28.02.2013, 17:20 Uhr

Wo drückt der Schuh? Wie kann geholfen werden? Tanja Schweiger informierte sich beim Frauennotruf

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Sich ausführlich über die Arbeit beim Frauennotruf Regensburg e. V. zu informieren, das stand bei der Landtagsabgeordneten Tanja Schweiger (Freie Wähler) aus Pettendorf schon längere Zeit auf der Aufgaben-Liste. Nun nahm sie die im Herbst 2012 als begleitende Maßnahme zur Mitgliederwerbung durchgeführte Taschen-Aktion zum Anlass, sich mit der Leiterin Petra Siegrün und deren Kollegin Andrea Erl zu einem Gespräch zu treffen. Für die Abgeordnete standen dabei vor allem zwei Fragen im Vordergrund: Wo drückt der Schuh? Wie kann geholfen werden?

REGENSBURG Die Regensburger Einrichtung des bundesweiten Hilfe-Netzwerks für Betroffene von sexueller Gewalt unterstütze im Jahr mit insgesamt rund 900 Beratungsgesprächen rund 250 Personen – beide Zahlen: Tendenz steigend, betonte Petra Siegrün.

Tanja Schweiger zeigte Verständnis, dass ihre Gesprächspartnerinnen hierfür die lediglich eineinhalb Personalstellen als zu gering einschätzten. Neben der reinen Beratungstätigkeit gebe es nämlich noch zahlreiche andere Aufgaben zu erledigen, beispielsweise Gruppenarbeit für Betroffene, Präventionsarbeit an Schulen und in Kindergärten, Fortbildung für Lehrer und eben Mitgliederwerbung.

Vor allem zwei Begriffe wurden im Laufe des Gesprächs immer wieder genannt: "Gefühl und Grenze". Frauen sollen, so Andrea Erl, noch deutlicher auf ihre Gefühle achten und ihre Grenzen kommunizieren. Das beginne bereits im Kindesalter. "Kein Küsschen auf Kommando", so lautet der Titel eines Buchs, das im Rahmen der Präventionsarbeit mit Kindern zum Einsatz komme. Der Abgeordneten gefiel das Buch so gut, dass sie es gleich erwarb.

Gefragt nach den häufigsten Auslösern für den Hilferuf von Frauen und Mädchen mit sexualisierten Gewalterfahrungen sei vor allem die Symptomhäufung zu nennen, meinte Petra Siegrün. Andrea Erl konkretisierte: "Frauen sollen nicht warten, bis sie das den Hilferuf auslösende Gefühl 'ich-kann-nicht-mehr-funktionieren-ich-will-jetzt-was-tun' verspüren". Zwar sei die Tendenz erkennbar, dass Frauen immer zeitnäher nach erlebter sexueller Gewalt Hilfe holen, doch noch viel zu viele Frauen versuchen zu lange, Erlebtes zu verdrängen und zu vergessen, anstatt mit ihrem Hilferuf das Schweigen zu brechen – und damit auch die Macht der Täter zu brechen.

Bei den Wünschen zeigten sich die Notruf-Frauen Siegrün und Erl gegenüber der Abgeordneten realistisch. Auch wenn höhere Zuschüsse von der Stadt, vom Landkreis und vom Sozialministerium gern gesehen würden, wollen sie selbst unermüdlich daran arbeiten, weitere Fördermitglieder und großzügige Spender zu werben. Interessant dabei ist, dass Mitglieder ihren Beitrag selbst bestimmen können, erklärte Andrea Erl: "Bereits ein Euro pro Monat hilft uns." Interessierte können sich die Beitrittserklärung im Internet von der Homepage www.frauennotruf-regensburg.de herunterladen.

Tanja Schweiger zeigte sich abschließend beeindruckt von der Arbeit im Frauennotruf Regensburg. Sie sagte zu, sich die Finanzierungssituation bayernweit anzuschauen und das Thema zur Diskussion in ihrer Landtagsarbeit einzubringen.


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