14.04.2017, 13:34 Uhr

"Kirche ist zutiefst eucharistische Gemeinschaft" Gründonnerstag: Bischof Voderholzer wäscht 14 Frauen und Männern die Füße

Foto: Bistum RegensburgFoto: Bistum Regensburg

Es ist sein letzter Abend in der Gemeinschaft mit seinen Jüngern. Jesus weiß, dass er bald zum Vater gehen wird, seine Stunde ist gekommen. Da erhebt er sich vom Abendmahlstisch, nimmt ein Behältnis mit Wasser und wäscht den Jüngern die Füße.

REGENSBURG "Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe" (Joh 13,14f). An diese Handlung Jesu erinnert die Kirche in der Heiligen Messe am Abend des Gründonnerstags.

Die Fußwaschung, ein Geschenk

Auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Caritasverbandes und der Katholischen Jugendfürsorge Domkapitular Msgr. Dr. Roland Batz und dem Caritasdirektor Diakon Michael Weißmann im Regensburger Dom St. Peter vierzehn Frauen und Männern die Füße gewaschen. Mit Blick auf das Nachsynodale Apostolische Schreiben "Amoris Laetitia" von Papst Franziskus waren es in diesem Jahr Ehejubilare sowie engagierte Mitarbeiter der kirchlichen Ehe- und Familienberatung. Bischof Voderholzer dankte ihnen für ihre Bereitschaft, sich die Füße waschen zu lassen und damit ein Zeichen zu setzen. Reinheit vor Gott sei ein Geschenk, das sich der Mensch nicht selbst geben kann. Ebenso ist die Fußwaschung ein Geschenk. Beschenkte können diese erhaltene Gabe weitergeben, beispielsweise in Form von ehelicher Liebe oder durch Rat für Menschen, die Hilfe suchen.

Folgenden Personen hat Bischof Voderholzer in diesem Jahr die Füße gewaschen

Ehejubilare: Ines und Christoph Häusler (25 Jahre verheiratet, Regensburg, St. Wolfgang), Irmgard und Thomas Meier (30 Jahre verheiratet, Schnaittenbach, St. Vitus), Annemarie & Dionys Ringlstetter (40 Jahre verheiratet, Nabburg, St. Johann), Jutta und Eduard Horn (50 Jahre verheiratet, Regensburg, Herz Marien).

Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Regensburg: Sonja Kornhoff (Wenzenbach, St. Peter), Monika Schwarzer (Viehhausen, St. Leonhard), Irene Söndgen (Ziegetsdorf, St. Josef).

Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge in Regensburg: Franz Braunmiller (Regensburg), Adelheid Richter (Prüfening), Silke Baier (Donaustauf).

An den Ursprung der Kirche

Während das Johannesevangelium die Fußwaschung überliefert, erzählen die synoptischen Evangelien an der entsprechenden Stelle von der Einsetzung der Eucharistie, einem entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Kirche. "Der Gründonnerstag führt uns in besonderer Weise an den Ursprung der Kirche", betonte Bischof Voderholzer in seiner Predigt. Durch das eucharistische Geschehen habe Jesus die Jünger in sein Gottverhältnis hineingezogen. Kirche sei Gebetsgemeinschaft und zutiefst eucharistische Gemeinschaft.

Wenn es um den Ursprung der Kirche geht, wird nicht selten die Frage gestellt, wann Jesus denn die Kirche gegründet habe. Gibt es ein bestimmtes Wort, einen Zeitpunkt? Doch "Jesus musste die Kirche nicht neu gründen", so der Regensburger Bischof. Er war nicht gekommen, um eine neue Religion zu stiften, sondern um das Volk Israel zu sammeln. "Juden sind unsere älteren Brüder und Schwestern und unser Ostern ist aus dem jüdischen Paschafest hervorgewachsen."

Rudolf Voderholzer hob dabei die Bedeutung der theologischen Ausführungen Joseph Ratzingers bzw. Papst Benedikts XVI. hervor. Der Papst emeritus wird am Ostersonntag seinen 90. Geburtstag feiern. Die Theologie der Kirche war und ist einer seiner großen Themenschwerpunkte.

Gemeinsame Eucharistie – das Ziel der Einheit

Gerade weil Kirche eucharistische Gemeinschaft ist, sei die gemeinsame Eucharistiefeier das Ziel der Einheit der Christen, so Bischof Voderholzer. Als sichtbares Zeichen für den gemeinsamen Weg zur Einheit wurde bei der Gründonnerstagsmesse im Dom St. Peter die Hostiendose verwendet, die der evangelische Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss dem katholischen Diözesanbischof im Rahmen des Versöhnungsgottesdienstes im März überreicht hatte. Auf ihr sind Vorausbilder für die Eucharistie dargestellt, darunter der Mannaregen, also die Brotgabe vom Himmel während der Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste.

Vom Gründonnerstag bis zum Ostersonntag

Am Ende der Gründonnerstagsmesse zog Bischof Rudolf Voderholzer mit Weihbischof Reinhard Pappenberger, dem Domkapitel und dem Liturgischen Dienst hinaus in den Domgarten zur Ölberggruppe, wo bei Kerzenlicht und Fackeln Jesu gedacht wurde, der am Abend vor seinem Leiden am Ölberg zum Vater betete.

Mit der Messe vom letzten Abendmahl beginnt das "Triduum sacrum". Die drei "heiligen Tage" umfassen das Gedächtnis vom Leiden und Sterben Jesu, der Grabesruhe und der Auferstehung Christi.


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