27.11.2016, 12:24 Uhr

Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion Kardinal Marx: Absage an nationale Egoismen und Abgrenzung

Foto: Erzbischöfliches Ordinariat MünchenFoto: Erzbischöfliches Ordinariat München

Die Bewahrung der Schöpfung und der Friede sind nach Worten von Kardinal Reinhard Marx nicht zu erreichen, wenn zuerst die eigenen persönlichen und nationalen Interessen befriedigt werden.

FREISING / MÜNCHEN „Es ist vernünftig, nicht nur an sich selbst zu denken. Die Güter der Erde gehören uns allen, müssen allen zugutekommen und für alle bewahrt werden. Daran halten wir fest, auch in einer Zeit, in der Abgrenzung und das Nationale stärker zu werden scheinen“, sagte der Erzbischof von München und Freising, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, bei einem Gottesdienst zu bundesweiten Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion am Sonntag im Münchner Liebfrauendom.

Immer öfter höre er Vorwürfe und spüre er Bedenken, wenn die Kirche darauf hinweise, dass die Menschen aller Völker in einer Familie zusammenleben sollen, und wenn sie etwa an die Vision des Propheten Jesaja erinnere, dass „Schwerter zu Pflugscharen“ geschmiedet würden. „Dann heißt es: „Ihr unverbesserlichen Weltverbesserer, ihr naiven Träumer. Es gilt doch, zuerst an unsere eigenen Interessen zu denken, damit es unserer eigenen Nation, unserem eigenen Volk gut geht.“ Der Kardinal rief die Gläubigen dazu auf, dem entgegenzutreten und ihre Aufmerksamkeit gerade auch in der beginnenden Adventszeit zu schärfen. „Wir wollen die Schutzmacht sein für das gemeinsame Haus aller Menschen, das ist unsere Sendung!“

Die Kirche selbst stehe zeichenhaft dafür, wie verschiedene Sprachen und Kulturen zusammen leben könnten. „Wir alle sind zuerst Menschen. Dazu gehört, mit der Vielfalt umzugehen, Respekt für den anderen zu haben, ohne Vorurteile auszukommen, neugierig auf den anderen zu sein, nicht alle Unterschiede nach unseren eigenen Vorstellungen einzuebnen.“ Papst Franziskus habe deutlich in seiner Enzyklika „Laudato si“ vor Augen gestellt, dass dies nicht nur eine politische und soziale, sondern zugleich zutiefst geistliche Aufgabe sei. „Weil die Schöpfung nicht nur Material ist, sondern ein Lebensraum in dem wir selbst lernen, Mensch zu sein.“

Der Papst bezeichne das Amazonasgebiet, das in diesem Jahr im Mittelpunkt der Adveniat-Weihnachtsaktion steht, als Schatz für die Menschheit. Kardinal Marx dankte allen, die mit ihrem Engagement und ihrer Arbeit deutlich machten, „was es bedeutet, die Vernetzung der gesamten Menschheit anzuschauen und weiterzuführen“. Der Titel „Menschensohn“ für Jesus drücke die enge Verbindung zwischen Gott und allen Menschen aus – „Christus kommt von Gott und ist mit allen Menschen verbunden“.


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