12.10.2020, 09:17 Uhr

Jubiläum 25 Jahre „Stadtzeit – Zeitstadt“ – eine Spur durch Regensburg


Die bunten Kunsttafeln von Maria Maier feiern dieses Jahr Jubiläum.

Regensburg. Seit 25 Jahren hängen sie an 76 historischen Gebäuden in der Regensburger Altstadt. Man geht daran vorbei und fragt sich, was das sein soll, welche Bedeutung die Farben und Formen haben und überhaupt, was die rechteckigen Tafeln in krachenden Farben an solch ehrwürdigen Gebäuden verloren haben. Genau das will Maria Maier, die Künstlerin, die die Kunsttafeln schuf, mit ihrem Werk bezwecken: Dass sich der Betrachter, ständig damit konfrontiert, Gedanken macht, sich damit auseinandersetzt, anfängt zu interpretieren und sich an der Kunst erfreut.

Maria Maier freut sich über den Wochenblatt-Besuch, sie selbst habe gar nicht an das Jubiläum gedacht, doch gerne erinnert sie sich zurück und erzählt, wie die Idee zu den rechteckigen Tafeln, auf denen die Grundrisse historischer Gebäude zu sehen sind, entstand. „Die Themen Zeit und Kommunikation haben mich schon immer fasziniert“, erklärt sie. „Stadtstruktur und Gebäude verändern sich mit der Zeit.“ Und auch die Vogelperspektive und Kunst im öffentlichen Raum üben eine gewisse Faszination auf die Künstlerin aus, sodass die Idee entstand: „Der Stadt auf den Grund gehen, im wahrsten und im metaphorischen Sinn.“ Vor dem Hintergrund der Erlangung der Reichsfreiheit vor damals 750 Jahren erschien 1995 das Projekt „Stadtzeit – Zeitstadt“ von Maria Maier, bestehend aus einer Siebdruckmappe und der Installation der 76 Kunsttafeln mit zehn Motiven – von Kirchen über Patrizierhäuser bis zu Museen und Neubauten – in der gesamten Regensburger Altstadt.

„Eine Spur durch die Stadt, aber in ein Raster gebracht“, beschreibt die Künstlerin das Projekt. Lage und Größe der Gebäude spielen für sie keine Rolle, die verschiedenen Farben und Formen dagegen haben sehr wohl eine, für Maria Maier ganz persönliche, Bedeutung. Grün für die Parkanlagen, lila für die Kirchen, blau als Symbol für Ferne bei den Patrizierhäusern oder rot und schwarz bei den Rathäusern. Bei letzteren schließlich auch der Wechsel der Farben, der den Wechsel der Stadtspitze symbolisiert. Und das „Quadrat im Quadrat im Quadrat“ bei den Plätzen stehe für das Kopfsteinpflaster, erklärt die Künstlerin. Der Wechsel der Quadrate auf den Tafeln – mal sind es vier, mal neun, mal 16 ... – und der Farbwechsel haben viel mit Ästhetik zu tun.

„Es geht um die Figur-Grund-Beziehung“, so Maier, „und um die Gesamtkonzeption: Welche Gebäude wirken wie auf den Betrachter und wie werden sie angeordnet?“ Heutzutage wäre das viel einfacher, erklärt die Künstlerin, man könne einfach am Computer rumprobieren und verschieben. Vor 25 Jahren dauerte es ein Jahr, bis der Entwurf fertig war, und noch einmal ein Jahr, bis die Tafeln installiert wurden. „Die Grundrisse zu bekommen, war nicht leicht“, berichtet Maria Maier. Für die Installation brauchte sie die Zustimmung der Gebäudebesitzer, der Denkmalschutzbehörde und des damaligen Leiters der Städtischen Galerie Leerer Beutel, der beurteilte, wie die Tafeln optisch an den jeweiligen Gebäuden aussehen. Maria Maier ist bis heute froh darüber, dass letztendlich alle dabei waren und das Projekt realisiert werden konnte. „Das wäre sonst so, als würde man ein Stück Leinwand rausschneiden“, so die Künstlerin.

Am Anfang boten die Tafeln mit den knalligen Farben viel Diskussionsstoff, es war zunächst ungewohnt, doch dann habe sie viel positive Resonanz bekommen – auch von auswärts – und mittlerweile gehören die Kunsttafeln nicht nur zum Stadtbild dazu. „Inzwischen sind sie Teil des Welterbes“, freut sich Maria Maier, „da sie fest mit den Gebäuden und Fassaden verbunden sind, die zum UNESCO-Erbe gehören“.

Und immer wieder entdeckt der Betrachter etwas Interessantes. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass die Neubauten aus der Vogelperspektive viel verspielter aussehen als die Patrizierhäuser oder wie viele Gebäude versteckte Innenhöfe haben. Wer die „Spur durch die Stadt“ selbst entdecken will, kann sich im Internet unter www.maria-maier.com die dazugehörige Broschüre, die einen Plan enthält, herunterladen und nebenbei die vielen anderen Projekte von Maria Maier kennenlernen, zum Beispiel die „Bayerischen Stämme“, von denen der Oberpfalz-Stamm in Regensburg vor dem Oberpfalz-Wohnheim steht.


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