Kräftige Erholung in Sicht

Chemie profitiert von starker Industrie

17.03.2021 | Stand 17.03.2021, 9:53 Uhr

Uwe Anspach/dpa

Die Chemiebranche als Lieferant vieler Branchen von Autobau und Bauwirtschaft bis Kosmetik- und Kunststoffunternehmen gilt als Konjunkturindikator. Nun hebt sie ihre Prognose für das laufende Jahr an.

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie rechnet nach einem schweren Corona-Jahr wieder mit besseren Zeiten.

Die Branche erwarte ein Produktionsplus von drei Prozent und einen Umsatzzuwachs von fünf Prozent auf knapp 200 Milliarden Euro, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in Frankfurt berichtete.

Damit schraubte er seine Prognose hoch: Im Dezember hatte der VCI noch ein Produktionsplus von 1,5 Prozent und ein Umsatzplus von 2,5 Prozent vorhergesagt. «Sollte sich die Industriekonjunktur über das Jahr weiter positiv entwickeln, stehen die Zeichen für die Chemie gut», sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. Dabei stützten eine starke Nachfrage in Deutschland und die Konjunktur in den USA sowie gerade China. Die Pandemie berge aber Unsicherheit.

Ein starkes Schlussquartal mit einem Umsatzanstieg von gut acht Prozent zum dritten Quartal besserte die Jahresbilanz der Branche mit rund 464 000 Beschäftigten in Deutschland auf. Der Dämpfer durch den neuerlichen Lockdown sei ausgeblieben, sagte Große Entrup. Industriekunden hätten große Mengen an Chemikalien bestellt – auch um ihre geleerten Lager zu füllen. Die Erholung der Vormonate habe sich beschleunigt, aber nicht gereicht, um die Bilanz 2020 noch zu drehen.

Der gesamte Umsatz der Chemie- und Pharmabranche Branche sank gegenüber 2019 um 4,4 Prozent auf 189,6 Milliarden Euro - weniger stark, als zunächst befürchtet. Die Produktion fiel leicht um 0,8 Prozent.

Insbesondere die Chemiebranche hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Die konjunktursensible Industrie, die etwa Autohersteller und Kosmetikbranche beliefert, litt unter den wirtschaftlichen Einbrüchen und Lockdowns in der Pandemie. So konnte die starke Nachfrage nach Hygieneartikeln das Minus bei Kosmetika nicht kompensieren. Die Pharmaindustrie erwies sich dagegen als robust.

Für dieses Jahr gebe es trotz guter Aussichten viel Unsicherheit, warnte Große Entrup. Wegen des immer längeren Lockdowns seien die Aussichten teils getrübt. So erwarte laut einer Mitgliederbefragung des VCI fast jedes zweite Unternehmen einen Dämpfer im ersten Quartal. Bei einigen Firmen kämen Materialknappheit und Logistikprobleme dazu. Teils erschwerten Grenzkontrollen die Lage.

Zugleich seien steigende Corona-Infektionszahlen in Europa erhebliche Risiken für die Erholung der Wirtschaft. «Immer wieder einsetzende Lockdowns könnten Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen verunsichern und Konsum sowie Investitionen bremsen», warnte der VCI. Auf der anderen Seite nehme das Impfprogramm Fahrt auf, und schrittweise Lockerungen gäben eine Perspektive. Daher sollte die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen.