01.09.2010, 11:30 Uhr

Dirne war mal ein Mann: Schwerer Raub im Rotlicht-Milieu beschäftigt Richter

Der 30jährige Sergei L. aus Estland soll im Februar eine Prostituierte, die in der Daimlerstraße ihrem Gewerbe nachging, brutal misshandelt und beraubt haben. Am gestrigen ersten Verhandlungstag vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Regensburg bestritt er die Tat.

Der Anklage zufolge stieg der gelernte Schlosser gegen 22.35 Uhr in den Pkw der Geschädigten. Vom Beifahrersitz aus soll er versucht haben, die in der Ablage der Fahrertür deponierte Handtasche nebst Geldbeutel in seinen Besitz zu bringen. Da die Liebesdame erheblichen Widerstand leistete, schlug er ihr mindestens vier Mal mit der Faust ins Gesicht und würgte sie. Bei diesem Kampf soll er ihr auch zwei Goldketten vom Hals gerissen haben. Mit rund 280 Euro konnte er zunächst unerkannt entkommen. Die Geschädigte trug von der Auseinandersetzung mehrere Blessuren, eine Gehirnerschütterung und ein zersplittertes Nasenbein davon.

Zum Prozessauftakt ließ der Angeklagte die Erklärung verlesen, dass er die Geschädigte am Tattag nicht aufgesucht habe. Vielmehr wollte er zusammen mit einem Bekannten zwei Tage vorher ihre Dienste in Anspruch nehmen. Hierbei sei man in deren Fahrzeug gesessen. Da man sich nicht handelseinig geworden sei, will er den Pkw unverrichteter Dinge wieder verlassen haben. Die Geschädigte selbst war es, die die Polizei auf die Spur des Angeklagten brachte. Als dieser zehn Tage nach der Tat am Autostrich auftauchte, erkannte sie ihn wieder. Während sie ihn verfolgte, verständigte sie die Polizei, welche ihn auch erkennungsdienstlich behandelte.

Da seine DNA mit der im Fahrzeug sichergestellten übereinstimmte, wurde der Angeklagte zwei Wochen später in Untersuchungshaft genommen. Auch im Zeugenstand erkannte gestern die Geschädigte ihren Peiniger wieder. Zudem schilderte sie Einzelheiten der Attacke.

Danach forderte der Angeklagte, der stark angetrunken gewesen sein soll, zunächst seine 30 Euro zurück. Dann wollte er ihre ganze Barschaft, die er sich schließlich mit Gewalt nahm. Bei einer späteren Nachschau im Auto sei eine ihrer Goldketten wieder aufgetaucht, die andere jedoch bis heute verschwunden.

Bei der Auswertung der im Fahrzeug gesicherten DNA-Spuren staunten die Beamten des Landeskriminalamtes nicht schlecht, als sie nicht nur beim Angeklagten, sondern auch bei der Geschädigten männliche Y-Chromosome feststellten. Hierzu bestätigte die Geschädigte, dass sie sich vor 30 Jahren einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hätte.

Mit einem flüchtigen „Saufkumpan“ – der ebenfalls als Zeuge vernommen wurde – soll der Angeklagte ebenfalls in die Daimlerstraße gegangen sein. Diesem gegenüber soll er geäußert haben, dass er vorhabe „eine Nutte zu überfallen“. Zur Tatausführung sei es jedoch nicht gekommen. Diesem Zeugen gegenüber soll der Angeklagte auch behauptet haben, dass er in seinem Heimatland 13 Jahre wegen Mordes im Gefängnis gewesen sei.

Die Verhandlung wurde daraufhin bis Mitte September vertagt. Die Strafkammer will in der Zwischenzeit die Strafakten aus Estland beiziehen.


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