06.05.2019, 13:35 Uhr

Enthüllung einer Gedenktafel „Hören wir denen zu, die Vernunft predigen!“

Anna und Alfred Lottner mit IHK-Geschäftsführer Jürgen Helmes vor der Gedenktafel für Michael Lottner.Anna und Alfred Lottner mit IHK-Geschäftsführer Jürgen Helmes vor der Gedenktafel für Michael Lottner.

Die Industrie- und Handelskammer hat eine Gedenktafel an die Ermordung von Michael Lottner am 23. April 1945 enthüllt. Als Nachkomme Lottners – er war der Bruder der Urgroßmutter unseres Autors. Der durfte ein paar Worte im Namen der Nachkommen sagen. Hier ein Auszug:

REGENSBURG „Als ich mich mit dem Leben von Michael Lottner näher beschäftigt habe, habe ich mich oft gefragt, was er und sein Schicksal uns Nachkommen lehren. Helmut Kohl sprach einmal von der ,Gnade der späten Geburt‘. Die empfinde ich auch. Keiner kann wissen, wie er sich damals verhalten hätte. Vielleicht wären die heute Guten damals die Bösen gewesen und umgekehrt. Wer weiß das schon. Doch ich glaube, es gibt eine Lehre, die man aus dem Schicksal von Michael Lottner ziehen kann. Als sich am 23. April 1945, Europa und das sog. Tausendjährige Reich lagen in Trümmern, Frauen und Kinder zusammenfanden, um für eine friedliche Übergabe der Stadt an die heranrückende US-Armee zu demonstrieren, da war Lottner unter ihnen. Lottner sagte damals diesen Satz: ‚Hört ihm halt zu, was er sagen möchte, der Domprediger.‘

Dieser Satz wurde Lottner zum Verhängnis. Er starb, wie Domprediger Johann Maier und Josef Zirkl, weil er unsere geliebte Stadt davor retten wollte, zum Schlachtfeld zu werden. Wie wir heute wissen, ist das gelungen. Auch wenn Maier, Zirkl und Lottner ihr Leben lassen mussten.

,Hört ihm halt zu!‘, das ist ein Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Er sagt nichts darüber aus, wie die Zeiten sind, in denen er gesagt wurde. Er ist zeitlos. ;Hört ihm zu!“‘ ich deute das als Aufforderung. Hören wir uns noch zu? Hören wir, was der andere sagt? Oder sind wir längst in einer Echokammer, in der wir nur noch das wahrnehmen, was wir hören wollen?

Dem anderen zuhören, das darf man nicht verwechseln mit dem, was manche meinen, wenn sie sagen: ;Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“‘Diejenigen, die diesen Satz gebetsmühlenartig verbreiten, die sagen immer etwas auf Kosten der anderen. Die wollen, dass man ihnen zuhört, wenn sie über andere herziehen, über sie schimpfen, andere erniedrigen.

Das hat Michael Lottner nicht gemeint. Er meinte damit: Hören wir denen zu, die Vernunft predigen. Die nicht zu Hass, sondern zu Frieden aufrufen. Das war die Botschaft, die Domprediger Maier an diesem Tag sagen wollte.

Dafür, dass Lottner die Stimme erhob, hat er sein Leben gelassen. Ich hoffe, bei ungleich weniger Risiko haben auch wir heute den Mut, im richtigen Augenblick zu sagen: Hört doch zu!“