Polizei warnt

Nach tödlichen Unfällen an Gleisen: Darum ist Bahnstrom so gefährlich

03.10.2022 | Stand 03.10.2022, 19:07 Uhr

Der Stromabnehmer einer S-Bahn ist vor dem Abendhimmel an der Oberleitung zu sehen. Immer wieder kommt es in der Region zu schweren oder gar tödlichen Unfällen an Bahnhöfen, weil die Gefahren, die von Stromleitungen ausgehen, oft unterschätzt werden. −Foto: Daniel Karmann/dpa

Fast vier Wochen ist es her, dass ein 19-Jähriger aus Grafenau starb, weil er in Österreich auf einen Zug geklettert ist und von einem tödlichen Stromschlag getroffen wurde. Im Juni erlitten zwei Männer im Landkreis Kelheim ein ähnliches Schicksal. Die Bundespolizei warnt deshalb und erklärt, warum Bahnstrom so gefährlich ist.



Immer wieder kommt es in der Region zu schweren oder gar tödlichen Unfällen an Bahnhöfen, weil die Gefahren, die von Stromleitungen ausgehen, oft unterschätzt werden. „Bereits die Nähe zu einer Bahnoberleitung genügt für einen Stromüberschlag. Sie muss hierfür nicht einmal berührt werden“, klärt Sylvia Hieninger von der Bundespolizei Waldmünchen auf.

Strom wird über Körper geleitet

Der Grund: Strom ist in der Lage, die Luft zu überspringen und auf einem Lichtbogen über einen sogenannten „Leiter“ zur Erde zu gelangen. Der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser und sei, sobald man der Bahnoberleitung zu nahe kommt, in diesem Moment der leitende Gegenstand.

15.000 Volt laufen durch Oberleitungen

Der Stromschlag, der dann durch den Körper geht, sei extrem stark. „Bahnoberleitungen haben eine Stromstärke von 1000 Ampere und eine Spannung von 15.000 Volt. Das ist 65 Mal mehr als in den Steckdosen zu Hause“, erklärt Sylvia Hieninger. Die Betroffenen erleiden starke bis tödliche Verbrennungen.

Pinkeln und Drachensteigen verboten

Gerade zum Herbstbeginn warnt die Bundespolizei insbesondere Kinder und Jugendliche, sich von Oberleitungen fern zu halten. Dort sei unter anderem Drachen steigen tabu. Sie leiten den Strom ebenfalls und können so die tödliche Stromspannung direkt in den Körper übertragen. Dasselbe gelte auch für andere Gegenstände wie Stöcke, Drähte oder Flüssigkeiten, die auf die Oberleitung gekippt werden. Aber auch auf die Leitungen zu pinkeln sei lebensgefährlich. Sylvia Hieninger warnt: „Dann jagen die 15.000 Volt durch euren Körper.“

− ajk