18.07.2019, 09:49 Uhr

Ergebnis einer Klinik-Studie Jedes 2. Krankenhaus ist überflüssig

Experten meinen: Halbierung der Kliniken soll Versorgungsqualität für Patienten verbessern. (Foto: Christa Latta)Experten meinen: Halbierung der Kliniken soll Versorgungsqualität für Patienten verbessern. (Foto: Christa Latta)

Deutsche Kliniken sind oft zu klein und ungenügend ausgestattet - Schnelle Erreichbarkeit ist das falsche Kriterium

LANDKREIS/DEUTSCHLAND. Zu den Überlegungen der geplanten Fusion der Kreiskliniken Altötting und Mühldorf passt die Studie der Bertelsmann-Stiftung, die am Montag, 15. Juli, veröffentlicht wurde.

Sie kommt zu dem Schluss: In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl, von aktuell knapp 1.400 auf deutlich unter 600 Häuser, würde die Versorgungsqualität für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.

In der Studie weisen führende Krankenhausexperten darauf hin, dass viele Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland zu klein sind und oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration der Kliniken vermeiden. Ebenso gingen damit eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung durch Fachärzte und Pflegekräfte einher.

Das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) ist für die Bertelsmann Stiftung der Frage nachgegangen, wie eine Versorgung durch Kliniken aussähe, die sich nicht in erster Linie an einer schnellen Erreichbarkeit, sondern an Qualitätskriterien orientiert. Dazu gehören u.a. gesicherte Notfallversorgung, Facharztbereitschaft rund um die Uhr, Erfahrung und Routine des medizinischen Personals und angemessene technische Ausstattung.

„Die Neuordnung der Krankenhauslandschaft ist eine Frage der Patientensicherheit und muss die Versorgungsqualität verbessern“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Eine primäre Orientierung an Fahrzeiten ginge in die falsche Richtung. „Wenn ein Schlaganfallpatient die nächste Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen qualifizierten Arzt und keine Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden“, so Mohn.


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