26.02.2018, 21:23 Uhr

Spirtualität Hexerei und Esoterik: Beliebt bei Jugendlichen und Erwachsenen

(Foto: Flickr / Kelly Hunter)(Foto: Flickr / Kelly Hunter)

Die Faschingszeit ist vorbei, und mit ihr sind auch die Hexen- und Zauberer-Kostüme wieder verschwunden.

Doch es gibt auch Menschen, die sich das ganze Jahr über als moderne „Hexen“ bezeichnen - vor allem Jugendliche entdecken derzeit die Welt der Esoterik für sich. Für diese Teenager ist die Beschäftigung mit Spiritualität ein Weg, um Orientierung und Antworten in einer komplexen Welt zu finden. Esoterik und Hexerei von Astrologie bis zu Zeremonien bei Mondschein sind für viele zum sinnstiftenden Hobby geworden. Zu den mystischen und esoterischen Praktiken, die sie ausprobieren, gehören beispielsweise Kartenlegen, Pendeln und Kaffeesatzlesen. Auf Instagram und in diversen Onlinemagazinen erfahren sie alles Wissenswerte über die benötigten Hilfsmittel, Zaubersprüche und Kartendecks.

Wie Kaffeesatzlesen mit türkischem Mokka funktioniert, wird beispielsweise im Blog des interkulturellen Projekts „Manzara Istanbul“ erklärt. „Weil der Kaffee ungefiltert in die Tasse kommt, setzt sich der Kaffeesatz langsam am Grund ab“, erfährt der Leser dort. Ist der Kaffee getrunken, schwenkt man die Tasse über einer Untertasse, lässt die Brühe abkühlen und liest sich aus den in der Tasse verbliebenen Resten gegenseitig die Zukunft: „ein Volkssport bei den Türkinnen und hochsozialer Akt“. Zum Pendeln wird ein Gewicht, beispielsweise ein Kristall, an einer Schnur befestigt und über ein Diagramm gehalten. Die Richtung, in die das Pendel ausschlägt, soll bei fortgeschrittenen Nutzern die Antwort auf eine zuvor gestellte Frage geben. Wie beim Tarot gehen einige selbsternannte Pendel-Experten davon aus, dass das Unterbewusstsein auf diese Weise Informationen kommuniziert, die noch nicht im Bewusstsein angekommen sind.

Das Kartenlegen, insbesondere mit Tarotkarten, ist eine weitere Leidenschaft vieler selbsternannter Hexen und Hellseher. Tarotkartensets gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen, und stetig kommen welche mit neuen Illustrationen hinzu. Was sie alle gemeinsam haben: Jedes Set besteht aus 78 Karten. Ein Teil gehört der „großen Arkana“ an und trägt Namen wie „der Tod“, „der Gehängte“ oder „der Hierophant“. Der andere Teil der Karten wird zur „kleinen Arkana“ mit ihren Reihen der Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen gerechnet. Die Herkunft des mysteriösen Spiels ist verhältnismäßig unspektakulär: Es wurde zunächst als ganz normales Kartenspiel entwickelt und erst später in esoterischen Kreisen dazu verwendet, Zukunft und Gegenwart zu deuten.

Neben den jugendlichen Hobby-Kartenlegerinnen und -legern beschäftigen sich auch viele Erwachsene mit dem Thema. In Deutschland wird sogar mehr Geld für Esoterik ausgegeben als für Bier. Die große Mehrzahl wagt sich zwar nicht selbst an die Deutung der Karten, will aber deren Hilfe in Anspruch nehmen. Die Ratsuchenden wenden sich beispielsweise über Internetportale wie Viversum an professionelle Lebensberater, die für sie die Tarotkarten legen, um eine Antwort auf Fragen zu Entscheidungen oder bevorstehenden Ereignissen zu erhalten.

Neugier, ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis oder Ungeduld sind weitere mögliche Gründe dafür, eine Hellseherin aufzusuchen oder Kontakt mit einer Kartenlegerin aufzunehmen: „Heutzutage haben es die Menschen immer eiliger. Sie können nicht auf die Zukunft warten, um zu wissen, was passieren wird. Sie brauchen die Infos schon jetzt. Das Geschäft der Kartenleger brummt deshalb“, erklärt stuttgarter-nachrichten.de-Kolumnist Uwe Bogen das Phänomen.

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