12.10.2019, 09:38 Uhr

Ausstellung in der Klinik Bogen „Malerei hat auch viel mit Kochen zu tun“

Der Künstler Werner Rickinger (r.) führt den Fördervereinsvorsitzenden Wilhelm Lindinger (l.) und Besucher der Vernissage durch seine Ausstellung an der Klinik Bogen. (Foto: Landinger)Der Künstler Werner Rickinger (r.) führt den Fördervereinsvorsitzenden Wilhelm Lindinger (l.) und Besucher der Vernissage durch seine Ausstellung an der Klinik Bogen. (Foto: Landinger)

Werner Rickinger gewährt bei seiner Vernissage Einblicke in sein kreatives Schaffen.

BOGEN „Oft nachzuahmen versucht und doch niemals erreicht“, so beschrieb Wilhelm Lindinger, Vorsitzender der Freunde und Förderer der Klinik Bogen e. V., in seiner Laudatio den Malstil seines Vereinskollegen Werner Rickinger aus Deggendorf, der am Donnerstagabend seine inzwischen dritte Ausstellung an der Klinik Bogen eröffnet hat. Diese trägt den Titel „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ So wie jeder Meisterkoch seine persönlichen Geheimrezepte hütet, verfügt auch Werner Rickinger über eine unverwechselbare, technisch ausgefeilte Handschrift beim Farbauftrag. Über seine Ideen und Inspirationen gab der international anerkannte Künstler gern und bereitwillig Auskunft, ebenso über die zugrundeliegenden Farbharmonien.

Geheimrezepte gibt es auch in der Malerei

Dennoch behielt er sich auf allzu detaillierte Nachfragen mit einem Augenzwinkern vor, die aufwändigen Einzelschritte des Entstehungsprozesses als sein „Geheimrezept“ zu bewahren.

Dabei zog er den Vergleich seiner neuen Leidenschaft, die er seit der Pflege seiner Frau für sich entdeckt hat: „Malerei hat auch viel mit Kochen zu tun: Man gibt ein Gewürz hinzu und nochmal ein Gewürz, dann schmeckt es immer noch nicht und man muss noch etwas Anderes dazugeben. Genauso ist es beim Bildermalen und Farbenmischen.“ Wie ein Meisterkoch sein Gericht abschmeckt, begutachtet Rickinger seine Bilder ausgiebig, die er zunächst bei sich selbst aufhängt und erst dann als fertig betrachtet, wenn alles bestmöglich aufeinander abgestimmt aussieht. Diesen zeit- und arbeitsintensiven Entstehungsprozess nachzuvollziehen, bei dem „es auch vorkommen kann, dass ich alles wieder abwasche und neu beginne“, würde den Rahmen einer Vernissage sicherlich auch sprengen. Doch das Resultat lohnt jedes Mal die Mühe: Durch die vielen Schichten, Strukturen und eingearbeiteten Materialien verleiht Rickinger seinen Bildern eine räumliche Tiefe, ganz ohne dabei ins Fotorealistische zu driften. „Die heutige Fotografie kann die Wirklichkeit so gut darstellen,“ stellt er fest, „da muss man sich schon selbst etwas anderes einfallen lassen.“

Leben und Leben lassen

Seine Inspiration zieht der Künstler dabei aus der Natur, aber auch aus aktuellen Entwicklungen wie dem Bienensterben und dem Klimawandel. So zeigt sein Gemälde „Schöpfung“ einen kosmischen Urzeitstrudel, wobei man wieder bei der Analogie zum Kochen angelangt. Die Fantasie lässt so manchen Betrachter darin eine Gestalt erahnen, die als Schöpfer in der Materie rührt, bis daraus etwas entsteht. „Aber jeder sollte nach seinem Glauben selig werden und hineininterpretieren, was er möchte“, so Werner Rickinger. Dieses Motto des Lebens und Leben-Lassens durchzieht auch die weiteren ausgestellten Bilder. „Noch haben wir Eis, Schnee und Wasser“, schildert er und deutet auf die feinen blauen Farbstreifen seines Gemäldes „Klimawandel“, doch das eingearbeitete abgestorbene Laub und die kontrastvollen wüstengelben Farbtöne dominieren bereits die Szenerie. Das blühende Leben steht ansonsten im Fokus des künstlerischen Schaffens, sei es über oder unter Wasser, aus der Vogelperspektive oder als detailreiches, fein strukturiertes Blumenarrangement in raffinierter Verlaufstechnik.

Wilhelm Lindinger würdigte „die Energie und den Tatendrang, mit denen Rickinger in seinem Deggendorfer Atelier tagtäglich am Werk ist und immer wieder neue, ideenreiche, kraftvolle und lebensbejahende Bilder hervorbringt, die an der Klinik den Genesungsprozess der Patienten beflügeln“.

Weitere Führung mit Künstlergespräch am 12. Oktober

Eine Auswahl daraus ist aktuell bis zum 3. November an der Klinik Bogen zu sehen und täglich zu den Besuchszeiten von 7.30 bis 21 Uhr auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine weitere kostenlose Führung durch die Ausstellung mit Künstlergespräch findet am Samstag, den 12. Oktober um 15 Uhr statt. Treffpunkt ist das Foyer im Erdgeschoss.


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