21.03.2018, 13:29 Uhr

Akutstationäre Versorgung Bernreiter poltert gegen AOK-Forderungen

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter, warnt die AOK: „Aktuelle Forderungen gefährden akutstationäre Versorgung im ländlichen Raum!“

DEGGENDORF „Wenn planbare Operationen nur noch in größeren Krankenhäusern möglich sein sollen, zerlegt uns das langfristig die akutstationäre Versorgung im ländlichen Raum“, sagt der Präsident des Bayerischen Landkreistags zum aktuellen AOK-Krankenhausreport. Darin wird unter anderem eine stärkere Zusammenlegung von kleineren Krankenhäusern gefordert. „Qualitätsverbesserungen zugunsten unserer Bürgerinnen und Bürger bejahen wir absolut. Aber die AOK muss uns schon die Frage beantworten, ob größere Häuser automatisch bessere Arbeit leisten. Mit den jetzt vorliegenden Vorschlägen der AOK wird genau bei denjenigen der wirtschaftliche Druck erhöht, die wir zur Aufrechterhaltung einer flächendeckenden (Notfall-)Versorgung brauchen. Wie sollen wir diese in Zukunft noch finanzieren?“, so Bernreiter weiter.

Die Krankenhäuser im ländlichen Raum werden durch die zunehmende Verknappung der Erlöse für die erbrachten Leistungen immer stärker in eine finanzielle Schieflage gebracht. Wenn die Kommunen die Defizite nicht mehr schultern können, müssen Häuser geschlossen werden. „Dies geschieht nach dem Zufallsprinzip und nicht nach krankenhausplanerischen Erwägungen!“, beschwert sich Bernreiter. „Um die notfallmedizinische Versorgung auch zukünftig in der Fläche vorhalten zu können, fordern wir realistische Vorgaben, insbesondere eine auskömmliche Finanzierung der Leistungen der Grund- und Regelversorgung!“, bekräftigt der Deggendorfer Landrat.

Die Ableitung von strukturpolitischen Forderungen auf Bundesebene aus großen Statistiken gehe am Kern der Probleme vorbei. So berücksichtige der Hinweis auf eine angebliche Überversorgung Deutschlands mit Krankenhausbetten im internationalen Vergleich nicht die höchst verschiedene Bevölkerungsverteilung in den Ländern und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Gesundheitspolitik. „In Skandinavien leben im Unterschied zu Deutschland viel mehr Menschen in den Städten. Statt 118 Krankenkassen – wie bei uns – gibt es dort auch nur zwei oder drei Krankenkassen oder eine staatliche Gesundheitsversorgung. Die Bundespolitik und unsere Kassen machen es sich zu einfach! Viele Kreiskrankenhäuser in Bayern sind oftmals der letzte Anker für die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen. Dies gilt umso mehr in Zeiten einer sich zunehmend verschärfenden Landarztproblematik“, so der Landrat von Deggendorf. Von den 71 bayerischen Landkreisen tragen derzeit noch 60 Landkreise Krankenhäuser an 120 Standorten und sichern damit die Versorgung der Menschen in den ländlichen Regionen des Freistaats Bayern.


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