26.09.2018, 13:02 Uhr

Libanon-Reise Traunsteiner Landrat Walch: Wollen Fluchtursachen bekämpfen durch Hilfe vor Ort


Der Landkreis Traunstein plant eine entwicklungspolitische Partnerschaft mit Kommunen im Libanon. Im Rahmen einer von der deutschen Botschaft begleiteten Delegationsreise in den Libanon führte Landrat Siegfried Walch Gespräche mit Vertretern libanesischer Gemeindeverbünde, um mögliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit auszuloten.

LANDKREIS TRAUNSTEIN/LIBANON „Der Libanon bewältigt eine extreme Belastungsprobe. Kein anderes Land auf der Welt hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufgenommen. Deutsche Kommunen können mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in Ländern wie dem Libanon leisten. Hilfe vor Ort ist der humanste und wirksamste Weg, Fluchtursachen zu begegnen. Nur wenn die Menschen in ihren Heimatländern eine Zukunft haben, wird sich auch der Migrationsdruck nach Deutschland und Europa verringern“, so Landrat Siegfried Walch. Organisiert und finanziert wurde die Delegationsreise von „Engagement Global“, einer Servicestelle des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Ein entscheidender Impuls hierzu kam vom Traunsteiner Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag, Klaus Steiner, der sich als Entwicklungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion bereits seit Jahren für die Bekämpfung von Fluchtursachen einsetzt.

Geschätzte 1,5 Millionen Menschen aus Syrien haben im Libanon Schutz vor dem Bürgerkrieg gesucht. Eine gewaltige Herausforderung für die rund 4,5 Millionen Einwohner – und für ein Land, in dem bereits etwa 450.000 palästinensische Flüchtlinge zum Teil seit Jahrzehnten in Lagern leben. Die Infrastruktur der Dörfer wird über ihre Belastungsgrenze hinaus beansprucht. Die Zentralregierung ist zudem nicht in der Lage, die Gemeinden ausreichend mit Strom zu versorgen oder eine wirksame Müllentsorgung zu organisieren. Viel Strom wird mit privaten Dieselaggregaten erzeugt, Müll wird nicht zentral gesammelt und entsorgt, und die Landwirtschaft kämpft mit veralteten Methoden und starker Grundwasserverschmutzung.

Das geplante Engagement setzt genau bei dieser Not an und bringt deutsche und libanesische Kommunen zusammen. „Es geht hier nicht um das Werben für Spenden, sondern hauptsächlich um Knowhow-Transfer. Uns war es im ersten Schritt wichtig, ein genaues Bild von der Lage vor Ort zu erhalten und mit den libanesischen Gemeindevertretern und Fachleuten konkrete Hilfestellungen und Wissensvermittlung zu erörtern“, so Landrat Siegfried Walch. Deutsche Kommunen könnten wertvolles Erfahrungswissen an die libanesischen Kollegen weitergeben. Notwendige Investitionen, um dieses Wissen umzusetzen, können über das Programm von Engagement Global gefördert werden. „Anknüpfungspunkte sehen wir vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, der Gesundheitsversorgung sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Hier können wir als Landkreis Traunstein viel bieten und einbringen“, so Walch. Neben den Themen Müllentsorgung und Abwassermanagement geht es dabei beispielsweise um die Wiederaufforstung der Wälder im Libanon. Sie wurden in den Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen in weiten Teilen des Landes völlig zerstört, um Heizmaterial zu gewinnen. Als symbolischen Akt dieses Vorhabens und der Partnerschaft pflanzten Landrat Walch und der Präsident des Gemeindeverbundes Jabal el Sheikh, Saleh Abou Mansour, eine 15 Jahre alte Libanon-Zeder.

Als nächstes werden alle Beteiligten gemeinsam Konzepte erarbeiten, wie eine Zusammenarbeit in diesen und weiteren Bereichen konkret aussehen könnte. Zur Finanzierung des Engagements im Libanon erklärt Walch: „Beinahe sämtliche Kosten der möglichen Aktivitäten werden über das Förderprogramm des Bundesentwicklungshilfeministeriums gedeckt. KIar ist: Insgesamt ist es deutlich günstiger, wirksamer und humaner, den Menschen in ihren Heimatländer zu helfen, statt hier in Deutschland. Wir können mit einem Euro in den Herkunftsländern viel mehr bewegen, als mit einem Euro bei uns. Und die Menschen sind nicht gezwungen, die Region zu verlassen, in der sie sich kulturell beheimatet fühlen.“


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