08.07.2020, 13:56 Uhr

Stadt Altötting will helfen Dultplatz-Anwohner leiden unter Lkws und Bussen


Parkende Lkws und Busse, brummende Diesel, surrende Klimaanlagen und nächtliche „Drifter“

Altötting. Eigentlich wirkt die Lage des Hauses an der Ecke des Dultplatzes ganz idyllisch. Ein gepflegter, lauschiger Garten hinter einem hohen Sichtschutzzaun. Im Obergeschoss ein geräumiger Balkon mit Hollywoodschaukel. Auch die Hofdult einmal im Jahr und der Altöttinger Kirta stören nicht weiter - diese Feste gehören dazu.

Die Hausbewohner könnten es in ihrer Ecke gut aushalten. „Wenn da nicht die vielen Lkws wären, die jeden Abend und am Wochenende zum Parken über den Platz rollen und Staub aufwirbeln“, berichtet Peter Reinert verärgert. „Und die Schul- und Pendlerbusse, die von ihren Fahrern genau in unserer Ecke geparkt werden, weil hier der einzige Schatten ist.“

Von vielen Fahrern gibt es nur dumme Sprüche

Dazu kommen auch Wohnmobile, die nicht gegenüber auf den dafür reservierten Plätzen sondern auch im Schatten abgestellt werden.

Er hat die Parker schon mehrfach angesprochen und sie gebeten, wenigstens die Klimaanlagen auszuschalten, oder die Motoren nicht unnötig laufen zu lassen. Im besten Fall war die Wirkung gleich Null, in anderen Fällen gab es dumme Sprüche.

Den Anwohnern gefällt es auch gar nicht, wenn pausierende Fahrer nicht auf das öffentliche Klo am Platzeingang gehen sondern sich einfach am nächsten Baum oder am Zaun des Hauses erleichtern - und das nicht nur in flüssiger Form.

„Herrscht nach der abendlichen Parkplatzsuche endlich etwas Ruhe, dann kommen die Drifter“, beklagt Reinert. „Sie ziehen mit Vollgas ihre Kreise in den Kies und wirbeln ohne Ende Staub auf. Da bleibt uns nur die Flucht in die Wohnung, sonst schlucken wir Staub.“

Zusätzlich bereiten ihm die Gefahrguttransporte Sorgen, die ebenfalls nachts und ganze Wochenenden auf dem Platz abgestellt werden: „Wenn so einer explodiert, könnte er die ganze Umgebung ausradieren.“

Wegen der Park-Zustände auf dem Dultplatz war Reinert bei der Polizei. Die hat ihn an die Stadt als zuständig verwiesen. Auch mit Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen hat er über die zunehmende Belastung gesprochen.

Bauhof und Polizei haben jetzt ein Auge auf den Platz

Und der ist nach dem Gespräch für die Dultplatz-Anwohner bereits aktiv geworden. „Ich habe ein offenes Ohr für die Platzanlieger, deren Beanstandungen sind berechtigt “, so Antwerpen. „Wenn die Belästigung mit Lkws und Bussen überhand nimmt, muss es Konsequenzen geben. Schließlich besteht seitens der Stadt Fürsorgepflicht für ihre Bürger.“

In der nächsten Zeit will er vom Bauhof beobachten lassen, was sich auf dem Dultplatz tut. Auf seine Anregung hin, wird auch die Altöttinger Polizei ihre Kontrollen erhöhen.

Ganz wird man die parkenden Lkws aber nicht verhindern können, sie würden einfach auf das übrige Stadtgebiet ausweichen. Mit Höhenbegrenzungen die Zufahrt zum Dultplatz zu begrenzen, würde auch Wohnmobiler und hiesige Fahrschul-Lkws treffen. Für machbar hält Antwerpen eine Einteilung des Platzes in Parkzonen - so weit von der Wohnbebauung weg wie nur möglich. Eins ist für das Stadtoberhaupt klar: „Kühlanlagen laufen zu lassen geht gar nicht.“

Was die in der schattigen Platzecke zum Anorganaplatz hin parkenden Busse angeht, will er Kontakt mit den hiesigen Busunternehmen aufnehmen und ein anwohnerfreundlicheres Abstellen erwirken: „Die Stadt ist dahinter, das verträglich zu lösen.“

Einen der staubaufwirbelnden „Drifter“ hat Stephan Antwerpen kürzlich sogar selbst erwischt. „Beim Dreh für unser Dultvideo kam einer angefahren, hat seine Runden gedreht und war wieder weg“, erzählt der Bürgermeister.

Einen „Drifter“ hat der Bürgermeister erwischt

„Allerdings hatte ich sein Kennzeichen und es der Polizei gemeldet. Der junge Mann wird von der Stadt eine Rechnung für die am Platzbelag angerichteten Schäden bekommen und eine Unterlassungsaufforderung.“

Eines schlägt dem Bürgermeister in Sachen Dultplatz auch noch auf den Magen: Der geplante Neubau der Realschule am Hallenbad und der daraus folgende Umzug der FOS/BOS in die Realschule. Wo die hauptsächlich selbstfahrenden Schüler ihre rund 300 Autos täglich parken sollen? Natürlich auf dem Dultplatz - so die erste Idee im Kreisausschuss. Aber diese „billige“ Lösung für den Landkreis auf Kosten der Anwohner will Stephan Antwerpen auf keinen Fall zulassen.