Corona-Pandemie

Dänemark verzichtet auf Corona-Impfstoff von Astrazeneca

14.04.2021 | Stand 15.04.2021, 14:33 Uhr

Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa

Seit Wochen wird in Dänemark niemand mit dem Präparat von Astrazeneca geimpft, jetzt verschwindet das Mittel gänzlich aus der Impfkampagne. Das hat nicht nur mit Sorgen vor Nebenwirkungen zu tun.

Deutschlands nördlichster Nachbar Dänemark verabschiedet sich als erstes EU-Land komplett vom Einsatz des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca.

Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Søren Brostrøm, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt.

Es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von Astrazeneca und sehr seltenen Fällen ungewöhnlicher Blutgerinnsel, Blutungen und niedriger Blutplättchenzahlen, teilte Brostrøms Behörde mit. Dies und die Tatsache, dass die Corona-Pandemie in Dänemark derzeit unter Kontrolle sei und andere Impfstoffe gegen Covid-19 zur Verfügung stünden, seien maßgeblich bei der schwierigen Entscheidung gewesen, das Impfprogramm ohne ein effektives und zugängliches Mittel wie das von Astrazeneca weiterzuführen.

Nach der Abkehr Dänemarks vom Corona-Impfstoff von Astrazeneca hat Tschechien Interesse an den übrig bleibenden Dosen bekundet. «Wir sind bereit, Astrazeneca von Dänemark abzukaufen», schrieb Innenminister Jan Hamacek am Mittwoch bei Twitter. Unklar war indes, ob ein solcher Handel nach den EU-Beschaffungsregeln überhaupt möglich ist.

Hamacek leitet kommissarisch auch das Außenministerium in Prag. Man versuche, in der ganzen Welt Impfstoff zu beschaffen, betonte der Sozialdemokrat. Anders als andere EU-Staaten setzt Tschechien den Astrazeneca-Impfstoff weiter ohne Altersbeschränkungen ein. Die Minderheitsregierung in Prag war wegen der zunächst schleppenden Impfkampagne unter Druck geraten.

Die zuständige Abteilungsleiterin der dänischen Arzneimittelbehörde, Tanja Erichsen, unterstrich auf der Pressekonferenz, dass man die Einschätzung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA teile, wonach das Präparat mehr Vor- als Nachteile habe. «Insgesamt ist das ein sicherer und effektiver Impfstoff zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen», sagte sie.

Die Gesundheitsverwaltung schloss auch nicht aus, dass das Mittel zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingesetzt werden könne, wenn sich die Lage verändere. Es handele sich weiterhin um einen zugelassenen Impfstoff, so Brostrøm. Wäre Dänemark in einer anderen Situation mit einer dritten Infektionswelle und einem belasteten Gesundheitswesen, würde er nicht zögern, den Impfstoff wieder einzusetzen. «Wir sagen nicht, dass wir diesen Impfstoff nie wieder gebrauchen werden», sagte er. Selbstverständlich habe er auch Verständnis dafür, wenn andere Länder in anderen Situationen weiter auf Astrazeneca setzten.

Die Pressekonferenz musste zwischenzeitlich unterbrochen werden, als Erichsen plötzlich ohnmächtig zu Boden sank. Sie sei wieder bei Bewusstsein und sicherheitshalber zum medizinischen Check auf dem Weg in die Notaufnahme, teilte ihre Behörde kurz darauf auf Twitter mit.

Dänemark hatte die Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca am 11. März vorsorglich und zunächst für 14 Tage ausgesetzt. Grund dafür waren Berichte über vereinzelte schwerwiegende Fälle einer seltenen Kombination aus Blutgerinnseln, Blutungen und niedrigen Blutplättchenzahlen bei Personen, die zuvor mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden waren, darunter auch der Tod einer 60-jährigen Dänin. Im Anschluss hatten auch mehrere weitere Länder den Gebrauch des Impfstoffes vorübergehend gestoppt.

Nachdem die EMA grünes Licht für eine weitere Nutzung gegeben hatte, hatten Deutschland und weitere Länder die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin im März wiederaufgenommen, meist aber auf ältere Bevölkerungsgruppen beschränkt. Dänemark dagegen hatte den Stopp um drei weitere Wochen verlängert.

Bis zum Stopp hatten knapp 150.000 Menschen in dem Land ihre erste Impfdosis mit Astrazeneca erhalten, rund 600 auch ihre zweite. Wer seine erste Impfung mit Astrazeneca bekommen hat, dem wird nun für die zweite ein anderes Vakzin angeboten. Die dänische Impfkampagne wird ohne Astrazeneca nun einige Wochen länger dauern als geplant.

Insgesamt haben in Dänemark mit seinen rund 5,8 Millionen Einwohnern knapp eine Million Menschen ihre Corona-Erstimpfung erhalten, fast die Hälfte davon auch schon ihre zweite. Der Großteil davon wurde mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft.