Straubing/Augsburg

Niederbayer Weinzierl krönt sich zum FCA-Retter - „Stress pur“

16.05.2021 | Stand 16.05.2021, 14:15 Uhr

Der gebürtige Straubinger Markus Weinzierl (Mitte) beschert dem FCA ein elftes Bundesligajahr. „Es ist aufgegangen“, sagt Manager Reuter zur Trainer-Notbremse, die griff. Eine grobe Dummheit steckt das Team um Matchwinner Khedira weg. −Symbolbild: dpa

Klatschnass stand der gebürtige Straubinger Markus Weinzierl nach dem euphorischen Jubelkreis mit seiner Mannschaft auf dem Rasen der Augsburger Arena.



Mit einer Flasche Bier in der Hand genoss der 46-Jährige die extrem emotionale Rettung des FC Augsburg vor dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. „Es war ein großes Endspiel für uns. Das war Stress pur, aber wir haben es jetzt gemeistert. Ein Riesenkompliment an die Jungs“, sagte der FC-Coach mit ramponierter Stimme nach dem 2:0 gegen Werder Bremen, das auf den Relegationsplatz stürzte und sich am Sonntag von Trainer Florian Kohfeldt trennte.

Zum Feiern hatten die FCA-Sieger um die Torschützen Rani Khedira (57. Minute) und Daniel Caligiuri (90./Foulelfmeter) schwarze T-Shirts übergestreift: „Haller Luja“ stand darauf. Das doppelte, extragroße „l“ in Haller stellte dabei eine 11 dar. „Elf Jahre Bundesliga zu spielen, ist ein absoluter Traum für uns“, frohlockte Stefan Reuter. Riesige Erleichterung erfüllte nicht nur den Manager. Der FCA konnte haarscharf einem Saisonfinale mit riesigem Abstiegsdruck ausgerechnet beim deutschen Meister FC Bayern München entkommen.



Trainer-Notbremse



Die Vereinsbosse hatten mit der Trainer-Notbremse drei Runden vor Saisonende spät reagiert und viel riskiert - und alles gewonnen. „Es ist aufgegangen“, urteilte Reuter. Rückkehrer Weinzierl impfte dem Augsburger Team im Endspurt wieder jene Tugenden ein, die sie unter Vorgänger Heiko Herrlich eingebüßt hatte: Eine Struktur, eine Achse, eine Hierarchie, eine klare Spielidee. Und totalen Zusammenhalt.

Selbst die frühe, dumme Rote Karte von Ruben Vargas (13. Minute) und mehr als 30 Minuten Unterzahl steckte das Augsburger Kollektiv weg. Der junge Schweizer habe zur Halbzeit in der Kabine „bitterlich geweint“, berichtete Weinzierl. „Für Ruben“, lautete dann dort der Schwur, wie Reuter verriet. In Gleichzahl nach der Gelb-Roten Karte für Bremens Routinier Christian Groß (49.) waren die Augsburger dann voll da. Bei einem krachenden Pfostenschuss von Werders Leonardo Bittencourt (72.) hatten sie zudem das nötige Spielglück.

Weinzierl und der FCA - das passt einfach. „Markus hat uns spüren lassen, dass er brennt und extrem viel Energie hat“, bemerkte Reuter nochmal zur Rückholaktion des Niederbayern, der 2016 begleitet von Misstönen den Verein Richtung FC Schalke 04 verlassen hatte.

„Ich habe versucht, eine Achse zu bauen“, sagte Weinzierl. Zu dieser zählte etwa Khedira, obwohl der 27-Jährige am Saisonende zu Union Berlin wechselt. „Bei Rani weißt du, was du bekommst. Er war ein Faktor, den du brauchst“, sagte Weinzierl. Nach einer Ecke fiel Khedira der Ball vor die Füße. Aus der Drehung traf er mit links exakt ins Toreck. „Viel schöner kann ich mir einen Abschied nach vier Jahren nicht vorstellen: Emotionales Spiel, erstes Saisontor und der Klassenerhalt - besser geht es nicht“, sagte der Matchwinner.



„Der große Zusammenhalt“



„Der FC Augsburg hat wieder bewiesen, was ihn auszeichnet, nämlich der große Zusammenhalt“, sagte Khedira zudem. Das zeigte sich auch beim großen Fanaufmarsch vorm Stadion bei der Ankunft des Teambusses. „Augsburg hält zusammen, das haben die Fans gezeigt“, lobte Reuter.

Das Happy End ist gelungen. „Es war wieder mal eine extrem schwierige Saison“, sagte Reuter. Eine kritische interne Aufarbeitung muss folgen. Es wird personelle Veränderungen geben. Die Arbeit hört für Markus Weinzierl nicht auf - sie geht nun erst richtig los.

− dpa