die Bundesstraße mitten durch die Stadt und über den stark frequentierten Stadtplatz. Mehrere Ampelanlagen, Staus und lange Wartezeiten gingen den Bewohnern gewaltig auf die Nerven. Das änderte sich mit dem Bau der Ortsumgehung, die in rund fünf Jahren Bauzeit um die Stadt herumgeführt wurde.

Am anderen Ende der Bundesstraße verlief die B11 mitten durch Deggendorf, über den Stadtplatz um das Alte Rathaus herum. Der gesamte Verkehr, von der 1991 eröffneten Autobahn A92 her kommend, floss durch die Stadt. Zu den Hauptverkehrszeiten waren die Verkehrsbehinderungen erheblich, Staus an der Tagesordnung. 1996 wurde die Verlegung der B11 nach sechs Jahren Bauzeit abgeschlossen. Obwohl sich viele Deggendorf dringend eine Entlastung vom Verkehrschaos gewünscht hatten, war der Bau umstritten. Denn mit der neuen Straße wurde das Naherholungsgebiet der Deggendorfer am Bogenbach durchschnitten. Viele befürchteten eine Zerstörung des idyllischen Gebietes. Darum war der Bau der B11 mit hohen Anforderungen an Ausgleichsflächen und Naturschutz verbunden. Ein Ergebnis sind die Tunnel, die nach Fertigstellung begrünt wurden. „Heute ist die Straßenführung in Deggendorf ein Beweis dafür, dass Verkehr und Naherholung im Grünen funktionieren können“, sagt Leitender Baudirektor Robert Wufka, Leiter des Staatlichen Bauamts Passau.

Am Ende war auch die Freude der Deggendorfer groß. Vor der Verkehrsfreigabe feierten sie die Entlastung ihres Stadtzentrums mit einem „Tag der offenen Straße“. „Die Straße war fertig, aber es lief noch kein Verkehr darauf. An diesem Tag waren die Deggendorfer zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf ihrer neuen Straße unterwegs“, erinnert sich Wufka.

Auch die Stadt Regen atmete auf, als im Juni 2000 die Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben wurde. Um möglichst viel Verkehr aus der bisherigen Ortsdurchfahrt abzuziehen, wurde ein rund 800 Meter langer Tunnel gebaut. Dieser stellte die Baufirmen vor große technische Herausforderungen. Der Bergrücken aus teils brüchigem Gestein verläuft entlang der Bahnlinie Regen- Zwiesel. Bei den Sprengarbeiten, die für den Tunnelbau erforderlich waren, durfte die Bahnlinie ebenso wenig beeinträchtigt werden wie die nahegelegenen Häuser und ein Firmengelände. Wie die Deggendorfer lieben und hassen die Regener ihren Tunnel gleichermaßen: Dank des Tunnels wird viel Durchgangsverkehr aus der Stadt abgehalten, doch wenn er wegen Unfällen oder Wartungsarbeiten kurzzeitig gesperrt werden muss, hält das frühere Verkehrschaos wieder Einzug in der Stadt. Nicht auszudenken, wie es in der Stadtmitte zugehen würde, gäbe es diesen Tunnel nicht.

Auch die aktuellen Baumaßnahmen an der B11 sind ein Teil des weiteren Ausbaus der Bundesstraße. Langfristig sollen auch die Bewohner von Schweinhütt und Ruhmannsfelden von Ortsumgehungen profitieren – so wie sich die Zwiesler, Regener und Deggendorfer vor Jahren über die Verlegung der Bundesstraße freuen durften.

Informationen zu den laufenden Bauarbeiten an der Bundesstraße 11 im Ausbauabschnitt zwischen Grafling und Gotteszell sowie den weiteren Abschnitten, die derzeit beplant werden, findet man auf der Webseite „B 11 für uns“ unter https://b11-fuer-uns.de.


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