03.11.2011, 09:37 Uhr

Mit Hörprobe Das ist ganz neu: Die singenden Bäume des Bayerischen Waldes

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Wie man die Bäume zum Singen bringt und so einen ganz eigenen Klang des Bayerischen Waldes erzeugt.

REGEN Man stelle sich vor, ein Baum würde singen – zum Beispiel gregorianische Gesänge. Geht nicht? Geht doch. Gut – mit ein bisschen moderner Computertechnik muss man schon nachhelfen. Aber Michael Glass und Peter Graus sind dem Klang des Waldes auf der Spur. Eine faszinierende Sache.

Vor wenigen Wochen berichteten wird über die „Herzmusik“, die Michael Glass in Regen aufnehmen kann – dabei wird mit einem Computerprogramm die Herzfrequenz des Menschen in Musik umgesetzt. Heraus kommen dabei die schönsten Melodien, die man von unterschiedlichen Instrumenten spielen lassen kann: Trommeln, Geigen, Klavier, oder auch mystische Klänge. Aus der Herzmusik entstand die Idee, ob man nicht auch Pflanzen solche Töne entlocken könnte. Ob man beispielsweise den musikalischen Klang des Waldes einfangen könnte. Peter Graus, der die Herzmusik in Österreich entwickelt hat, arbeitet seit einiger Zeit daran, die Frequenzen des Lebens in einem Baum aufzunehmen, um sie später in Musik umzuwandeln. „Ich habe angefangen mit meinen Zimmerpflanzen zu Hause“, erzählt er. Und prompt: Das Aufnahmegerät – vergleichbar mit dem EKG – zeigte Ausschläge. Es regte sich etwas in den Pflanzen.

Hier die Buche mit ihren ganz eigenen Tönen:

Das Problem war nur: Während das Frequenzband des menschlichen Herzens relativ eng eingrenzbar ist, sieht das bei Pflanzen ganz anders aus: Wesentlich höhere Ausschläge, wesentliche höhrere Differenzen. Während die Herzmusik beim Menschen sozusagen direkt abgenommen und gespielt werden kann, muss die Pflanzenmusik erst am Computer nachbearbeitet werden: „Sonst kommen teilweise kreischende, schräge Töne heraus oder sie überschlagen sich“, so Graus.

Und hier die Birke zum Vergleich:

Wie auch immer: Vergangene Woche waren Michael Glass und er im Wald bei Regen unterwegs, um die unterschiedlichsten Bäume „aufzunehmen“: Fichten, Birken, Buchen – an die Bäume wurden etwa zehn Minuten lang die Sensoren angelegt. Das Aufnahmegerät zeigte sofort Signale an – „auf diese Weise wurde mir auch deutlich, was Leben bedeutet: Auch ein Baum hat so etwas wie seinen eigenen Pulsschlag“, so Graus.

Eine besondere Erfahrung hatte er mit dem Zweig einer kleinen Tanne. Als er die Geräte anschloss, waren kaum Frequenzen zu spüren. Als er aber den Baum berührte, ihn sozusagen streichelte, „da fingen auf einmal ganz starke Ausschläge an. Als ich die Hand wieder wegzog, war es wieder ruhig.“ Für Graus der Beweis, dass Bäume zwar ohne Bewusstsein sind, aber doch Empfindungen verspüren.

„Das ist auch ein Teil dessen, was ich mit diesem Projekt erreichen will“, sagt Graus. „Vielleicht kann man mit der Musik der Bäume auch wieder mehr Verständnis für die Natur erzeugen.“ Das Bewusstsein dafür, dass auch Pflanzen Lebenwesen seien, könnte die Menschen wieder dazu bewegen, sich Gedanken über ihre eigene Rolle auf der Welt zu machen.

Wie klingt nun diese Baummusik? In erster Linie sehr entspannt, denn Stress kennen Bäume in der Form nicht – zumindest nicht jetzt im Herbst. Wobei es auch auf die Instrumentierung ankommt: Peter Graus hat sich für gregorianische Gesänge entschieden. Getragene Melodien sind zu hören, viel Ruhe – aber doch zwischendrin immer wieder dynamische Abschnitte. Eine kleine Fichte hat Peter Graus aufgenommen, und die Musik hört sich an, wie eine Art Frühlingserwachen: eine Art Glockenklang des Wachstums.

Michael Glass will in den nächsten Monaten die Aufnahmen noch intensivieren. Vor allem geht es auch darum, in den verschiedenen Jahreszeiten aufzunehmen. „Es ist durchaus vorstellbar, dass die Musik in Frühling, wenn alles Leben wieder erwacht, weitaus quirliger ausfällt“, sagt er. Ideen, was man mit Pflanzenmusik alles machen könnte, hat er genug: Angefangen vom Klang der Blumen in den Gärtnereien bis hin zur kompletten Waldsinfonie. „Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Glass. „Und je mehr man sich damit beschäftigt, um so mehr spürt man, welche Energie im Leben steckt.“ Deshalb ist auch Peter Graus so faszniert: „Wenn man die Musik der Bäume hört, dann hört man nicht zu, man hört hin.“

Zu erreichen sind die beiden unter www.natursymphonie.com per E-Mail: office@natursymphonie.com oder per Tel. 09921/970837.


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