05.04.2013, 15:03 Uhr

Historischer Rückkauf in Schwandorf Ein Feuerwehrauto als weltweites Unikat

Foto: Bernd ScharnweberFoto: Bernd Scharnweber

Eine wahrhaft historische Mission beschäftigt derzeit die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Schwandorf: Es geht um die „Heimkehr“ ihres ersten Drehleiterfahrzeugs, das vor 75 Jahren in Dienst gestellt wurde und seither eine überaus wechselvolle Geschichte erlebte.

SCHWANDORF Denn schon nach kurzer Zeit im Einsatz für die Feuerlöschpolizei Schwandorf wurde der – ursprünglich grün lackierte – Magirus-Lkw mit seiner in Fachkreisen liebevoll „Leila“ genannten Leiter samt Mannschaft nach Nürnberg beordert; als Löschhilfe nach Bombenangriffen. Ironie des Schicksals: Als Schwandorf gegen Kriegsende selbst in Flammen stand, wurde das für damalige Zeiten überaus moderne Fahrzeug schmerzlich vermisst.

Doch es sollten noch viele, viele Jahre bleiben, in denen es seinen Dienst am ursprünglich vorgesehenen Ort verrichten konnte. Bis 1970 war das inzwischen in klassisches Feuerwehr-Rot umlackierte Vehikel zur Stelle, wenn es in Schwandorf brannte. Erst dann, es war eine hydraulische Drehleiter angeschafft worden, rückte „Leila“ ins zweite Glied.

Der Magirus-Truck stand fortan dem städtischen Bauhof zur Verfügung, der ihn für Baumschneide-Arbeiten oder zum Aufhängen der Weihnachtsbeleuchtung nutzte. Ab etwa Mitte der 80er Jahre aber wurde das treue Fahrzeug buchstäblich im Regen stehen gelassen: Im Freien verrottete es vor sich hin und wurde schließlich 1992 für ein Butterbrot an den damaligen Kreisbrandmeister Willi Stengl nach Neunburg verscherbelt. Dieser verkaufte das altehrwürdige Gefährt um die Jahrtausendwende an einen Oldtimer-Liebhaber aus Oberviechtach weiter.

Bei der Feuerwehr in Schwandorf hatte man derweil das einstige Flaggschiff längst aus den Augen verloren. Und dabei wäre es wohl auch geblieben, wenn nicht im letzten November Hans Kraus von der Freiwilligen Feuerwehr Klardorf das Fahrzeug in einer Fachzeitschrift entdeckt hätte (das gute Stück aus Oberviechtach war längst der „Star“ auf einschlägigen Ausstellungen). Er setzte umgehend seine Schwandorfer Kameraden in Kenntnis, die sich sofort für ihren vergessenen Schatz begeistern konnten.

Das Wort „Schatz“ hat in diesem Fall übrigens durchaus seine Berechtigung, wie Andreas Hohler, 1. Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Schwandorf, ausführt: „Nach unseren Informationen ist es das weltweit einzige noch original erhaltene Fahrzeug dieser Art.“ Verständlich also, dass es einen schnellen Vorstandsbeschluss zum Rückkauf dieses Unikats gab. Dafür griffen die Floriansjünger auch gerne tief in die Tasche: 12.500 Euro zahlten sie für das Fahrzeug, das im Jahre 1938 einst für 14.288 Reichsmark und 75 Pfennig angeschafft worden war.

Die Restaurierung des Unikats wird wohl noch einmal dieselbe Summe verschlingen – doch die Feuerwehrler hoffen, dass auch Bevölkerung und hiesige Wirtschaft den lokalgeschichtlich hohen Wert dieses Fahrzeugs erkennen und das Projekt mit Spenden unterstützen. Am dritten April-Wochenende soll die Öffentlichkeit ein Auge auf diesen spektakulären Ankauf werfen können. Und danach möchten sich Hohler und seine Kameraden ans Werk machen: „Unser Ziel ist, dass das Fahrzeug 2015 zum 150-jährigen Bestehen der Feuerwehr Schwandorf fertig ist.“


0 Kommentare