17.02.2018, 17:55 Uhr

Premiere im Turmtheater Dieser Psycho-Thriller aus dem Trump-Amerika ist eine Wucht!

Beide Genial: Steffi Denk als Annie Wilkes und Michael Hofer als Romanautor Paul Sheldon in Stephen Kings Klassiker Misery im Turmtheater. Foto: Anna Liepelt (Foto: Anna Liepelt)Beide Genial: Steffi Denk als Annie Wilkes und Michael Hofer als Romanautor Paul Sheldon in Stephen Kings Klassiker Misery im Turmtheater. Foto: Anna Liepelt (Foto: Anna Liepelt)

Misery, ein Klassiker des Kult-Autors Stephen King – die Erwartungen des Publikums waren hoch, als am Freitag die Premiere des Theaterstücks im Turmtheater stattfand. Kurzum: Eine geniale Besetzung und die gekonnte Regie machten den Abend zum Grusel-Erlebnis!

REGENSBURG Kann sie’s? Nun, die weithin als Sängerin bekannte Steffi Denk ist kaum mehr wiederzuerkennen in der Rolle als Annie Wilkes, dem fanatischen Fan des Romanautors Paul Sheldon. Dass die Denk Schauspielern kann, stellt sie ja ohnehin jedes Jahr beim Weihnachtsklassiker als Ebenezer Scrooge unter Beweis. Aber das? Eine Rolle, die viele aus der King-Verfilmung mit Schauspielerin Kathy Bates kennen? Nun, wer eine gewisse Grundskepsis hatte, der war schlicht von den Socken: Steffi Denk spielt den mörderisch-manischen Fan des Romanciers mit einer mephistophelischen Bösartigkeit, dass es einem Angst und Bange wird. Das Turmtheater als Aufführungsstätte für Misery tut wegen der beengten Verhältnisse sein Übriges: Wenn Annie Wilkes eine Flucht ihres geliebten Autors verhindert, indem sie ihm die Beine bricht, erschrickt man, als sei man selbst mittendrin in der Psycho-Szene.

Steffi Denk spielt derart gut, dass sie selbst einem alten Hasen wie Martin Hofer szenenweise die Show stiehlt. Das ist richtig gut gespieltes Theater, auch wenn einige Szenen überzeichnet sind. Aber hey, wer einen reinen Psycho-Thriller möchte, der soll sich einfach den Film ansehen. Das ist Theater und das darf theatralisch sein.

Gekonnt setzt Regisseur Gerwin Eisenhauer die Schauspieler in Szene und Katharina Claudia Dobner schafft eine Bühne, die uns in den Bible-Belt eines Amerikas unter Donald Trump versetzt. Eisenhauer und Dobner setzen damit natürlich auch ein politisches Statement – nicht anders zu erwarten politisch-intellektuell links. Man findet also unterm Kruzifix auch ein Porträt des umstrittenen US-Präsidenten an der Wand des Zimmers, in dem der verunglückte Romanautor auf Genesung hofft. Und das zum Gefängnis für ihn wird, für ihn, den liberalen Geist von der Ostküste. Wer drauf steht, ein wenig Subtext zu lesen, der denkt sich Annie schnell als eine Art Quälgeist des erfolgreichen Künstlers. Und das hat Eisenhauer ganz geschickt auf die Bühne gebracht. Annie Wilkes, die Psycho-Frau, als quälende Depression eines zum Erfolg verurteilten Autors, der seine Erfolgsfigur Misery endlich begraben möchte.

Fazit: Wer das Stück Misery im Turmtheater besucht, erlebt bestes Theater, künstlerisch originell und tatsächlich mit Mehrwert, selbst wenn man Roman und Film kennt. Und Steffi Denk wünscht man sich öfter auf die Bühne: Die verdammt geile Stimme und ihr schauspielerisches Talent kombiniert, das wäre was. Wie wär’s mal mit Musical?


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