17.02.2018, 09:05 Uhr

Aufregung um das kleine Festzelt auf der Dult „Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt machen soll“

Seit Jahrzehnten ein gewohntes Bild auf der Dult: das Krämmer-Festzelt. (Foto: Ja)Seit Jahrzehnten ein gewohntes Bild auf der Dult: das Krämmer-Festzelt. (Foto: Ja)

Patrick Schmidt könnte am MIttwoch überraschend den Zuschlag für das kleine Festzelt auf der Dult bekommen – sein Jubel darüber hält sich in Grenzen.

LANDSHUT Jahrzehntelang war es ruhig, was die Dult-Vergabe anging. Man könnte auch so sagen: Es sind immer die gleichen zum Zug gekommen, im guten alten Landshut. Ärger hat es deshalb nie gegeben. Seit einiger Zeit geht es aber drunter und drüber. Bestes Beispiel ist der Dultsenat heute. Ausnahmsweise geht es nicht um Festwirt Peter Vorholzer, sondern das Weißbierzelt. Das wird seit Ewigkeiten von der Festwirtsfamilie Krämmer betrieben. Eine Ära, die heuer aus juristischen Gründen enden könnte. Sollte das tatsächlich passieren, dann könnte der zweite Bewerber, Patrick Schmidt vom Zollhaus, zum Zug kommen. Der hatte sich schon damit abgefunden, dass er das Zelt nicht bekommt – und seine Vorbereitungen abgeblasen.

Krämmer lag in der Bewertung für die diesjährige Frühjahrsdult an Punkten vor seinem Konkurrenten, Patrick Schmidt vom Zollhaus. Zwar hatte der in den Jahren 2017 und 2018 die Nase in der Kategorie „Attraktivität“ vorne. In Sachen „bekannt und bewährt“ konnte er Krämmer aber nicht das Wasser reichen. „Er hatte das Maximum von 100 Punkten, ich nur 60“, sagt Schmidt zum Wochenblatt.

Doch der Vorsprung könnte jetzt dahinschmelzen. Der Grund ist ein Gerichtsverfahren, das Krämmer Schwierigkeiten bereitet. Dabei geht es um einen Subunternehmer, den der Festwirt engagiert hatte und der wiederum Arbeitskräfte schwarz beschäftigt hatte. Krämmer muss dafür jetzt büßen. Das Oberlandesgericht hat das Urteil des Landshuter Gerichts gegen Krämmer zwar „reduziert“, wie sein Anwalt, Prof. Dr. Ernst Fricke, dem Wochenblatt erklärt. Mit einer Strafe knapp über 90 Tagessätzen liegt der Wirt damit knapp über der Grenze, ab der man als vorbestraft gilt.

Trotzdem könnte dem erfahrenen Festwirt das die Festsuppe gründlich versalzen. Denn so ein Vorfall fließt in die Bewertung natürlich mit ein. Würde Krämmer die Geschäfte deshalb an seinen Sohn übergeben, wäre der Vorsprung bei „bekannt und bewährt“ dahin. „Es wäre wie eine Neubewerbung“, war aus dem Dultsenat zu hören.

Doch so richtig freuen kann sich Schmidt darüber nicht. Er wolle den Zuschlag bekommen, weil er der bessere Bewerber sei, nicht, weil sein Mitbewerber wegen eines juristischen Verfahrens Punktabzug bekomme – oder im schlimmsten Fall disqualifiziert wird.

Ob er für den Fall, dass Krämmer die Zusage für die Dult nicht bekommt, tatsächlich noch einspringt, darüber müsse er erst noch nachdenken. Sicher sei das nicht. „Eine Dult auf acht Wochen zu stemmen, das ist eine Mammutanstrengung“, sagt er. Nahezu sicher sei, dass er dann sein Konzept, mit dem er sich beworben habe, nicht zu Hundert Prozent umsetzen könne. „Da muss ich bei einigen Punkten Abstriche machen.“

Betroffen ist zum Beispiel die Optik im Festzelt. Einige Aufträge, die dafür nötig gewesen wären, „habe ich nach der Absage durch die Stadt jetzt nicht an Handwerker vergeben. Und ich weiß nicht, ob ich mein Konzept verschlechtern will, nur um jetzt schnell noch den Zuschlag zu bekommen.“

Die Ratschläge, die er derzeit diesbezüglich bekommt, seien widersprüchlich. „Die einen sagen, ich soll davon die Finger lassen. Die anderen, ich soll es auf alle Fälle machen, um auf der Dult den Fuß in die Türe zu bekommen.“

Und dann gibt es noch diejenigen, die Schmidt eine Dult nicht zutrauen. Die sind allerdings wohl völlig falsch gewickelt. Schließlich hat der junge Wirt vom Zollhaus schon Erfahrungen mit Volksfesten, in Buch am Erlbach zum Beispiel oder in Taufkirchen an der Vils. Bis Montag will er sich überlegen, ob mit ihm zu rechnen ist. „Die Dult wäre schon noch einmal eine Nummer größer“, sagt er. Zu groß wäre sie aber wohl nicht – wenn denn genug Zeit zur Vorbereitung bleibt, um es anständig zu machen.

Festwirt Christian Krämmer wollte sich auf Anfrage der Redaktion vor der Dult-Vergabe nicht mehr äußern.


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