19.07.2016, 13:09 Uhr

Ausverkauf Ramma damma: ,Die Regensburger Altstadt ist einzigartig und unvergleichlich'

Foto: Stadt RegensburgFoto: Stadt Regensburg

Über 30 Geschäfte beteiligen sich an der Aktion Ramma dama in der Altstadt. Das Regensburger Wochenblatt sprach mit Ingo Saar, dem Geschäftsführer von "Faszination Altstadt" über die Welterbestadt.

REGENSBURG Wochenblatt: Herr Saar, was macht für Sie die Regensburger Altstadt aus?

Ingo Saar: Die Regensburger Altstadt macht ganz besonders, dass sie ein so kompaktes, geschlossenes Ensemble ist. Zwischen Jahrhunderten Geschichte mit ganz wenigen Ausreißern ist eine unglaubliche Vielfalt zu finden – von großen, wunderbaren Plätzen bis hin zu kleinen, verwinkelten Gassen. Die bauliche Faszination und deren Einzigartigkeit macht uns unvergleichlich. Aufgrund der Entwicklung der letzten Jahrzehnte haben wir in der Altstadt aber auch einen signifikant hohen Anteil an inhabergeführten, charmanten Geschäften, die das Bild der Altstadt nach wie vor prägen. Regensburg hat eben keine gleichförmige Handelslandschaft, wie man sie in anderen Städten erlebt.

Was zeichnet inhabergeführte Geschäfte eigentlich aus?

Einmal natürlich die Vielfalt des Sortiments, aber auch die Spezialisierung und die damit einhergehende Sortimentstiefe. Sie glauben gar nicht, was es alles gibt in der Regensburger Altstadt! Wir haben viele sehr innovative Sortimente, weil sie der Inhaber mit Leidenschaft zusammen stellt. Diese Geschäfte schaffen ganz andere Kundenbindungen, weil es um das Soziale, um das Zwischenmenschliche geht. Letztlich treffen sich in unseren Altstadt-Geschäften die Menschen und sie sind Orte der Begegnung. Die Kunden wissen das zu schätzen.

Also die Ansprache mit dem Nachnamen und den Handschlag?

Ja, das ist manchmal das gute Gespräch und der Espresso, wegen dem die Kunden kommen. Erst an zweiter Stelle entwickelt sich daraus dann ein Verkaufsgespräch – oder auch nicht. Das zeichnet die Altstadt eben aus und macht auch die Atmosphäre aus, die auch durch die wunderbaren Cafés in der Altstadt entsteht.

Gibt es eine Symbiose zwischen der Altstadt als Gastronomie-Standort und dem Einzelhandel?

Wir leben beide von der Frequenz, die wir gemeinsam erzeugen. Der Café-Gast schwebt nicht mit dem Helikopter ein, sondern er geht in die Stadt und kommt an Schaufenstern vorbei. Wir werden oft gefragt, bringen denn die Touristen dem Handel was? Touristen sind auch oft Gastronomie-Kunden. Der größere Teil unserer Händler sagt: Ja, die Touristen bringen uns etwas, auch die Schiffstouristen. Natürlich profitiert nicht jede Branche davon, aber sehr viele.

Wie erklären Sie, dass ein gewisser Frequenzrückgang in der Altstadt immer wieder zu beklagen ist?

Das liegt natürlich auch an den gewachsenen Angeboten außenrum, aber auch daran, dass der Mensch per se bequem ist. Allein die Verlagerung vieler Arztpraxen und Ärztehäuser in die Peripherie hat natürlich auch Frequenz gekostet.

Das Thema Internet war in den letzten Jahren dominant für den Einzelhandel. Man hat den Eindruck, dass es einen Umschwung gibt, viele Menschen wieder den stationären Handel vor Ort aufsuchen und auf Qualität oder regionale Produktionsweisen setzen. Können Sie das bestätigen?

Es gibt Branchen, die auf der Gegengeraden sind. Man weiß es aus dem Buchhandel, dass dort zum ersten Mal online nicht mehr wächst und der stationäre Handel aufgeholt hat. Das hat für mich auch mit dem sozialen Interagieren zu tun, das mir kein Bildschirm bieten kann.Aber natürlich gibt es Branchen, in denen der Zenit noch nicht erreicht ist, wie etwa die Bekleidungsbranche. Hier gibt es ein dominierendes Online-Unternehmen, das jahrzehntelang gewachsene Strukturen völlig durcheinandergewirbelt hat, ohne jemals in Deutschland Steuern bezahlt oder Gewinne gemacht zu haben.Aber eigentlich ist es ja gar nicht bequem, online einzukaufen. Denken Sie nur an die Rücksendung – bei einer Retourenquote von 50 Prozent muss mindestens die Hälfte der Kunden wieder zur Post laufen.

Durch Aktionen wie den Altstadt-Zehner versuchen Sie, Kunden weiter zu binden. Was ist wichtig für die Sichtbarkeit der Altstadt, was bringen diese Aktionen?

Der Altstadt-Zehner ist ganz klar ein Instrument zur Kundenbindung und -Gewinnung. Wir sprechen dabei zwei Bedürfnisse an: Einmal das Bedürfnis, einen hochwertigen Geschenkgutschein erwerben zu können, den man in möglichst vielen Geschäften einlösen kann. An die 150 Geschäfte sind derzeit beteiligt. Zweitens sprechen wir Firmen an, den Altstadt-Zehner als geldwerten Vorteil, ähnlich wie bei Tankgutscheinen, ihren Mitarbeitern zu geben. Am Ende des Tages, wenn da der Kreis der Partner groß genug ist, könnte das sogar die wichtigere Säule werden.

Gibt es Städte, die uns in Sachen Standortmarketing etwas voraus haben?

Ich bin in einem Kreis mehrmals im Jahr zum Austausch, um genau das zu sehen: Was funktioniert dort? Was funktioniert bei uns? Ich nehme natürlich immer eine ganze Menge mit. Ein heißes Eisen sind immer wieder die Parkplätze. Wie ist Ihr Eindruck: Tut sich bei dem Thema etwas?

Wir stehen vor der Herausforderung, dass Regensburg schneller als andere Städte wächst. Und das generiert Verkehr. Der Individualverkehr ist an seiner Grenze angelangt. Das heißt, wir müssen den Zuwachs an Verkehr auf den ÖPNV und auf das Fahrrad bringen, wenn wir nicht im Dauerstau stehen wollen. Das Rad hat seine natürlichen Grenzen, nicht jeder kann und will mit dem Rad fahren. Und auch der ÖPNV muss dringend verbessert werden. Wir machen uns da mit anderen Gruppierungen stark dafür, dass die Idee einer Stadtbahn planerisch in die Wege geleitet wird, damit wir einen leistungsfähigen Verkehrsträger haben, der besser akzeptiert wird als der Bus.

Faszination Altstadt veranstaltet nun mit zahlreichen Fachgeschäften die Aktion „Ramma damma“. Können Sie uns erklären, warum und wie das funktioniert?

Wir möchten den Regensburgerinnen und Regensburgern sowie den Menschen aus der Umgebung zum Saisonschluss zwei Tage anbieten, an denen der Einzelhandel in der Altstadt mit besonderen Angeboten zur Schnäppchenjagd einlädt. Wir konzentrieren uns auf den 22. und 23. Juli und wollen das zum Ende der Wintersaison Ende Januar fortsetzen. Dabei sollen unsere Händler auch optisch in Erscheinung treten, etwa indem sie mit ihrer Warenauslage vor die Türe gehen. Zudem wird es ein optisches Signal geben, die Händler werden mit Luftballons arbeiten.

Herr Saar, vielen Dank.


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