Kanzlerkandidat

TV-Serien und Genderstern - Laschet spricht über Privates

08.07.2021 | Stand 08.07.2021, 4:53 Uhr

Kay Nietfeld/dpa

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet hat bei «Brigitte live» ein paar private Details ausgeplaudert. Neue politische Erkenntnisse gab es aber nicht.

Politisch nichts Überraschendes, dafür manches amüsante Detail aus dem Privatleben - Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat seinen Auftritt in der Gesprächsreihe «Brigitte live» routiniert und locker absolviert.

Der CDU-Vorsitzende präsentierte sich als Fan von Fernsehserien, lehnte persönlich das Gendern in der Sprache ab, ohne es insgesamt zu verteufeln, und schätzte sich trotz seiner wenigen Zeit für das Familienleben als passablen Vater ein. Politisch lehnte er ein Machtwort in Richtung des CDU-Wahlkreiskandidaten Hans-Georg Maaßen ab und machte sich für einen fairen Wahlkampf stark.

Im dunklen Anzug mit weißem Hemd und ohne Krawatte plauderte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident locker auch über Privates. Der 60-Jährige bekannte, manchmal nächtelang Fernsehserien in den Mediatheken anzuschauen. «Dann verzweifelt meine Frau immer, weil sie sagt, Du müsstest jetzt mal schlafen. Und dann sitze ich da bis 3, 4 Uhr und schaue diese Serien an.» Da sei es von Vorteil, dass er mit wenig Schlaf auskomme. Seine Frau leiste ihm dann keine Gesellschaft. «Die guckt auch Serien, aber zu zivilen Zeiten. Meistens gucke ich dann alleine.»

Als eine vorrangige Aufgabe im Fall seines Wahlerfolges nannte Laschet, die Gleichstellung von Frauen zu verbessern. Und wie schaut es in dieser Hinsicht bei ihm privat aus? «Ich habe in meiner eigenen Ehe unterschiedlicher Phasen erlebt.» Ganz am Anfang, als seine Frau schon berufstätig und er noch Student gewesen sei, habe er sich um die «Haushaltsdinge» gekümmert. «Je mehr man dann politische Verantwortung übernommen hat, je weniger hatte ich natürlich Zeit, wirklich jeden Tag mich um die Kinder zu kümmern - würde aber trotzdem sagen, dass ich trotzdem ein Vater war, der da war, wenn es wichtig war.»

Wenig hält Laschet vom Gendern in der Sprache - zumindest für sich selbst. «Den Genderstern jetzt immer zu sprechen, passt jedenfalls nicht zu meinem Sprachstil. Wer das aber tut, ist in Ordnung, kann man machen, muss man nicht verbieten, kann man Respekt vor haben, nur meine Sprache ist eine andere.»

Die Frage nach einem Machtwort in Richtung Maaßen wies Laschet zurück. «Was heißt ein Machtwort?», entgegnete er. Er sage: «Meine Position ist diese, die werde ich als Kanzler auch durchsetzen, die Haltung der CDU ist klar, und wer da irgendwelche Interviews gibt, ist dann sein Problem, es ist jedenfalls nicht die Position der CDU.» Laschet nahm den Namen Maaßen nicht in den Mund - ein Verhalten, das Politiker im Wahlkampf eigentlich gegenüber Gegnern an den Tag legen.

«Ich habe einfach nicht die Absicht, zu jeder Bemerkung, die der im Laufe der nächsten Wochen macht, jedes Mal das aufzuwerten durch eine Positionierung, die ich selbst dann dagegen halte», betonte Laschet. Man dürfe sich nicht jede Woche die Themen bestimmen lassen. «Ich glaube, wir haben in Deutschland im Moment andere Themen als die, die der Kandidat da angesprochen hat.»

Der frühere Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist CDU-Direktkandidat in einem Wahlkreis in Thüringen. Er hatte jüngst für Entrüstung gesorgt, weil er öffentlich-rechtlichen Medien tendenziöse Berichterstattung vorwarf. Es gebe einen «klaren Linksdrall», sagte er dem Sender tv.Berlin. Später stellte er per Twitter klar, Presse- und Rundfunkfreiheit in Deutschland hätten Verfassungsrang.

Laschet betonte, die Haltung der Union zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei glasklar. «Gerade in so einer Zeit wie jetzt, wo es so viele Fake News gibt rund um die Pandemie, ist ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk wichtig. Das ist die Position der gesamten CDU.»

Angesprochen auf den bislang «lauen Wahlkampf», entgegnete Laschet: «Ich finde, wir führen einen sachlichen, kontroversen Wahlkampf, aber wir vergiften nicht das Klima, sodass jeder, der danach regieren muss, es ganz schwer hat, die Gesellschaft zu versöhnen.» Es gebe zwar bereits «manche Ausreißer», aber in den Führungen der anderen Parteien sehe er den Willen zur Fairness.