04.04.2018, 11:00 Uhr

Fotoausstellung „Der frühe Süden“ im verräterischen Spiegel

(Foto: Benno Hurt)(Foto: Benno Hurt)

Rückblende in die 1970er Jahre bei einer etwas anderen „Dia-Schau“: Benno Hurt leitet im Donau-Einkaufszentrum eine Ausstellungstrilogie mit Fotos aus Italien und Griechenland ein.

REGENSBURG Es sind alltägliche, mal verräterische, mal versöhnliche Ansichten irgendwo zwischen Prüderie und Sexismus, zwischen Vitalität und Morbidität: „Die Aufnahmen entstanden in den Jahren von 1975 bis 1980 unter Verwendung von Diafilmen“, so der Regensburger Fotograf und Autor. „Fotografiert wurde mit einer Spiegelreflexkamera, bei der Blende, Zeit und Entfernung eingestellt werden mussten. Die aus Kostengründen beschränkte Anzahl von Diafilmen (je 36 Aufnahmen) führte zu einer bewussten Wahl der Motive. Die 24 mal 36 Milimeter großen Abschnitte waren für die Projektion bestimmt und konnten nicht bearbeitet werden. Dies erforderte ein exaktes Arbeiten…“

Neben seinen mit einem Tele aufgenommenen Bildern, die vor allem Personen darstellen, entwickelte der Fotograf seinen typischen „Weitwinkelstil“. Wobei es nicht um eine Ansammlung schöner, stimmungsvoller, aber letztlich beliebiger Motive ging. Mit kritischer Sympathie konstatiert Hurt in Italien die Widersprüchlichkeit, die sich auf Straßen, Plätzen, Häusern, Plakaten, in Landschaften offenbart. Der allgegenwärtige, zur Schau gestellte Sexismus, dem Prüderie und erzkatholische Gesinnung nur scheinbar entgegenstehen, wird zum Thema. Neonfarbene Plastikmüllsäcke vor Plakatwänden mit Todesanzeigen erst kürzlich Verstorbener; ein blutroter Samtvorhang, den man beiseiteschiebt, um in der „Macceleria“ Frischfleisch zu kaufen – man kann darin eine tiefere Bedeutung sehen oder einen leichtfertigen Umgang mit Symbolen. Die Folgeausstellung „Der frühe Süden – Italien“ im Kunstkabinett erlaubt aber auch versöhnliche Einsichten: Gardasee, Venedig, Toskana…

Freundliche Menschen vor einer versehrten Landschaft

Schnitt: Nirgendwo haben sich Frauen, Männer und Kinder dem Fotografen freundlicher zugewandt als in Griechenland. Dabei sind sie oft umgeben von skelettierten Bauten, von denen man nicht weiß, ob sie gerade hochgezogen oder abgerissen werden. Vieles erscheint versehrt, doch die Menschen fühlen sich offensichtlich wohl. Ein Metalltor, durch das man normalerweise ein stattliches Anwesen betritt, steht in einer verlassenen Landschaft; eine Asphaltpiste, die in der extremen Hitze gelitten hat, grenzt übergangslos ans Meer, wo ein einsamer Sonnenschirm auf die Anwesenheit von Menschen hindeutet; Autos werden, um sie vor der Sonne zu schützen, mit weißen Tüchern zugedeckt; eine schwarz gekleidete, gekrümmte Frau hebt sich ab vom silbern glitzernden Meer…

Nicht wenige der Griechenland-Bilder waren in den 1980er Jahren in Foto- und Kunstmagazinen zu sehen. Konzeptionell zusammengestellt wurden sie nie. Um die Authentizität zu wahren, wurden die 30 bis 40 Jahre alten Fotografien lediglich retuschiert, um kleine Kratzer und Flecken auszugleichen.

Die Vernissage im Donau-Einkaufszentrum findet am Montag, 9. April, um 19 Uhr, statt. Die Einführung spricht Dr. Doris Gerstl, Leiterin der Städtischen Museen. Zu sehen sind die Bilder bis 21. April. Eine Vernissage im Kunstkabinett folgt am 13. April, um 20 Uhr, die Ausstellung dort geht bis zum 15. Mai. Zur Einführung spricht Peter Lang, Kulturjournal. Ab 24. April werden dann Griechenland-Motive im Restaurant „Leerer Beutel“ und dem Konzertsaal gezeigt. Diese Schau begleitet der Arbeitskreis Film mit Aktionen.


0 Kommentare