20.04.2017, 10:29 Uhr

Neuer Chrirurg Im Klinikum steht ein echter Nationalspieler am Operationstisch

Foto: Klinikum LandshutFoto: Klinikum Landshut

Das Klinikum hat mit PD Dr. Franz Müller eine Neuverpflichtung "aus der Champions League" am Operationstisch. Gemeint ist das natürlich im übertragenen Sinne. Tatsächlich aber ist der Arzt ein Nationalspieler.

LANDSHUT So ziemlich in jedem Motivationsseminar fällt früher oder später folgender Satz: „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“ Der Satz mag abgedroschen sein. Doch es gibt den lebenden Beweis, dass diese Floskel von Zeit zu Zeit eben doch zutrifft. Dieser „Beweis“ heißt Privatdozent (PD) Dr. Franz Müller und ist neuer leitender Oberarzt der Unfallchirurgie am Klinikum Landshut. Das Klinikum bezeichnet die Neuverpflichtung als einen Arzt „aus der Champions League“. Tatsächlich hat der 52-Jährige eine ganz erstaunliche Lebensgeschichte – und ist sogar ein echter Fußball-Nationalspieler.

Das Büro ist ordentlich, der Schreibtisch fast schon penibel sauber. Der wichtigste Einrichtungsgegenstand befindet sich aber an der Wand: ein Klappbett, das von außen ein bisschen wie ein Schuhschrank aussieht. „Das genügt mir“, sagt Dr. Müller, ein gebürtiger Oberpfälzer, und grinst dabei schelmisch. Schließlich ist er nicht zum Schlafen hier, sondern um Menschen zu helfen. Dafür lebt er, dafür steht er zu jeder Tages- und Nachtzeit im Operationssaal. Viel Schlaf wird der Regensburger auf seinem Klappbett während seiner langen Bereitschaftsdienste in Landshut ohnehin nicht bekommen. Gebraucht hat er es bisher jedenfalls noch nicht, seit er in Landshut ist. „Ich werde auch unruhig, wenn es nichts zu tun gibt“, sagt Müller.

Über 5.000 Operationen hat er im Lauf seiner Karriere schon hinter sich gebracht. In Sachen Unfallchirurgie gibt es wohl nichts, was er noch nicht gesehen hat. „Da kann kommen, was mag“, sagt der Doktor. Das ist wohl nicht übertrieben, denn in seiner Freizeit steht der Mediziner für „Ärzte ohne Grenzen“ ebenfalls am Operationstisch.

Alle zwei Jahre fliegt er zu Einsätzen in Krisengebieten, nach Afghanistan oder in den Jemen. Dafür ist er auch bereit, einen Großteil seines Urlaubs zu opfern. Die Hilfsorganisation nimmt nur absolute Top-Leute für solche Einsätze. Unfallchirurgen, die zehn Jahre oder mehr an Erfahrung vorwiesen können und auch unter härtesten Bedingungen die Nerven nicht verlieren.

„Das Improvisieren, nicht zu wissen, was auf einen zukommt, das macht für mich den Reiz bei der Unfallchirurgie aus“, sagt Müller und plaudert davon, dass er am liebsten gebrochene Knochen wieder heil macht und dass man als Unfallchirurg vor allem die Fähigkeit besitzen muss, von einem auf den anderen Augenblick zu 100 Prozent da zu sein.

Obwohl Unfallchirurg für ihn der schönste Beruf ist, den er sich vorstellen kann, sah es anfangs ganz und gar nicht nach einer Mediziner-Karriere aus. Der Oberpfälzer, der in Regensburg zur Welt kam, machte nach seinem Hauptschulabschluss zunächst eine Lehre als Bauzeichner. Er lernte dann noch Krankenpfleger, „weil ich etwas Soziales machen wollte“ und der Schulabschluss für den Beruf als Heilerziehungspfleger nicht gereicht hatte. Als Krankenpfleger entdeckte er dann seine Leidenschaft für die Medizin, ging nebenbei auf die Abendrealschule, machte sein Abitur auf der Berufsoberschule (BOS) und begann mit 27 schließlich das Medizinstudium. Noch auf der BOS hatte man ihm prophezeit, dass er nie einen Job als Arzt bekommen würde, weil er dafür zu alt sei. Beirren ließ sich der Oberpfälzer dadurch allerdings nicht. „Ich wusste, was ich will“, sagt er.

Ausdauer, Durchsetzungsvermögen und vor allem „Fleiß, Fleiß, Fleiߓ, das sind die Eigenschaften, die ein guter Unfallchirurg braucht. „Bis zu 15 Stunden“, erzählt der 51-jährige Vater von zwei Kindern, steht er manchmal im Operationssaal. Dafür trainiert der 51-Jährige auch seinen Körper, geht Joggen und spielt Fußball. Das macht er so gut, dass er in die deutsche Ärzte-Nationalmannschaft, die gibt es wirklich, berufen wurde und bei einer Weltmeisterschaft in den USA auflief. Ähnlich wie in der Unfallchirurgie will er sich da aber nicht auf nur eine Position festlegen lassen. „Ich spiele alles“, sagt er. Oder anders ausgedrückt: Da kann kommen, was mag. Ein echter Müller macht das schon. Das gilt beim FC Bayern, das gilt bei der Ärzte-Nationalmannschaft oder im Klinikum.


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