13.02.2020, 13:35 Uhr

Landesausstellung in Regensburg Ein Grönlandwal in Bayern?

 Foto: Philipp Mansmann/HdBG Foto: Philipp Mansmann/HdBG

Der Grönlandwal gehört zu den größten Säugern der Erde, er kann bis zu 17 Meter lang und über 200 Jahre alt werden. Allein sein Schulterblatt ist einen Quadratmeter groß. Er hält sich ausschließlich in den nordischen Meeren auf, rund um Grönland, Kanada, Alaska und in den sibirischen Gewässern. Was hat nun dieses kälteliebende Tier mit Bayern zu tun?

Regensburg. In der Bayerischen Landesausstellung „Hundert Schätze aus tausend Jahren“ im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg ist ein bemaltes Walschulterblatt eines Grönlandwals zu sehen. So unglaublich es klingt, aber Walschulterblätter wurden in früheren Zeiten als Malgrund genutzt. Besonders im ausgehenden 16. und im 17. Jahrhundert war es sehr verbreitet, organische Stoffe wie Muscheln, Korallen, Knochen oder Elfenbein zu exotischen Stücken zu verarbeiten. Die Auftraggeber suchten nach dem Besonderen und Außergewöhnlichen. Und ein bemaltes Walschulterblatt war auf jeden Fall etwas ganz Ungewöhnliches! Auch heute noch faszinieren bemalte Walschulterblätter aufgrund ihrer Seltenheit und kuriosen Anmutung.

Das Walschulterblatt in der Landesausstellung gibt einige Rätsel auf. Vermutlich kam es durch Kaufleute von Venedig aus nach Bayern. Dafür spricht die Darstellung, die eine Hafenszene mit venezianischen Gondeln und einer Figur mit venezianischer Karnevalsmaske zeigt. Wer genau es nach Bayern brachte, ist jedoch nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich hinterließ es ein bislang unbekannter Kaufmann dem Augustinerchorhe renstift in Polling in der Nähe von München. Das Kaufmannszeichen in der Kartusche konnte bislang nicht entschlüsselt werden. Die Jahreszahl darunter sorgt nach wie vor für Verwirrung: Steht dort 1606 oder 1706? Wäre es 1606, so würde es sich um das älteste bekannte Stück seiner Art handeln. Dafür spricht die Kleidung der dargestellten Personen in der Mode des frühen 17. Jahrhunderts. Aber auch wenn 1706 die richtige Datierung sein sollte, bleibt es ein ganz außergewöhnlicher Schatz.


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