29.07.2020, 21:48 Uhr

Kultur Der neue „Selbling“ des Porzellanikons heißt „Mathilde“

 Foto: Porzellanikon Foto: Porzellanikon

Klaus Elben, ein bekannter Porzellansammler und ehemaliger Vorsitzender des Vereins Freunde des Rosenthal-Porzellans e. V. entdeckte 2004 die kleinen Porzellanschutzgeister namens „Selbling“ wieder. Einer Überlieferung nach trieben die kleinen Kobolde in Wald und Wiesen rund um Selb ihr Unwesen. Sie besaßen angeblich die Gabe, ihre positiven Eigenschaften auf denjenigen, der ihnen begegnet, zu übertragen. Seitdem formt das Porzellanikon jedes Jahr einen neuen Selbling zum Porzellinerfest Anfang August in Selb aus.

Selb. Die kleinen Wichtel, inzwischen 18 an der Zahl, sind zu einem beliebten Sammelobjekt geworden. Ihre Namen erinnern an bedeutende Persönlichkeiten aus der Porzellangeschichte. Dieses Jahr heißt der Selbling „Mathilde“, benannt nach der ersten Frau von Philipp Rosenthal

senior, dem Begründer der Weltmarke Rosenthal. Warum haben sich die Kuratorinnen und Kuratoren des Porzellanikons für diesen Namen entschieden? Mathilde Rosenthal trug wesentlich zum Aufbau des Unternehmens Rosenthal bei.

Und wie? Hier ist die Geschichte: Als der junge Philipp Rosenthal aus Amerika zurückkam, gründete er 1880 im Schloss Erkersreuth bei Selb eine Porzellanmalerei. Das kleine Unternehmen musste schwer kämpfen, um bestehen zu können. Seine wichtigste Stütze war seine ein Jahr jüngere Ehefrau Mathilde. In Düsseldorf geboren und großstädtisches Leben gewöhnt, erledigte sie mit Tatkraft vielfältige Aufgaben. Sie bemalte das Porzellan und brachte die gepackten Kisten mit der fertig dekorierten Ware in einem Handkarren zum mehrere Kilometer entfernten Bahnhof. Natürlich führte sie auch den gemeinsamen Haushalt. 1881 und 1883 kamen die beiden Töchter zur Welt, um die sich die junge Mutter trotz der beruflichen Belastungen kümmerte. Die Expansion des Porzellanunternehmens ab 1890 sah nun aber andere Aufgaben vor. Ihr Mann reiste oft zu Kunden. Repräsentationsaufgaben kamen dazu, denn Philipp war zu einer angesehenen und gefragten Unternehmerpersönlichkeit geworden. Viel Zeit musste sie daher allein verbringen. Die beiden entfremdeten sich. Wie so oft, kam es zur Scheidung. Ihre weitere Spur verliert sich. Eine starke Frau? Zweifellos.

Der neue Selbling „Mathilde“ wird dieses Jahr zum ersten Mal unglasiert herauskommen. Damit möchte das Porzellanikon den Sammlerinnen und Sammlern die Möglichkeit bieten, den Selbling selbst farblich zu dekorieren. Dies passt zu der diesjährigen Figur, zumal Mathildes Bruder der seinerzeit in Berlin ansässige Modeschöpfer Auerbach war.

Die neuen Selblinge können am Stand des Porzellanikons beim diesjährigen Porzellinerfest im Outlet-Center Selb am 1. August für 2,50 Euro und anschließend im Museumsshop des Porzellanikons in Selb erworben werden.


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