11.08.2018, 10:56 Uhr

Geschichte in die Öffentlichkeit rücken Einer der 100 historischen Schätze des Freistaats schlummert in Sulzbach-Rosenberg

(Foto: Harald Herrle)(Foto: Harald Herrle)

Ein besonderes Dokument der Lebensumstände in der Region überreichte der Sulzbach-Rosenberger Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer nun Dr. Roland Brey, dem Leiter des Gesundheitsamtes Amberg-Sulzbach. „Medicinische Topographie“ ist der Titel einer Beschreibung des Landgerichtsarztes Dr. Schleis von Löwenfeld, der um 1810 die Lebensverhältnisse der Landbevölkerung als Handlungsgrundlage für den damaligen König Maximilian I. Joseph zusammenfasste.

SULZBACH-ROSENBERG „Dieses Dokument ist ein Zeitzeugnis der Lebensumstände dieser Zeit“, erläutert Lommer im Gespräch mit Brey, der quasi der Amtsnachfolger Schleis von Löwenfelds ist. Das Werk kann in der Alten Hofapotheke in Sulzbach-Rosenberg besichtigt werden und gibt Aufschluss über die Lebensbedingungen des frühen 19. Jahrhunderts in und um Sulzbach-Rosenberg. Die Aufzeichnungen dienten der Obrigkeit dazu, die richtigen Schlüsse für politisches Handeln abzuleiten und die Lebensbedingungen der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.

So ist in den Aufzeichnungen Schleis von Löwenfelds unter anderem folgendes über den Sulzbacher zu lesen: „Er ist ein fleissiger arbeitsamer Bürger, und die meisten Einwohner, worunter sehr viele Künstler und geschickte Handwerker sich befinden, betreiben ihre Geschäfte sehr gut; und da sie mit den Arbeiten ihres Handwerks auch einen mehr oder minderen feldbau zu bewirten haben, und das Gartenleben und dessen Beschäftigung für mehrere ein Vergnügen ist: So kommt diese Abwechslung ihrer Gesundheit sehr zu statten. Ueberhaupt lebt also der Sulzbacher von gemischter Nahrung, vom Fleisch- und Pflazenkost, in gewisser Rücksicht und im Verhältniss mit seinen körperlichen Arbeiten, nicht schwelgerisch. – Der Landbewohner geniesst rohe, aber auch einfachere Nahrung, kann fettes Schweinefleisch, Sauerkraut und Milch in einer Mahlzeit ohne Beschwerden vertragen, trinkt gewöhnlich Wasser, wenn er aber in die Schenke kommt, so nimmt ers ritterlich auf altteutsche Art mit seinem Nachbar oder Freund bei 6 bis 8 Maas Bier auf.“

Schleis von Löwenfelds Arbeit beleuchtete auch Dr. Roland Brey in einer Ausarbeitung für das Institut für politische Bildung. Er ging dabei auf die besonderen Umstände der Zeit, verbunden mit hoher Kindersterblichkeit und Epidemien ein. Die Verdienste Schleis von Löwenfelds im Bereich der medizinischen Forschung und der Bekämpfung des Aberglaubens im Lichte der Aufklärung stehen dabei besonders im Fokus. „Das Zeigen der Geschichte ist für mich gelebte Heimat. Dafür braucht es keine Initiativen oder politische Strategien. Nur das echte Interesse der eigenen Bevölkerung an ihrer Geschichte.“, so Dr. Lommer abschließend.

Zeitgeschichtliche Erzählung vorgestellt

Im Rahmen des Gesprächs zwischen Dr. Markus Lommer und Dr. Roland Brey über die medizinische Historie der Region hat Helma Koch ihr Buch „Der erste Amtsarzt“ vorgestellt. Koch war Apothekerin und ist in der Alten Hofapotheke in Sulzbach-Rosenberg als Museumsführerin aktiv. In ihrem Werk setzt sie sich mit den Umständen der Zeit auseinander, verpackt in kleine Geschichten. Das Werk wurde mit einem von Dr. Lommer verfassten lokalhistorischen Zeitbild ergänzt und bietet die Möglichkeit, auf sehr einfache Weise der Zeit und ihrer Akteure näher zu kommen.


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