16.07.2018, 13:02 Uhr

Kultur Kein Glanzlicht – Evita bei den Schlossfestspielen kann nur bedingt begeistern


Das bewegte, widersprüchliche Leben der argentinischen Schauspielerin und Präsidenten-Gattin Eva Péron, genannt Evita, wurde einer der ganz großen Musical-Hits von Andrew Lloyd Webber. Jetzt wurde es in einer deutschen Textfassung bei den Schlossfestspielen aufgeführt.

REGENSBURG Das Musical Evita leidet unter einem Phänomen, das man auch von Opern kennt: Ein Lied wurde weltberühmt und als Zuhörer wartet man stets gespannt, wann es zu hören sein wird. In diesem Fall ist es „Don’t Cry for me Argentina“ und das Lied hatte gleich zweimal Musikgeschichte geschrieben: Zum ersten mal, als das Webber-Musical zum Welterfolg wurde und sogar die Charts eroberte. Dann, als Weltstar Madonna eine Single aus dem Musical-Film mit ihr in der Hauptrolle auskoppelte. Wer allerdings bei den Schloßfestspielen eine berührende Darbietung der Evita-Darstellerin Bettina Mönch vom Balkon des Schlosses erwartet hat, der wurde enttäuscht: Da saß die neunköpfige Band, die - ungewöhnlich, aber so vorgesehen - das Orchester ersetzte.

Die Inszenierung des Star-Regisseurs Gil Mehmert feierte in Bonn große Erfolge. Auf der Regensburger Bühne blieb es eigentümlich blass. Dabei erzählt Evita eine Geschichte, die viele kennen und die bis heute die Menschen berührt: Eva Perón wird als uneheliches Kind in der Provinz geboren, in völliger Armut. Sie kämpft sich, auch durch Männerliebschaften, heraus aus der Gosse, wird als Schauspielerin und Moderatorin in Buenos Aires erfolgreich, bis sie Oberst Juan Perón (Mark Weigel) kennenlernt. Perón wird nicht nur ihre große Liebe, mit ihm schickt sie sich an, Argentinien im Sturm zu erobern.

Mit nur 33 Jahren starb Evita, da hatte sie gerade selbst das erste Mal zur Macht gegriffen und wollte Vizepräsidentin werden. Ihre Leiche wurde außer Landes gebracht, gegen Perón putschten die Militärs, erst 17 Jahre später wird der Leichnam zurück nach Argentinien gebracht, heute liegt er sechs Meter tief in einer Gruft, gesichert mit einer Stahlplatte - man ist nicht sicher, ob man Evitas Überreste vor neuerlichem Diebstahl oder Agentinien vor ihrer Auferstehung bewahren will.

Gesanglich stach neben Bettina Mönch vor allem der Che hervor: Merlin Fragel hat eine tolle Bühnenpräsenz, stielt auch dem Perón regelmäßig die Schau. Auch der Chor und vor allem der Jugendchor sind durchaus große Pluspunkte dieser Inszenierung. Doch am Ende ist das, was vielleicht am Theater Bonn diese Aufführung besonders macht, auch der große Malus bei der Inszenierung im Schloss gewesen: Eine neunköpfige Band ersetzt eben kein Orchester.

Vielleicht ist der Vergleich etwas ungerecht, aber man muss ihn leider führen: Am Regensburger Stadt-Theater hat das Publikum in den letzten Jahren schlicht hervorragende Musical-Produktionen gesehen, wie etwa jüngst Cabaret oder zuvor La Cage Aux Folles. So bitter es klingt: Da wird mehr geboten als das, was das Publikum am Sonntagabend auf der Bühne der Schlossfestspiele zu sehen bekam. Allerdings, auch das muss man bemerken: Viele der Gäste kommen nicht nur wegen der künstlerischen Darbietung, sondern sind schlicht vom Ambiente begeistert. Das Schloss St. Emmeram und die wunderbare Gartenanlage, die Atmosphäre, sind eben am Ende der große Pluspunkt.