26.09.2017, 11:38 Uhr

Wahlanalyse Erdrutsch im Wahlkreis AÖ/MÜ: AfD ist zweitstärkste Partei

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CSU und SPD stürzen gewaltig ab, AfD steigt auf. CSU-Mayer noch immer an der Spitze.

ALTÖTTING_25MÜHLDORF Federn lassen, das mussten die beiden großen „Volksparteien“ bei der Wahl am vergangenen Sonntag. Im Wahlkreis Altötting/Mühldorf bedeutet das für die CSU bei den Zweitstimmen einen Absturz von 58,63 % (2013) auf 44,02 %. Auch die SPD bewegte sich in Richtung Keller, von 15,14 % auf 12,32 %. Damit ist die AfD im Wahlkreis die zweitstärkste Kraft geworden. Sie schraubte sich hoch von 4,06 % auf 14,54 %.

Stephan Mayer mit zweitbestem Ergebnis in Bayern

Ähnlich ist das Ergebnis bei den Erststimmen: Stephan Mayer (CSU) holte sich bei der letzten Wahl 2013 noch 65,77 % der Wählerstimmen. Am Sonntag waren es dann nur noch 54,51 %. Den Abgeordneten deshalb als Wahlverlierer abzustempeln wäre sicher nicht fair, immerhin ist er in Bayern der CSU-Kandidat mit dem zweitbesten Ergebnis. Besser abgeschnitten hat nur noch Emmi Zeulner aus Kulmbach mit einem Ergebnis von 55,1 %. Bundesweit belegt Stephan Mayer Platz 3 der CDU/CSU-Direktkandidaten.

Stephan Mayer: „Für mich persönlich ist das ein erfreuliches Ergebnis. Ich habe die Ehre, die Bürger aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf wieder im Bundestag zu vertreten und dafür bedanke ich mich herzlich.“ Enttäuscht zeigte sich Mayer vom Gesamtergebnis der CDU und CSU.

Oliver Multusch, der AfD-Direktkandidat und „Aufsteiger“ des Wahlkreises ist heuer das erste Mal angetreten. Sein Vorgänger Lorenz Kreft holte 2013 für die AfD 3,31 % der Stimmen. Multusch erhöhte auf 13,10 % und ist damit auf Platz 2 der stimmenstärksten Kandidaten im heimischen Wahlkreis. Multusch: „Mit einem so guten Ergebnis hätte ich gar nicht gerechnet, schließlich war mit Stephan Mayer eine sehr starke Konkurrenz am Start. Dennoch konnten wir für die AfD das zweitbeste Ergebnis in ganz Oberbayern erzielen.“ Die Stärke der AfD habe direkt mit der extremen Schwäche der CSU beziehungsweise der Union zu tun, so Multusch. Aber: „Der Absturz der SPD tut auch mir weh, zumal mein Vater 40 Jahre das SPD-Parteibuch innehatte.“

Direktkandidatin der SPD war erneut Annette Heidrich. Sie stürzte bei den Erststimmen von 14,36 % auf 12, 33 % ab. Heidrich: „Dass die AfD so stark ist, hätte ich nicht erwartet. Das ist für mich ein Schock.“ Positiv sei für sie, so Heidrich, dass anders als vor vier Jahren ihr Erststimmenergebnis besser als das Zweitstimmenergebnis ausgefallen sei.

Zugelegt haben die Kandidaten von FDP, Grüne, ÖDP, Linke und BüSo.

Eine bittere Pille muss der bisherige Bundestagsabgeordnete Tobias Zech (CSU) schlucken. Durch das schlechte Abschneiden seiner Partei flog der Listenkandidat nach nur einer Amtsperiode aus dem Bundestag. Er wird nun zu seinem Arbeitsplatz bei der Airbus-Holding zurückkehren. Denkbar ist, dass sich der Garchinger in seiner Heimatgemeinde erneut um das Amt des Bürgermeisters bewirbt. „Es ist aber derzeit noch zu früh, solche Aussagen zu treffen“, so Tobias Zech.

Die Wahlbeteiligung lag im Wahlkreis Altötting/Mühldorf bei 75,36 %.

Interessante Zahlen aus dem Landkreis Altötting

Wo haben die Parteien die meisten und wo die wenigsten Stimmen erhalten? CSU: Stimmenhochburg war Halsbach (58,41 %), dicht gefolgt von Erlbach (58,38 %). Die wenigsten Stimmen erhielt sie in Burghausen (35,89 %). SPD: Stimmenhochburg war Töging (18,28 %). Die wenigsten Stimmen erhielt sie in Pleiskirchen (6,42 %). GRÜNE: Stimmenhochburg war Burghausen (9,85 %). Die wenigsten Stimmen erhielten sie in Erlbach (3,99 %). FDP: Stimmenhochburg war Burghausen (10,58 %). Die wenigsten Stimmen erhielt sie in Halsbach (4,68%). AFD: Stimmenhochburg war Garching/Alz (17,5 %), die wenigsten Stimmen erhielt sie in Halsbach (9,01 %). LINKE: Stimmenhochburg war Burghausen (8,06 %), die wenigsten Stimmen erhielt sie in Halsbach (3,12 %). Wo war die Wahlbeteiligung am höchsten und wo am geringsten? Die meisten Menschen gingen in Pleiskirchen zur Wahlurne (84,52 %). Die wenigsten in Altötting (69,05 %).

Wie viele Menschen sind zur Wahl gegangen? Von 82.790 Wahlberechtigten im Landkreis Altötting sind 61.970 zur Wahl gegangen. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 74,85 Prozent.

Wie viele Stimmen haben die Direktkandidaten im Landkreis Altötting bekommen? Mayer (CSU): 33.942 Heidrich (SPD): 8.431 Uldahl (GRÜNE): 3.437 Bubendorfer (FDP): 2.982 Multusch (AFD): 7.432 Utz (LINKE): 3.260 Sieber (ÖDP): 1.408 Maier (BÜSO): 483 Welche Parteien haben die wenigsten Stimmen erhalten? Absolutes Schlusslicht im Landkreis Altötting ist die DKP mit 8 Stimmen. Danach folgt die MLPD mit 10 Stimmen. Die DGB schließt sich an mit 42 Stimmen. Die NPD erhielt im Landkreis übrigens 132 Stimmen und die Tierschutzpartei 500.


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