Wenn Corona zur Geschichte wird

Wie das Straubinger Klinikum ins Museum kommt

12.04.2021 | Stand 12.04.2021, 11:51 Uhr

(V.l.:) Maximilian Brückner, Wissenschaftshistoriker und Sammlungsbeauftragter des Hauses der Bayerischen Geschichte mit Kollegen Sebastian Neumeier, Restaurator und Sandra Wimmer, stellv. Leiterin Marketing Klinikum Straubing bei der Übergabe der Schilder im Depot Foto: Nüßlein

Gemalte Schilder von Mitarbeitern des Klinikum Straubings jetzt im Museum der Bayerischen Geschichte

Von sms/pm

Straubing/Regensburg. März 2020 – Der ersten Welle der Corona Pandemie wird mit riesigem sozialen Engagement und Zusammenhalt die Stirn geboten. Die Pflege wird zum systemrelevanten Beruf erklärt, jahrelange Missstände der Arbeitsbedingungen öffentlich diskutiert, soziale Medien mit Schildern der stillen Helden gefüllt. So auch der Kanal des Klinikums Straubing: „Bleibt‘s ihr für uns dahoam, mia bleim für eich do!“. Damit wurde bereits vor und während des offiziellen Lockdowns Mitte März um Social Distancing gebeten.

Die Initiative der Schilder ergriffen und organisierten die Mitarbeiter selbst: Die Intensivstation und andere Bereiche des Klinikums und MVZ Straubing kreierten kunstvoll Kartons und Blätter mit gezeichneten Symbolen, zum Teil verziert mit Verbandmaterial und aufgeblasenen Handschuhen.

Schilder der Straubinger Intensivstation neben Maßkrug des Gäubodenvolksfestes 2020 nun Teil der „bayerischen Geschichte“

Auf der Suche nach Objekten bedeutender zeitgenössischer Vorkommnissen- in diesem Fall die Corona Pandemie- wurden die Sammlungsbeauftragten des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg auf die Schilder des Klinikums aufmerksam. Der Wissenschaftshistoriker Maximilian Brückner, selbst „Straubinger Kindl“ freut sich über die mit Schenkungsvertrag überreichten Zeichnungen der Intensivstation. Er versichert zusammen mit seinen Sammlungsbeauftragten- und Historiker-Kollegen Timo Nüsslein und Sebastian Neumeier, Restaurator, dass die Schilder mit größter Sorgfalt bewahrt werden: „ Nach der Dokumentation und Erfassung werden sie bei 21 Grad Lufttemperatur und 45 Prozent Luftfeuchtigkeit archiviert. Es wird versucht, die Objekte in Zukunft in der Dauerausstellung zu präsentieren.“

Das Depot des Hauses der Bayerischen Geschichte ist im nebenan gelegenen Gebäude donauabwärts verwahrt, passenderweise „Österreicherstadel“ genannt. Dort haben sich bereits andere Sammelstücke der Corona-Zeit eingefunden. Besonders ins Auge sticht dabei der Maßkrug des Straubinger Gäubodenvolksfestes 2020 - der Prototyp, der ein Unikat bleiben sollte. Er ist in Gesellschaft des Maßkruges des Oktoberfestes und der Erlanger Bergkirchweih. Auch die erste Impfdosenpalette des BRK Regensburgs, ein „Bleibt dran“-Käppi als Gewinn für Nürnbergs Grundschüler für die Lösung von E-Mail-Aufgaben und Corona-Kunst aus Wachs sind unter den bisher rund 50 Ausstellungsobjekten zu finden. Ein Prosit auf die Zeit, wenn die Sammlung wirklich museumsreif ist!

Und ein besonderes Prosit auf die engagierten Helden der Intensivstation Lisa Altmann, Julia Fischl und Jennifer Rackl für ihre tolle Idee, das Zeichnen und Zusammenstellen der kunstvollen Schilder! Dank ihnen werden sie Zeitzeugen der Geschichte für spätere Generationen sein dürfen. -swi