06.10.2016, 16:45 Uhr

Gericht will serbischen Lenker des getroffenen Fahrzeugs laden Steinewerfer-Prozess geht in die Verlängerung

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Der Prozess gegen den irakischen Steinewerfer Mohammad A. (25) vor der Schwurgerichtskammer des Landshuter Landgerichts geht in die Verlängerung.

ERDING / LANDSHUT Auf Antrag der Verteidiger will die Schwurgerichtskammer des Landshuter Landgerichts versuchen, den serbischen Fahrer des damals von einem 600 Gramm schweren Stein getroffenen Kleintransporters als Zeugen zu laden. Wie zum Prozessauftakt berichtet, wird dem 25-jährigen Iraker, der zuletzt in der Erdinger Asylbewerber-Unterkunft u.a. als „Dolmetscher” eingesetzt war, versuchter Mord vorgeworfen. Er soll am 29. Dezember letzten Jahres auf der Höhe der Landshuter Straße 4 in Taufkirchen vom Gehweg aus mit zwei zwischen 600 und 800 Gramm schweren Seinen auf fahrende Pkw geworfen haben. Einer der Steine prallte gegen die Windschutzscheibe eines Kleintransporters, die zwar zersprang, aber nicht zu Bruch ging, so dass die Insassen, ein serbisches Ehepaar, unverletzt blieb.

Bei seinen Vernehmungen - und darauf basiert der Vorwurf des versuchten Mordes - hatte der junge Iraker angegeben, er habe die Steine aus Hass auf Deutschland und alle Deutschen geworfen, da sein Asylantrag abgelehnt worden sei. Er habe sich erhofft, nach dieser Tat, für psychisch krank erklärt zu werden und dann in Deutschland bleiben zu können. So jedenfalls habe es ihm ein Rechtsanwalt, den er kontaktiert habe, in Aussicht gestellt.

Die Tat als solche hatte der 25-Jährige eingeräumt, allerdings bestritten, in Tötungsabsicht gehandelt zu haben. Das unterstrichen auch seine Verteidiger Tim Fischer und Dr. Gunther Haberl: Ihr Mandant habe seine ursprüngliche Absicht, Steine von einer Autobahnbrücke auf fahrende Pkw zu werfen, aufgegeben, statt dessen die Ortsstraße gewählt, wo die Autos wesentlich langsamer unterwegs seien und deshalb die Gefahr für die Insassen, verletzt zu werden, gering sei. Außerdem, so machten die Anwälte geltend, leide der 25-Jährige seit Jahren an paranoider Schizophrenie, habe zur Tatzeit einen „Schub” gehabt, so dass jede Frage nach einem Motiv nur spekulative Antworten bringen könne.

Am zweiten Verhandlungstag waren neben dem Gutachten des Kfz-Sachverständigen auch bereits die Plädoyers und die Urteilsverkündung geplant. Allerdings stellten die Verteidiger einen neuen Beweisantrag und zwar, die Insassen des getroffenen Kleintransporters als Zeugen zu laden. Dabei handelt es sich um einen serbischen Autohändler und dessen Ehefrau. Pikant daran: Der Serbe saß inzwischen kurzzeitig in anderer Sache in Untersuchungshaft in einem Mannheimer Gefängnis, wurde inzwischen aber entlassen.

Von der Vernehmung versprechen sich die Anwälte die Bestätigung, dass der Autohändler damals mit 20, höchstens 30 Stundenkilometer unterwegs gewesen sei und den am Straßenrand stehenden Iraker mit den Steinen in den Händen wahrgenommen habe, so dass er nicht unvorbereitet gewesen sei, die Möglichkeit gehabt habe, besonnen zu reagieren. Damit, so die Anwälte, würde auch das Mordmotiv „Heimtücke” entfallen. Außerdem könne das Ehepaar bestätigen, dass es keine medizinisch relevante Schockreaktion gegeben habe.

Die Schwurgerichtskammer entschloss sich nach eingehender Beratung, dem Beweisantrag nachzukommen und zu versuchen, die serbischen Zeugen zu laden. Fortgesetzt werden soll der Prozess jetzt frühestens am 19. Oktober.


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