Operation „El Capta“

Österreichische Polizei zerschlägt internationalen Drogenring

08.06.2021 | Stand 08.06.2021, 13:06 Uhr

Über eine Pizzeria in der Gemeinde Bürmoos soll eine gut organisierte Tätergruppe große Mengen an Captagon-Tabletten nach Österreich geschmuggelt, dort in Wäschetrockner, Pizzaöfen und Waschmaschinen verpackt und nach Saudi-Arabien gebracht haben. −Foto: LPD/Polizei Salzburg

Im Rahmen der Operation „El Capta“ hat die österreichische Polizei in dreijähriger Ermittlungsarbeit einen international agierenden Drogenring zerschlagen.



Der Drogenring hat nach Angaben der Polizei mehr als zehn Millionen Captagon-Tabletten und große Mengen an Kokain nach Österreich geschmuggelt.



Im Juli 2017 bestand der Verdacht, dass ein Transportunternehmen zum Schmuggel von illegalen Suchtmitteln benutzt wurde und auch Fahrten nach Österreich machte. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Scheinfirma handelte. Neben zwei Adressen in den Niederlanden und einer in Belgien, bei der 1,35 Tonnen Cannabiskraut sichergestellt wurden, wurde auch eine österreichische Adresse bekannt.



Millionen Captagon-Tabletten im Jahr, Hunderte Kilo Kokain


Im Mittelpunkt stand eine Pizzeria in der Gemeinde Bürmoos im Bezirk Salzburg Umgebung, durch die eine gut organisierte Tätergruppe mit libanesischen Wurzeln übergroße Mengen an Captagon-Tabletten aus dem Libanon über Belgien nach Österreich geschmuggelt, dort in Wäschetrockner, Pizzaöfen und Waschmaschinen verpackt und in das eigentliche Zielland, Saudi-Arabien, verbracht haben soll.



Laut LKA Salzburg haben die Täter im Jahr eine Menge von zehn Millionen Captagon-Tabletten sowie 100 bis 200 Kilogramm Kokain im Jahr in den Verkehr gebracht. Da die Tätergruppe international agierte, mussten auch die Ermittlungen über die Landesgrenzen hinweg geführt werden. Es folgte ein enger Informationsaustausch zwischen der österreichischen Polizei und Belgien, USA, Dänemark, Niederlande, Deutschland, Saudi-Arabien sowie Brasilien.



17 Beschuldigte identifiziert



Insgesamt 17 Beschuldigte konnten identifiziert werden. Die Ermittlungen brachten zu Tage, dass einer der Beschuldigten im Auftrag des Haupttäters in Vöcklabruck ein Lager anmietete und dort die Tabletten lagerte. Diese wurden in präparierten Plastikrollen mit Containerschiffen aus dem Libanon über einen belgischen Hafen nach Österreich transportiert. Wie sich herausstellte, wurde der Haupttäter, ein 60-jähriger Libanese, selbst bereits im Libanon wegen Drogenhandels zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, weshalb er über Syrien und den Iran in die Türkei flüchtete.



Ein weiteres Mitglied des Drogenrings, ein belgischer Staatsangehöriger, soll durch die Bereitstellung der Transportlogistik bei der Einfuhr von 1,9 Tonnen Kokain aus Brasilien nach Belgien beteiligt gewesen sein. Die belgischen Behörden stellten diese Menge im August 2018 sicher. Der Belgier wird per internationalem Haftbefehl der brasilianischen Behörden gesucht. Der Tätergruppe wird zudem der Handel mit rund 300 Kilogramm Cannabisharz vorgeworfen, das als Bezahlung für die Abwicklung einer Captagon-Lieferung an einem belgischen Hafen diente.


Festnahmen auch in Österreich und Deutschland


Am 22. März 2021 erfolgte in enger Absprache mit den deutschen Sicherheitsbehörden ein koordinierter Zugriff in Österreich und Deutschland. Dabei wurden 13 Personen zwischen 28 und 53 Jahren in Österreich - davon acht in Salzburg, drei in Tirol und zwei in Oberösterreich - sowie zwei Verdächtige in Deutschland, 27 und 28 Jahre alt, festgenommen. Insgesamt wurden 20 Hausdurchsuchungen in Salzburg, Tirol, Oberösterreich und Steiermark durchgeführt.



Die weiteren Ermittlungen sind derzeit noch im Gange. Die Auswertung der sichergestellten elektronischen Geräte und die Analyse der Geldflüsse sind noch nicht abgeschlossen.

− red