15.02.2018, 15:35 Uhr

Kiloweise Stoff verkauft Landauer Drogenbande vor Gericht

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Angeklagter Palästinenser (30) räumt Taten teilweise ein.

LANDSHUT/LANDAU Wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Rauschgift muss sich seit heute ein 30 Jahre alter Palästinenser aus Landau an der Isar vor der 1. Strafkammer des Landshuter Landgericht verantworten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in 17 Fällen innerhalb einer Bande und dreimal im Alleingang, Haschisch, Marihuana, Captagon- und Ectasy-Tabletten im Raum Dingolfing, Landau an der Isar und Schweinfurt vertickt zu haben. Doch ob der Angeklagte der mutmaßliche Kopf der Bande ist oder nur ein Stellvertreter, konnte in der heutigen Verhandlung nicht geklärt werden. Immerhin gestand der 30-Jährige die Taten, bis auf zwei Vorwürfe.

Eigenen Berichten zufolge, floh der 30-Jährige 2013 aufgrund der Kriegsereignisse aus Syrien, wie er über seinen Dolmetscher erklären ließ. Weil er 2011 bei einer Bombardierung in seiner Heimat sein einziges Kind verloren hatte, sei er depressiv geworden und nahm Alkohol und Drogen. Auch in Deutschland konsumierte er weiter. Nach mehreren Stationen in Asylbewerberheimen landete er schließlich in Landau an der Isar. Um sich seine Drogen und den Lebensunterhalt leisten zu können, habe er begonnen, Rauschgift zu verkaufen.

Laut Anklageschrift schloss sich der Angeklagte mit drei weiteren Männern im Mai 2016 zu einer Bande zusammen, um kiloweise Drogen gewinnbringend unter die Leute zu bringen. So habe der anderweitig verfolgte Kompagnon als Kopf der Gruppe agiert, über dessen Berliner Kontakte man schließlich die Drogen beschafft habe. Der 30-Jährige habe eigenen Angaben zufolge für ihn gearbeitet und sich am Erwerb der Drogen beteiligt, diese aber auch weiterverkauft. Die beiden weiteren Mitglieder seien die „Läufer“ gewesen, um Aufträge entgegenzunehmen und die Drogen zu liefern.

Zwischen Mai und November 2016 hätten der Angeklagte und sein Partner insgesamt 14 Mal verschiedene Drogen zu Kaufpreisen zwischen 10.000 und 15.000 Euro erworben, um diese gewinnbringend weiterzuverkaufen. Inhalt jeder Lieferung seien unter anderem mindestens zwei Kilogramm Haschisch, 500 Gramm Marihuana und 200 Captagon-Tabletten gewesen. Der Preis für ein Kilogramm Haschisch oder Marihuana sei zwischen 2.200 und 2.500 Euro gelegen, eine Captagon-Tablette habe zwischen drei und vier Euro gekostet.

Durch den Erwerb und den Verkauf der Drogen habe der Angeklagte mindestens 113.760 Euro als Erlös generiert, so die Anklage. Dem Vorsitzenden Richter Markus Kring kamen die niedrigen Verkaufspreise im Gegensatz zu den handelsüblichen Straßenpreisen verdächtig gering vor und er wollte vom Angeklagten den Grund wissen. Dieser meinte nur, dass er die Drogen einfach schnell verkaufen wollte. Der sachbearbeitende Polizist erklärte, dass bei den deutschen Abnehmern durchaus höhere Preise veranschlagt werden. „Bei den syrischen Landsmännern gibt es brüderliche Preise“, erläuterte er.

Die Bande flog auf, weil sich die zwei „Läufer“ vom Angeklagten psychisch unter Druck gesetzt gefühlt hätten. „Die Beiden haben Anzeige erstattet und gaben an, dass der Angeklagte in seinem Wohnanwesen Drogen versteckt hätte“, wie der Beamte berichtete. Auch hätten die beiden im Laufe der Vernehmungen erklärt, dass der Angeklagte der Kopf der Bande gewesen wäre.

Bei zwei Anklagepunkten wurde während der Verhandlung das Verfahren eingestellt. Die 1. Strafkammer war laut Vorsitzenden Richter Kring der Auffassung, dass es im Hinblick auf die Gesamtstrafe auf diese beiden Fälle nicht entscheidend ankommen würde. Man wolle sich vorläufig auf die Fälle konzentrieren, die der Angeklagte eingeräumt habe. „Damit kommen wir ihm ein Stück weit auch entgegen“, so Kring.

Der Prozess wird am 28. Februar fortgesetzt.


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