Infektionsgeschehen

Corona-Zahlen steigen in Deutschland dynamischer

17.03.2021 | Stand 18.03.2021, 10:00 Uhr

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Erst war es eine Seitwärtsbewegung, mittlerweile steigt die Kurve deutlicher: Der Pandemieverlauf in Deutschland nimmt wieder Fahrt auf. An mehreren Orten macht das RKI zunehmend Fallhäufungen aus.

Die Corona-Lage in Deutschland verschlechtert sich weiter. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut 13.435 Neuinfektionen, wie aus RKI-Daten von heute hervorgeht.

Im Vergleich zum Wert von vor einer Woche ist das ein deutlicher Zuwachs um rund 47 Prozent. Damals fehlten Angaben aus Hamburg, die sich pro Tag im dreistelligen Bereich bewegen. Auch mit diesen Zahlen wäre der Zuwachs erheblich. Neben Ansteckungen in Privathaushalten seien Häufungen in Kitas, Schulen und beruflichem Umwelt für die Entwicklung mitverantwortlich, wie aus dem Lagebericht des RKI hervorgeht. Oft könne aber kein konkreter Ansteckungsort ermittelt werden.

Zum siebten Mal in Folge stieg auch die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, er liegt nun bei 86,2 (17. Februar: 57). Am höchsten sind diese sogenannten Inzidenzen derzeit laut RKI-Lagebericht bei den Menschen zwischen 15 und 44 mit Werten über 100. «Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0-14 Jahren zu beobachten, wo sich die 7-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen verdoppelt haben», stellt das RKI fest.

Kleine Kinder haben bei Corona-Infektionen häufig keine Symptome und wurden oft nicht getestet, deshalb vermuteten Experten seit Pandemiebeginn eine recht hohe Dunkelziffer in dieser Gruppe. Am 22. Februar waren in einer Reihe von Bundesländern weitere Grundschulen und Kitas geöffnet worden, teils zum Beispiel mit sogenanntem Wechselbetrieb und verbunden mit mehr Testangeboten. RKI-Chef Lothar Wieler hatte bereits in der Vorwoche von einer wachsenden Zahl an Kita-Ausbrüchen gesprochen. Das RKI bezifferte deren Zahl auf je 87 pro Woche in den letzten beiden Februarwochen.

Um einen «möglichst kontinuierlichen Betrieb» in Schulen und Kitas gewährleisten zu können, müssten alle Maßnahmen zur Vorbeugung von Ansteckungen getroffen werden, betont das RKI. Zudem gelte es die Einschleppung des Virus in die Einrichtungen zu verhindern. Familien und Beschäftigte ruft das RKI zum weiteren Einhalten der Verhaltensregeln auf, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Bei Krankheitsanzeichen solle man fünf bis sieben Tage zu Hause bleiben.

Bei Erkrankungen in einer oder mehreren Gruppen empfiehlt das RKI, «eine frühzeitige reaktive Schließung der Einrichtung» zu erwägen. Die Experten verweisen auf die ansteckenderen Corona-Varianten. Eine weitere Ausbreitung in der Kita oder in Familien gelte es zu verhindern. Das RKI dringt außerdem darauf, Infektionsschutzmaßnahmen am Arbeitsplatz konsequent umzusetzen.

In Deutschland breitet sich insbesondere die zunächst in Großbritannien nachgewiesene Corona-Variante B.1.1.7 stark aus, was das RKI als besorgniserregend einstuft. Diese Variante gilt als deutlich ansteckender als bisherige Formen, ersten Studien zufolge ist sie auch tödlicher. Ihr Anteil betrage inzwischen 72 Prozent, heißt es in einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vo heute. Sie werde also inzwischen in etwa drei von vier Proben gefunden.

Vergangene Woche hatte das RKI noch von circa 55 Prozent B.1.1.7-Anteil gesprochen. Zu Beginn der RKI-Erhebung vor rund anderthalb Monaten lag der Anteil der Mutante noch bei sechs Prozent. Für die erwartete Entwicklung der Pandemie bedeutet die Ausbreitung der Variante nichts Gutes: «Wir werden kurz nach Ostern eine Situation haben wie um Weihnachten herum», sagte der Virologe Christian Drosten am Dienstag bei NDR-Info.

Auf Ebene der Bundesländer sind derzeit Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt Corona-Schwerpunkte: Dort wurden binnen sieben Tagen je mehr als 100 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner erfasst. Viele weitere Bundesländer liegen knapp unter dieser als kritisch definierten Schwelle. Die Zahl der Landkreise, die höhere Werte als 100 erreichen, stieg um weitere 7 auf nun 124 von insgesamt 412.

Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 249 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es - ohne die Daten aus Hamburg - 300. Der Höchststand von 1244 neu gemeldeten Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden. Den Rückgang führen Experten auch auf die zunehmenden Impfungen bei Menschen über 80 zurück.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2.594.764 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2 383 600 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Corona-Infektion gestorben sind, stieg auf 73 905.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 1,06 (Vortag 1,06). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 106 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.