15.03.2011, 15:54 Uhr

Die große Liebe des Hans Lumer Na sowas! In der Schweiz gibt’s einen Jahn-Fanclub

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Das ist wahre Liebe: Der gebürtige Regensburger Hans Lumer hat in seiner Schweizer Wahlheimat einen Jahn-Fanclub gegründet.

Was die Werbewirkung des SSV Jahn für Regensburg angeht, sind die Bürger dieser Stadt geteilter Meinung. Für die einen ist der Verein neben Dom, Domspatzen und Steinerner Brücke einer der wichtigsten Botschafter der Ratisbona, für die anderen spielt er nicht einmal innerstädtisch eine Rolle. Wo liegt die Wahrheit? Wer diese Frage an Hans Lumer (53) richtet, bekommt eine eindeutige Antwort: „Der Jahn ist ein Begriff, zumindest bei den Sportinteressierten in ganz Deutschland – und darüber hinaus.” Dieser Zusatz ist wichtig, denn der gebürtige Regensburger Lumer lebt seit über 20 Jahren in der Schweiz.

Und dort trägt er das Seine dazu bei, um den Bekanntheitsgrad des SSV Jahn und damit Regensburgs zu steigern. Er hat vor knapp zwei Jahren nämlich den ersten ausländischen Jahn-Fanclub gegründet, die „Red White Angels Arbon”. Arbon ist der Ort am Bodensee, in dem Lumer lebt. Wann immer es sein Zeitplan zulässt, steuert er per Auto oder Zug seine alte Heimat Regensburg an. Nach der obligatorischen Mittags-Einkehr im Kneitinger am Arnulfsplatz pilgert er dann ins Jahnstadion, wohin ihn sein Vater erstmals im Alter von sieben Jahren mitgenommen hatte.

Seitdem lässt ihn der Verein nicht mehr los, auch die 420 Kilometer große Distanz zwischen seinem Wohnort und der Prüfeninger Straße ändert daran nichts. „Das ist für mich Erholung nach einer Woche mit oft zehnstündigen Arbeitstagen”, sagt der bei einer Flugzeugbau-Zulieferfirma beschäftigte Ledertechniker zu seinen regelmäßigen Fußball-Ausflügen.

„Ich brauche das. Sobald ich das Jahnstadion sehe, fühle ich mich um Jahre zurück versetzt.” Dann wird aus Lumer wieder der 14jährige Hans, der mit einem Freund beim Rothdauscher rote und weiße Stoffbahnen kaufte und von der Mutter des Spezls zu einer Vier-Quadratmeter-Fahne nähen ließ. „Das war die größte im ganzen Stadion”, ist Lumer heute noch stolz.

Sein Jahn-Enthusiasmus ist offenbar ansteckend. Zwölf Mitglieder zählt der Fanclub mittlerweile, sogar sein Chef fragt Lumer jeden Montag nach dem SSV-Ergebnis und will demnächst mal mitfahren. Immer dabei ist Walter Schwark (72). „Ich geh’ gern zum Fußball, mir gefällt Regensburg, unsere Frauen können während des Spiels einkaufen gehen – das ist doch ein nettes Wochenend-Programm”, meint der gebürtige Hesse.

Hans Lumers Leidenschaft beschränkt sich aber längst nicht auf den Besuch der Spiele – er hat darüber hinaus noch viel vor mit dem Jahn, der für ihn ein echtes Projekt ist: Der 53jährige hat beispielsweise einen alten Bus gekauft, der zum offiziellen Fanclub-Vehikel werden soll. „Ich mache den Bus-Führerschein, und dann fahren wir damit zu den Spielen in Regensburg und den Auswärtspartien in Baden-Württemberg”, kündigt er an. Sein größtes Vorhaben aber ist dieses: „In acht Jahren geh’ ich in Rente – danach habe ich vor, für den Jahn Sponsoren in der Schweiz zu suchen.”

Doch noch einmal zurück zur Ausgangsfrage, ob den SSV Jahn außerhalb Ostbayerns oder (des sportinteressierten) Deutschlands irgendjemand kennt – Lumer hat nämlich eine umwerfende Anekdote als Antwort parat: „Vor etwa zehn Jahren war ich beruflich in Shanghai. An einem freien Tag hab ich mich mit Jahn-Schal auf eine Bank gesetzt. Da lacht mich ein alter Chinese, der in seinem Leben sicher nie aus diesem Land heraus gekommen ist, an und radebrecht ,Jahn Regensburg’.”

Laut Lumer stellte sich heraus, dass der Chinese im Besitz einiger deutscher Bücher war und in einem davon das SSV-Wappen gesehen hatte. Spätestens seit dieser unglaublichen Begegnung hat der Wahl-Schweizer keinen Zweifel mehr daran, dass „sein” Verein etwas ganz Besonderes ist.


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