25.05.2018, 09:19 Uhr

Molnars Stück klagt an „Liliom“ deckt die Spirale der Gewalt auf – wehrt Euch!

Das technische Bühnenbild zeigte einen krassen Gegensatz zu den Emotionen der Darsteller. (Foto: Jochen Quast)Das technische Bühnenbild zeigte einen krassen Gegensatz zu den Emotionen der Darsteller. (Foto: Jochen Quast)

Langanhaltender Applaus brandete auf am Pfingstsonntagabend, 20. Mai, bei der Premiere des Stückes „Liliom“ im Theater am Bismarkplatz in Regensburg. Und das bei einem Stück, in dem es um häusliche Gewalt und das Schweigen der betroffenen Frauen geht.

REGENSBURG Liliom ist das, was man wohl heutzutage als Nichtsnutz bezeichnen würde. Er arbeitet auf dem Jahrmarkt, verliert dort seinen ganz gut bezahlten Job. Liliom flirtet gerne, schwängert die 16-jährige Julie – und wird gewalttätig ihr gegenüber. Einen neuen Job sucht er sich nicht, Angebote schlägt er aus. Seine Unzufriedenheit wiederum lässt er an seiner schwangeren Freundin aus. Marie warnt ihre Freundin, nennt ihr eine Beratungsstelle. Doch Julie spielt die Gewalt herunter ... Und damit tut Julie das, was viele betroffene Frauen bei häuslicher Gewalt tun. Sie spielen sie herunter, verstecken ihre blauen Flecken und isolieren sich, um keine Erklärungen abgeben zu müssen. Dabei ist die Zahl der Betroffenen hoch: Jede vierte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt in einer Beziehung, so das Bundesfamilienministerium. Liliom braucht nun wieder Geld – und lässt sich auf seinen kriminellen Kumpanen ein, der einen Überfall und einen Mord plant. Die Tat geht schief, Liliom richtet sich selbst. 16 Jahre muss er im Feuer schmoren, ehe er einen Tag auf die Erde zurück darf – als Prüfung!

Maltz-Schwarzfischer: „Der Kern ist zeitlos“

Doch es kommt, wie es kommen musste – Liliom kehrt auf die Erde zurück, taucht bei Julie und seiner Tochter Luise auf. Und schlägt zu! Diesmal ist seine Tochter das Opfer. Doch auch sie steckt mit diesem einen Schlag in der Spirale fest: Luise spürt keinen Schmerz ...

„Liliom“ wirkt, als ob die Szenen in den 50er-Jahren spielen, doch eigentlich ist es völlig egal, welche Kleidung die Darsteller tragen und wie sie sprechen – „der Kern ist zeitlos“, sagt Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer nach der Premiere.

Dem Ensemble um Verena Maria Bauer (Julie) und Philip Quest (Liliom) ist es gelungen, ein sehr ernstes Thema mit einer Prise Witz auf die Bühne zu bringen, ohne in Klamauk abzurutschen. Katrin Plöthner, die dem Regensburger Publikum von „Romeo und Julia“ und „Woyzeck“ bereits bekannt ist, inszeniert modern, Daniel Wollenzin steuert ein sehr technisches Bühnenbild bei, das den Emotionen viel Spielraum lässt. Abgerundet wird die Inszenierung durch imposante Musikelemente von Markus Steinkellner.


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