25.11.2013, 13:55 Uhr

G'schichten Wie der Wiggerl vom Arnulfsplatz zu Facebook kam

Ludwig Fichtlscherer Foto: Christine KandlbinderLudwig Fichtlscherer Foto: Christine Kandlbinder

Der 89-jährige Ludwig Fichtlscherer ist ein echtes Regensburger Urgewächs. Doch der Senior schreibt nicht nur tolle Geschichten, er ist auch ein echter Facebooker geworden.

REGENSBURG Zwischen dem Kneitinger und der Alkofer Bäckerei ist er, in den 1920er Jahren, in eher bescheidenen Verhältnissen, im dritten Stock aufgewachsen. Fasst 100 Stufen über dem damals noch bepflanzten Arnulfsplatz. Da war immer was los und er, der Ludwig Fichtlscherer, den damals alle nur Wiggerl gerufen haben und seine Freunde heckten hier so manchen Streich aus. Was dem Michel aus Lönneberga nicht eingefallen ist, das hat mit Sicherheit der Wiggerl ausgeheckt. Von diesen Abenteuern und den nostalgischen Geschichten der Leute rund um den Arnulfsplatz handelt das Bücherl, das er jetzt, am letzten Freitag, in Regensburg präsentiert hat. Geschrieben hat er die Geschichten in den letzten Monaten, grad so wie sie ihm eingefallen sind und hat sie im facebook gepostet. Dass der Ludwig mit seinen 89 Jahren sich im Facebook rum treibt, wo man eher seine Enkel und Urenkel vermuten würde, hat genau mit denen zu tun. Die leben nämlich in Amerika und um mit ihnen kontakt zu halten, hat er eben mit dem Internet angefangen.

Dass daraus mal ein Buch wird, hat sich da noch keiner gedacht. Ermöglicht aber haben das eine handvoll neuer Freunde, die den Wiggerl auch erst seit kurzem persönlich kennen. Sie hatten, wie viele andere, seine geposteten Anekdoten in der von Helmut Kroner gegründeten facebook Gruppe „Du bist ein echter Regensburger, wenn...“, verfolgt. Fast täglich hat er da erzählt von seiner Kindheit im Regensburg der 1920er und 30er Jahre, vom Pfarrer, vom Beichten und den auferlegten Bußen. Von der ersten Liebe zur Lehrerin und den Lumpereien und ungehobelten Schwänken des Dipferl, eines Freundes des Vaters. Mit jedem Gschichterl wuchs der Kreis seiner Fans auf facebook. Mal zum Schreien komisch, mal mit Wehmut und Nostalgie, so dass es einem beim Lesen feuchte Augen machte. Immer öfter stand als Kommentar dabei: „Wiggerl, Du musst a Buch draus machen!“ das hatte sich auch Christine Kandlbinder, Uschy Schlichtinger und Fritz Rehbach schon lange gedacht.

Zusammen mit Karin Holz, die den Kontakt zum Spielberg Verlag herstellte, haben sie daraus in einer „Edition Regensburg“ ein Taschenbücherl mit ganz besonderem Charme und Lokal Kolorit hervor gebracht. Sie alle konnten es bei der Lesung in der Bischofshof Braustube selbst noch nicht glauben, dass sie die gesammelten Werke jetzt tatsächlich in Händen hielten. Aufgeregt wie kleine Kinder haben sie sich darüber gefreut, den Lebenstraum des Ludwig Fichtlscherer realisiert zu haben. „Wenn ich 50 Gschichten bei einander hab, dann machen wir ein Buch, haben`s damals gsagt. Ich habs zwar ned ganz glaubt, aber i hab weiter gschrieben und inzwischen sans scho über 100“, erzählte der rüstige Autor strahlend.

Kaum zu glauben, dass er schon auf die 90 zugeht, mit soviel Witz und Charme las er seine Anekdoten vor und brachte die fast 100 Leute im proppenvollen Wirtshaus schallend zum Lachen. Ein unglaublich amüsanter Abend mit einem Mann, dem im Leben nichts geschenkt wurde, der die schlimmen Zeiten im und nach dem Krieg, in der die Familie von ganz wenig überleben musste und den Bombenangriff auf Regensburg mit erlebt hat. Auch wenn er das Schreiben erst im respektablen Alter von 86 Jahren angefangen hat, aufhören tut er so schnell nicht. „ich schreib halt weiter, solange ich kann“, erzählte er. Zu erzählen hat er sicher noch so einiges. Immerhin ist er schon seit 67 Jahren verheiratet und auch wenn er schon lange mit seiner besseren Hälfte am Chiemsee lebt, so ist ihm sein Regensburg, sein Arnulfsplatz doch noch immer so ans Herz gewachsen, als wäre er nie weg gegangen. Mit etwas Glück findet noch vor Weihnachten ein weiterer Abend mit dem hochbetagten Nachwuchs-Autor statt und er erzählt wieder von den guten alten Zeiten, die doch gar nicht so gut, aber im Rückblick doch so bezaubernd einfach und liebenswert waren.

Die nächste Buchpräsentation wird auf www.facebook.de/“Wia i no der Wiggerl vom Arnulfsplatz war“ Zu bestellen ist das Bücherl als ganz besonderes Geschenk für Regensburg-Liebhaber bei Amazon oder auf http://wiggerlvomarnulfsplatz.jimdo.com/


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