22.11.2017, 11:35 Uhr

Engel mit Kamm und Schere „Einige haben vor Freude geweint“


„Barber Angel“ Thomas Zauner schneidet Bedürftigen kostenlos die Haare – und sucht jetzt Kollegen, die die Aktionen auch in Niederbayern unterstützen

Niederbayern. Sie sind wahre Engel, denn sie geben bedürftigen Menschen nicht nur ein gepflegtes Äußeres, sondern auch Würde und Selbstwertgefühl zurück.

Im Spätherbst 2016 gründete Friseur Claus Niedermaier zusammen mit befreundeten Kollegen den Verein „Barber Angels Brotherhood“. Der Figaro aus Biberach an der Riß (Baden-Württemberg) rief ein Projekt ins Leben, das innerhalb weniger Monate bereits auf verschiedene Städte im Bundesgebiet ausgeweitet wurde. Die Idee: kostenlose Haar- und Bartschnitte für obdachlose und verarmte Menschen.

Bis Ende dieses Jahres werden die Barber Angels schon 15 Einsätze, zum Beispiel in Großstädten wie München, Stuttgart, Köln, Berlin oder Düsseldorf, absolviert haben. Und demnächst soll es auch Aktionen in Niederbayern geben!

Treibende Kraft in der Region ist Friseurmeister Thomas Zauner aus Reisbach (Landkreis Dingolfing-Landau). Der 50-jährige Friseurmeister, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Deggendorf-Dingolfing-Viechtach, las in einer Fachzeitschrift über die Barber Angels – und war sofort begeistert. Kurze Zeit später war er selbst Mitglied in dem Verein, dem inzwischen circa 70 Friseure, darunter auch Deutsche Meister und sogar Weltmeister, angehören.

Seinen ersten Einsatz, Ende Oktober in Regensburg, wird Zauner nie vergessen: „Etwa 90 Bedürftige waren gekommen“, erzählt er. Menschen mit schweren persönlichen Schicksalen. Menschen, die in bitterer Armut leben. Menschen, für die ein regulärer Friseurbesuch schon lange unerschwinglich ist. Mit einem sauberen Haarschnitt ging nicht nur eine äußerliche Wandlung einher. „Wir geben den Menschen damit auch das Selbstbewusstsein zurück. Einige haben vor Freude geweint, es war sehr ergreifend“, erinnert sich der 50-Jährige.

Die Barber Angels sind Meister ihres Fachs, auch wenn sie rein äußerlich vielleicht nicht wie typische Friseure daherkommen. Die Virtuosen mit Kamm, Schere und Rasierapparat treten nämlich in Rockerkluft auf. Nicht etwa ein Marketing-Gag, wie Pressesprecherin Gaby Günther erklärt: „Dieses Outfit nimmt den Menschen die Hemmungen, die durch eine normale Salonkleidung eventuell aufkommen würden.“ Vor Ort arbeiten die „Barber Angels“ mit karitativen Organisationen und sozialen Einrichtungen zusammen, die die Bedürftigen über bevorstehende Haarschneideaktionen informieren.

Thomas Zauners nächste Station ist am kommenden Wochenende Hamburg. Doch zeitnah sollen die Barber Angels auch in seiner Heimatregion aktiv werden. „Nächstes Jahr wollen wir nach Landshut, Passau, Vilshofen, Straubing oder Deggendorf.“ Sein Ziel: „Alle zwei Monate soll eine Haarschneideaktion in einem Ort in Niederbayern stattfinden.“

Der Reisbacher hofft nun, möglichst viele Kollegen in der Umgebung von der Idee zu begeistern. Dann könnten die Barber Angels, die Friseur-Engel in Rockerkluft, auch mittellosen und hilfsbedürftigen Menschen in Ostbayern helfen.


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