01.03.2018, 09:50 Uhr

Traditionsmarke in der Krise Sanierer löst Sanierer ab, Anwalt leitet jetzt das Landshuter Brauhaus AG


Nach außen hin ist es scheinbar ruhig in Sachen Landshuter Brauhaus. Doch hinter den Kulissen tut sich einiges. Neueste Entwicklung: Vorstand Johann Büchl wurde vom Aufsichtsrat geschasst. Aufsichtsratsvorsitzende ist Barbara Koller-Fichtel, die Schwester des ehemaligen Vorstands, Stephan Koller.

Büchl hatte vor zwei Jahren Stephan Koller als Mann am Ruder abgelöst, um die in Turbulenzen geratene Brauerei zu sanieren. Jetzt ist Büchl selbst schon wieder Geschichte.

Als einzelvertretungsberechtigter Vorstand wurde Alexander Saponjic eingesetzt. Der Jurist hat zwar vom Bierbrauen ungefähr so viel Ahnung wie vom Eishockeyspielen. Den EVL hat er mit seiner Kanzlei Solvea und seinem Partner Dr. Marc Zattler im letzten Jahr jedenfalls trotzdem vor einer Insolvenz bewahrt. Jetzt will er die Landshuter Brauerei erhalten. Genau darauf hat sich Solvea spezialisiert. Unternehmen, die in Schieflage sind, zu retten und nicht einfach abzuwickeln. In einem Schreiben informiert die Brauerei derzeit all ihre Kunden über die neue Situation.

Dass Johann Büchl im Landshuter Brauhaus entmachtet wurde, kam mehr als überraschend. Schließlich sollte er die traditionsreiche Brauerei in ruhigeres Fahrwasser bringen, hatte deshalb Stephan Koller abgelöst. Vor einigen Wochen wurde dann bekannt, dass die Brauerei mit Investoren bzw. Käufern verhandelt. Im Gespräch für eine Übernahme war zum Beispiel die Schlossbrauerei Hohenthann. Doch aus dem Deal ist bis jetzt nichts geworden. Auch von einem branchenfremden „Quereinsteiger“ als Investor war die Rede. Vor zwei Wochen wurde dann bekannt, dass Saponjic als weiterer Vorstand Büchl zur Seite gestellt wurde, als gleichberechtigter Partner. Damals hatte Saponjic noch erklärt, dass er mit dem Spezialisten aus der Getränkebranche zusammen die Brauerei retten wolle. Jetzt ist auch Büchl schon wieder Geschichte.

„Oberste Priorität ist die Standortsicherung“, sagt Saponjic am Montag auf Anfrage der Redaktion, wie es jetzt mit der Brauerei weitergeht. Es gehe darum, die Brauerei und die Arbeitsplätze zu erhalten. „Das wird uns auch gelingen“, ist sich der Jurist sicher. Zur plötzlichen Absetzung Büchls hält er sich bedeckt. Nur so viel war zu hören: Büchl habe die Erwartungen, die man in ihn gesetzt habe, nicht so erfüllt, wie man sich das erhofft habe. „Wir arbeiten gerade an einer Neuausrichtung der Brauerei, an einer nachhaltigen Lösung“, so Saponjic. „Dazu war dieser Schlussstrich erforderlich“, sagt er in Bezug auf das Ausscheiden Büchls. Aussenden wolle man die Botschaft, dass es mit dem Landshuter Brauhaus weitergehe. „Wir können jetzt keine zusätzliche Unsicherheit gebrauchen“, sagt Saponjic. Ob bereits ein Investor oder ein Käufer für die Brauerei gefunden worden sei, dazu wollte sich Saponjic nicht genauer äußern. Diesbezüglich könne sich in einer oder in vier Wochen etwas tun. Soll heißen: „Es gibt mehrere Optionen“, so Saponjic. Es kann sich jetzt schnell etwas tun – oder eben auch nicht.


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