02.10.2020, 17:08 Uhr

Rückgang Insolvenzen Sehr „riskant“ oder gewollt gut?

 Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen lässt einen Anstieg der Insolvenzen vermuten – doch nach Statistiken ist das Gegenteil der Fall, die Insolvenzen nehmen ab.  Foto: 123rf.com Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen lässt einen Anstieg der Insolvenzen vermuten – doch nach Statistiken ist das Gegenteil der Fall, die Insolvenzen nehmen ab. Foto: 123rf.com

Auffällig: Trotz Corona gibt es weniger Insolvenzverfahren, auch in der Region Landshut.

Landshut Landkreis. Das Statistische Bundesamt prognostiziert für August knapp 40 Prozent weniger Unternehmensinsolvenzverfahren als noch im Vergleichsmonat des Vorjahrs. Auch am Amtsgericht Landshut rechnet man mit einem Rückgang sowohl der Verbraucher- als auch der Unternehmensinsolvenzanträge.

Kürzlich veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) die aktuellen Insolvenzzahlen für das erste Halbjahr 2020. Danach meldeten die deutschen Amtsgerichte 9.006 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 6,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider, so dazu das Statistische Bundesamt. Der rückläufige Trend soll, so heißt es weiter, sich auch im August 2020 fortsetzen. Hier wird ein erheblicher Rückgang der eröffneten Unternehmensinsolvenzverfahren von 38,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat prognostiziert. Neben den Unternehmen meldeten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 27.992 Verbraucher Insolvenz an, was ebenfalls einem Rückgang, hier um 14,5 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019, entsprach.

Auch am Amtsgericht Landshut rechnet man nach Auskunft des Behördenleiters Werner Loher mit einem Rückgang der Anträge im Vergleich zu 2019. „Im ersten Halbjahr 2020 sind hier 147 Verbraucherinsolvenzanträge gestellt worden. Im ersten Halbjahr 2019 waren es noch 187 Anträge, was einem Rückgang um 21,4 Prozent entspricht“, so Loher und weiter: „Auch die Anträge auf Eröffnung eines Regelinsolvenzverfahrens nahmen von 217 im ersten Halbjahr 2019 auf 180 im ersten Halbjahr 2020 ab, also ein Rückgang um 19,5 Prozent.“ Von diesen 180 Anträgen entfielen 95 auf natürliche Personen (etwa Einzelunternehmer) und 85 auf juristische Personen (etwa Gesellschaften mit beschränkter Haftung).

Zudem wären darüber hinaus bereits die Vergleichszahlen, die nicht nur das erste Halbjahr sondern auch die Monate Juli und August 2020 miteinschließen, verfügbar. Hier ändere sich das Verhältnis etwas: „Verbraucherinsolvenzanträge haben in dieser Zeitspanne“, so Loher, „um 20,5 Prozent abgenommen, die Regelinsolvenzanträge um 21,5 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2019.“

Die Zurückhaltung bei der Stellung von Insolvenzanträgen beurteilt Dr. Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Berufsverbandes der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) als „ausgesprochen riskant“.

Zum Hintergrund gehört die vorläufige Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für pandemiebedingt überschuldete, nicht zahlungsunfähige Unternehmen. In ihr vermutet unter anderem der Direktor des Landshuter Amtsgerichts einen möglichen Grund für die Zurückhaltung bei Antragsstellungen. Ein eindeutiger Trend, so Loher, welche Wirtschaftsbereiche regional am meisten von Insolvenzen betroffen seien, würde sich noch nicht ausmachen lassen. Allerdings seien die Zahlen bei gastronomischen Betrieben im Raum Landshut auffällig.

Deutschlandweit gab es nach den veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Statistiken die meisten Insolvenzen in den Bereichen Handel, Baugewerbe, Gastgewerbe und im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen.


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