22.09.2019, 19:04 Uhr

Jüdische Geschichte und Kultur Zeitzeugenbericht von Ernst Grube – in der Gegenwart mit der Erinnerung leben

(Foto: Paul Huf)(Foto: Paul Huf)

Vor 500 Jahren, am 21. Februar 1519, beschloss der Rat die Vertreibung der Juden aus der Reichsstadt Regensburg. Innerhalb weniger Tage musste die jüdische Bevölkerung ihre Heimat verlassen, anschließend wurde deren Viertel auf dem heutigen Neupfarrplatz dem Erdboden gleichgemacht. Das bedeutete das abrupte Ende einer Gemeinde, die im Mittelalter zu den größten und wichtigsten im gesamten Heiligen Römischen Reich gezählt hatte.

REGENSBURG Dieses dunkle Kapitel der Stadtgeschichte ist der historische Anlass für das kulturelle Jahresthema 2019 „Stadt und Gesellschaft“, das deshalb einen besonderen Fokus auf die jüdische Vergangenheit Regensburgs legt. Herzstück eines umfangreichen Veranstaltungsprogramms ist die von Januar bis November stattfindende öffentliche Vortragsreihe „Jüdische Geschichte und Kultur Regensburgs vom Mittelalter bis zur Moderne“, die gemeinsam vom Kulturreferat (Kulturamt, Amt für Archiv und Denkmalpflege) und der Jüdischen Gemeinde organisiert wird. Die Vorträge spannen einen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, in der mit der Eröffnung der neuen Synagoge am Brixener Hof auch ein neues Kapitel jüdischen Lebens in Regensburg aufgeschlagen wird. Sowohl ausgewiesene lokale Experten wie auch renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – national und international – werden dabei neue Erkenntnisse zu verschiedenen Aspekten der wechselvollen jüdischen Stadtgeschichte präsentieren.

In der Gegenwart mit der Erinnerung leben – ein Zeitzeugenbericht von Ernst Grube

Am Donnerstag, 26. September, wird die Reihe mit einem Zeitzeugenbericht von Ernst Grube über die Verfolgung und Ausgrenzung der Juden in München während des Naziregimes fortgesetzt. Der Vortrag findet um 19 Uhr im Jüdischen Gemeindezentrum (Am Brixener Hof 2) statt, der Eintritt ist frei. Es wird empfohlen, wegen der Sicherheitskontrollen ausreichend Zeit für den Einlass einzuplanen und keine Rucksäcke oder größere Taschen mitzunehmen.

Ernst Grube, 86 Jahre alt, ist einer der letzten Überlebenden der Shoah. Als jüdisches Kind wurde er mit seiner Familie in München ausgegrenzt und verfolgt. Er musste mitten in München in Lagern leben, den gelben Stern tragen und wurde schließlich mit der jüdischen Mutter und beiden Geschwistern nach Theresienstadt deportiert.

Ernst Grube lebt mittlerweile auch in Regensburg. Für sein lebenslanges Engagement zeichnete ihn die Landeshauptstadt München 2017 mit dem Georg-Elser-Preis aus. „Ernst Grube hat sich aufgrund seiner persönlichen Verfolgungserfahrung Zeit seines Lebens gegen Ausgrenzung und Unterdrückung engagiert“ (aus der Begründung der Jury). Er ist Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA), Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und engagiert sich in der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten ebenso wie im politischen Beirat des NS-Dokumentationszentrums München.

Der letzte Vortrag der Reihe

Am Donnerstag, 7. November, referiert die Regensburger Journalistin und Autorin Waltraud Bierwirth über das Thema „Die Pogromnacht von 1938 und was zuvor geschah“. Mit diesem Vortrag wird die komplette Reihe „Jüdische Geschichte und Kultur Regensburgs vom Mittelalter bis zur Moderne“ abgeschlossen.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe und zum Jahresthema 2019 gibt es im Internet unter www.regensburg.de.


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