24.10.2010, 11:48 Uhr

Regensburger Appelliert mit Kollegen: „Kampf gegen massenhaften Seelen-Infarkt!"

Drei Uni-Professoren, unter anderem der Regensburger Thomas Loew, haben in einem dramatischen Appell dazu aufgerufen, den Kampf gegen Depressionen anzutreten. „Mittlerweile leiden rund 30 Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung", so die Psychiater. Der Regensburger Professor und 18 Kollegen aus den Bereichen der Psychiatrie warnen vor wirtschaftlichem, vor allem aber gesellschaftlichem Schaden, der unermesslich sei.

REGENSBURG _25 MÜNCHEN In einem dramatischen Aufruf warnen 19 Professoren und Klinikchefs im Nachrichtenmagazin Focus davor, dass die Kosten und Folgen psychosozialer Krisen in unserer Gesellschaft nicht mehr beherrschbar sind. Die Fachleute aus den Bereichen Psychologie und Psychosomatik haben die Seelenlage der Nation analysiert und stellten fest: Mittlerweile leiden rund 30 Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Am häufigsten treten Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen auf.

Die wirtschaftlichen Behandlungskosten solcher Seelenkrisen stiegen in Deutschland 2008 auf 28,6 Milliarden Euro, berichtet Focus unter Berufung auf neue Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und des Robert-Koch-Instituts. 2008 seien 763.000 Erwerbstätigenjahre durch psychische und Verhaltensstörungen ausgefallen. Die Deutsche Rentenversicherung registrierte 2009 64.000 Neuzugänge in die Rente wegen psychischer Erkrankungen, ein neuer Rekord. Diese Folgen betreffen laut den Experten alle entwickelten Industrieländer in ähnlicher Weise.

Die drei Initiatoren Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Kliniken Bad Kissingen, Thomas Loew, Universitätsprofessor für Psychosomatische Medizin in Regensburg, sowie Johannes Vogler, Chefarzt der Klinik Isny-Neutrauchburg, rufen im Nachrichtenmagazin Focus alle Mitbürger auf, sich an einer Diskussion zur Lösung des Problems zu beteiligen. Eine adäquate Behandlung der Patienten sei nicht mehr möglich, selbst mit hohen zusätzlichen Geldsummen. Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater müssten drei bis fünf Mal mehr Patienten behandeln, als sie können. „Seelenfrieden lässt sich nicht erkaufen“, so die Professoren und Klinikchefs. „Deshalb müssen wir dringend über diesen Befund reden. Jetzt.“


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