24.12.2017, 05:32 Uhr

Weihnachtsgruß des Oberbürgermeisters Leistungsfähige Netzwerke machen Erding so überaus lebenswert

Oberbürgermeister Max Gotz wünscht sich weiter einen menschlichen Umgang. (Foto: Stadt Erding)Oberbürgermeister Max Gotz wünscht sich weiter einen menschlichen Umgang. (Foto: Stadt Erding)

ERDING Liebe Erdingerinnen und Erdinger,

... empfinden auch Sie manchmal ein leises Unbehagen, wenn eine sehr gute Phase sehr lange anhält? Das leise Unbehagen, dass sich eine komfortable Situation sehr schnell ändern könnte? Natürlich verbietet sich auf der einen Seite für uns – also die Stadt Erding und ihre Bürgerschaft – unnötiger Pessimismus, wie das zu Ende gehende Jahr beweist.

Nach wie vor bieten sich in unserer Region viele Chancen und besteht Raum für wegweisende Zukunftsprojekte. Das beste Beispiel stellt gerade für uns in Erding der S-Bahn-Ringschluss dar: Im Dialog mit allen Beteiligten ist es uns gelungen, eine überregional bedeutsame Maßnahme verträglich in die Strukturen der Stadt einzufügen.

Nach wie vor konnten wir uns aufgrund des Fleißes der Bürgerinnen und Bürger und des so erzielten Steueraufkommens außergewöhnliche Ausgaben leisten (ich nenne nur die Sanierung des Kronthaler Weihers), ohne kommende Generationen finanziell zu belasten. Und nach wie vor verfügen wir in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen über starke ehrenamtliche Strukturen.

Dank des Engagements vieler von Ihnen verfügt Erding in der Jugendarbeit, im Sport, im sozialen Sektor, in der Kultur und auf vielen anderen Gebieten über unglaublich aktive und leistungsfähige Netzwerke und damit lebendige Institutionen, die unsere Stadt so lebenswert machen. Der Einsatz zum Wohle der Gemeinschaft zeichnet Erding aus und dafür möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.

Auf der anderen Seite allerdings bereitet mir das sehr hohe Wohlstandsniveau in unserer Stadt manchmal Sorgen. Zum einen registrieren wir in der Stadtverwaltung ein oft schwindelerregendes Anspruchsdenken, weil nahezu alle freiwilligen Leistungen mit Verweis auf die gute Finanzlage Erdings als selbstverständlich gelten. Sorgen bereitet mir zum anderen der ungebremste Druck auf dem Wohnungsmarkt. Während Erding für viele Menschen zum zunehmend unbezahlbaren Pflaster wird, macht es die rasante Entwicklung uns als Kommune immer schwerer, die richtigen strukturellen Antworten zu finden. Denn mit der Bevölkerungszahl muss die Infrastruktur bedarfsgerecht wachsen. In dem Zusammenhang beobachte ich zu meinem großen Leidwesen Spannungen in der Kooperation mit einigen Nachbargemeinden und die mangelnde Bereitschaft, übergeordnete Themen gemeinsam und damit erfolgreich anzupacken. Als prominentestes Beispiel erwies sich 2017 der Hochwasserschutz. Wasser nimmt auf keine Gemeindegrenze Rücksicht und erfordert aus meiner Sicht zwingend abgestimmte Lösungen. Dass rechtliche Vorgaben des Bundes oder aus Europa den Handlungsspielraum der Kommunen weiter einengen, wir auf kommunaler Ebene die Rahmenbedingungen aber immer öfter erklären müssen, um Politikverdrossenheit vorzubeugen, macht die Lage einer Stadt wie Erding nicht einfacher. Die Herausforderungen der Digitalisierung mag ich hier nur kurz streifen. Im Gegensatz zu den Verfechtern des ungezügelten technischen Fortschritts wird die Entwicklung meiner Meinung nach Menschen zurücklassen und ihre persönliche Situation verschlechtern – sei es im Arbeitsleben, sei es im persönlichen Bereich.

Deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr einen so menschlichen Umgang in unserer Bürgerschaft wie bisher. Gehen wir weiter respektvoll miteinander um und akzeptieren wir andere Meinungen! Von dieser Haltung würden übrigens auch die Verantwortlichen der Bundespolitik profitieren, weil sie über Parteigrenzen hinweg und unabhängig von Wahlergebnissen verpflichtet sind, unser Land voranzubringen.

Ganz persönlich wünsche ich Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr.