20.03.2019, 13:36 Uhr

Leserbrief zur Dauer-Baulücke Burghauser Salzach-Forum - „Quo vadis“ (Joh. 13/36)

Dunkle Wolken über dem Burghauser Salzachforum? Oder: Grün wie das langsam darüber wachsende Gras ist die Hoffnung – und die stirbt ja bekanntlich zuletzt. (Foto: Christa Latta)Dunkle Wolken über dem Burghauser Salzachforum? Oder: Grün wie das langsam darüber wachsende Gras ist die Hoffnung – und die stirbt ja bekanntlich zuletzt. (Foto: Christa Latta)

Ein aktueller Leserbrief zu den diversen Artikeln des Altöttinger Wochenblatts zum Thema „Salzachforum Burghausen – unser erster Artikel zum Salzachzentrum erschien am 17. Dezember 2008

BURGHAUSEN. Zu den diversen Artikeln des Altöttinger Wochenblatts zum Thema „Salzachforum Burghausen – unser erster Artikel zum Salzachzentrum erschien am 17. Dezember 2008.

Wennst den Hund auf´d Jagd drong muaßt, dann konnst´n daschiaßn – selten passte dieses Sprücherl besser als hier. Über zehn Jahre ist es nun her, dass den Mietern gekündigt wurde. Einige (Wieninger) mussten Knall auf Fall raus, „weil am Montag da Bagger kimmt“.

Dem Investor Nr. 1, Taurus, wurde der goldene Teppich ausgerollt: Wirtschaftsförderung, Grundbuch-Flurbereinigung, Bebauungsplan mehrfach geändert, 3 Millionen Euro-Darlehen, Vorab-Abbruch, Zusagen, Versprechungen, Versammlungen, Akquisitionen, Pfarrhaus- und Kindergarten-Verlegung.

Dabei hätte ein Blick ins Internet genügt (Offenlegungspflicht): Der Erwerber ist ein Elefant auf Spatzenfüßen. Mein ehemaliger Chef, Bankdirektor Schandl, hat mir beigebracht, „Bei einer GmbH und Co KG konnst nix hoin, do konnst bloß zoin“.

Als die Luft bei Taurus raus war, kam Investor Nr. 2. Die HBB - Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungs-Gesellschaft mbH = mit beschränkter Haftung. Das Spiel begann von Neuem. Sie wurde angekirrt wie ein Rudel Rotwild für eine Gästejagd. Neue Zugeständnisse: Eine Tiefgarage um 15 Millionen Euro, ein Vorausmietvertrag für den erwarteten Run auf den Campus. Letzteres ist ein sehr fragwürdiger Vorgriff in die Entscheidung des zukünftigen Bürgermeisters und Stadtrates.

Ein jeder Häuslmann, jedes Ladengeschäft, jede Praxis, jeder Handwerker muss bei seinem Bauantrag die Stellplätze nachweisen, ohne hat er keine Chance. Das aber ist offenbar dem Investor Nr. 2 noch nicht genug. Er pokert weiter wie das May-Reserl in Brüssel.

Inzwischen sind von Investor 1 und 2 Kosten aufgelaufen, die, sollten sie sich in den Renditen niederschlagen, plus Grundstückspreis, Mieten entstehen lassen, die ich mir für Burghauser Verhältnisse nicht vorstellen kann. Für eine Umsiedlung von Burghauser Geschäften in diese Mall schon gar nicht. Was kommt dann? Ketten-Struktur-Monopol-Filialisten nach 08/15. Wollen, brauchen wir das?

Zudem hat sich der Erfolgshorizont solcher Malls, Foren, Zentren, Galerien immer weiter entfernt, während sich der Internethandel jedes Jahr hochprozentiger Zuwächse erfreut.

Einen schönen Gruß vom Berliner Flughafen

Möchte man lästern, dann könnte man sagen: Einen schönen Gruß vom Berliner Flughafen und ein Ahoi von der Gorch Fock. Tu ich aber nicht. Im Gegenteil: Die Leistungen schon allein zur Eigentums- und Flurbereinigung waren eine Sisyphusarbeit für Anton Steinberger. Das Geld für Kindergarten und Pfarrheim ist ja nicht rausgeschmissen. Und, wenn man überhaupt eine Schuldzuweisung konstruieren möchte, dann liegt der Fehler 50 Jahre zurück. Noch ehe Kalteis gebaut hat, wurde das ganze Grundstück der Stadt, Bürgermeister Miesgang, auf einem silbernen Tablett präsentiert. Zu einem Preis, den mag ich heute gar nicht mehr sagen. Sonst müsste sich mancher damals aktive Stadtrat zu Boden werfen und weinend in den Hintern beißen. Dafür könnt ich noch Zeugen aufbieten, z.B. den damaligen Stadtbaumeister Ubrig. Ich behaupte, der jetzt praktizierten Grundstückspolitik wär das nicht passiert.

Aber einer ausgeschütteten Milch kannst nicht hinterher trenzen. Die Überlegung muss nach vorne gehen.

Das Allerschlimmste was uns passieren könnte, wäre eine stecken gebliebene Bauruine, eine Totgeburt oder wandelnde Leiche mitten in der Stadt.

Deshalb meint der unterzeichnende Klugscheißer, es ist Zeit für einen Plan B. Soweit ich mich im Bau- und Gemeinderecht noch auskenne, kann die Stadt ein Baugebot erlassen. Wenn dieses vom Besitzer nicht ausgeübt wird oder nicht der erwarteten, geplanten Nutzung entspricht, kann die Stadt eintreten. Ich bin sicher, dass sich unser Bürgermeister und Justiziar auskennen.

Ich stell es mir so vor: Parterre ein Vollsortimenter, wie gehabt und bewährt mit allen Nebenservices wie Bäckerei-Café, Schuh- und Schlüsseldienst, Reinigung, etc. etc. Und obenauf, genau so hoch wie die Ärztehäuser und das Business-Center, Stadtwohnungen, für ältere Leute, die einst ins Umland gezogen sind und wieder heim wollen, Singles - und noch ein paar Tipps, die sag ich nicht, weil ich sonst Ärger krieg. Vermutlich krieg ich den sowieso.

Ob es dafür Bedarf und Nachfrage gibt? Wenn das keine Sprüche sind, die wir von unseren heimatlich altbekannten Baulöwen zu hören bekommen, dann sind deren Häuser und Wohnungen meist schon verkauft, wenn die Bagger anrollen.

Die Finanzierung? Die Stadt, die BuWoG, Privatkapital, Banken, Bauunternehmer - wenn die ihre Lappen zusammenlegen, dann wird ein Schuh draus. Wer von uns allen hat nicht schon mal gesagt: Damals hätt´ ich den Grund kaufen sollen. Das werden wir in zehn Jahren wieder sagen, wie Stadtrat Paul Kokott in der Jahreshauptversammlung der CSU.

Herr Bürgermeister Steindl. Sie laufen auf der Final-Strecke. Ziehen Sie Alexander dem Großen (336-323 v. Ch.) das Schwert aus der Scheide und hau´n Sie den Gordischen Knoten durch.

Gustl Geith

(Quo vadis = wohin gehst du)


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