19.04.2018, 14:51 Uhr

Bayernweit beachtet Frenetischer Beifall in Passau für „Paukenschlag im Planschbecken“!

Victor Campos Leal (Gennaro), Sabine Noack (Orsini) und Yitian Luan (Lucrezia) im beeindruckenden Bühnenbild von Christl Wein mit Wasserbecken und Spiegel an der Decke. (Foto: Peter Litvai)Victor Campos Leal (Gennaro), Sabine Noack (Orsini) und Yitian Luan (Lucrezia) im beeindruckenden Bühnenbild von Christl Wein mit Wasserbecken und Spiegel an der Decke. (Foto: Peter Litvai)

Gefeierte Premiere von Donizettis Oper Lucrezia Borgia am Stadttheater

PASSAU Fragendes Erstaunen beim Betreten des Theaters: Der Orchestergraben ist mit Plastikplane abgedeckt. Lediglich für den Dirigenten ist ein kleiner Ausschnitt offengeblieben. Die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme stellte sich dann im Lauf der Aufführung von Gaetano Donizettis Oper Lucrezia Borgia noch heraus.

Lucrezia Borgia war zu Lebzeiten Donizettis sehr erfolgreich auf den Opernbühnen vertreten. Es handelt sich um einen typischen Vertreter des Belcanto. Diesem Genre eilt der Ruf nach, schwierig inszenierbar zu sein, weil der Schöngesang über die Handlung dominiert.

Regisseur Roland Schwab meisterte diese Herausforderung bei der aktuellen Inszenierung des Landestheaters Niederbayern jedoch vorzüglich und brachte ein packendes Drama mit ungeheurer Wucht auf die Bühne des Stadttheaters Passau. Es dominierten aufwendige, drastische Bilder. Roland Schwab ist dem Passauer Publikum schon von früheren Inszenierungen in bester Erinnerung – u. a. Orlando Furioso von Antonio Vivaldi aus dem Jahre 2007. Bühne und Kostüme wurden von Christl Wein konzipiert.

Lucrezia Borgia ist eine historische Person, die vor etwa 500 Jahren im heutigen Mittelitalien lebte. Sie war die Tochter des späteren Borgia-Papstes Alexander VI. Sie hatte den Ruf einer korrupten und rücksichtslosen Person, was sich nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht bestätigen lässt. Sie war sozusagen ein frühes Opfer eines Shit-Storms. Die Widersprüchlichkeit der Person wurde bei der aktuellen Inszenierung deutlich nachvollziehbar herausgearbeitet.

In der titelgebenden Hauptrolle brillierte die Sopranistin Yitian Luan, deren Stimme sich durch immense Beweglichkeit und effektvolle Koloraturen auszeichnete. Ebenso eindrucksvoll der Mexikaner Viktor Campos Leal, der die Rolle des Gennaro mit seinem raumgreifenden Tenor auf’s Vorzüglichste ausfüllte.

In der Hosenrolle des Maffio Orsini beeindruckte Sabine Noack. Die Baritonpartie der Oper wurde von Kyung Chung Kim in der Rolle des Alfonso d’Este hervorragend umgesetzt. In weiteren Rollen: Mark Watson Williams, Oskar Imhoff, Alwin Schmidt, Moritz Kugler, Peter Tilch, Michael Kohlhäufl und Joachim Roth. Sehr beeindruckend mit ungeheurer stimmlicher Wucht agierte der von Eleni Papakyriakou einstudierte Opernchor des Landestheaters.

Im Zuge der Handlung klärte sich dann auch die Notwendigkeit der Abdeckung des Orchestergrabens auf: Die Bühne war nämlich zu einem Großteil mit einem Wasserbecken ausgelegt, in dem das Wasser knöcheltief stand und bei Bühneneinsätzen teilweise kräftig überschwappte.

Die Komposition der Oper Donizettis stellt ein perfektes Zusammenspiel effektvoll schmissiger Rhythmen, kombiniert mit langen Melodienbögen und eindrucksvollen Kontrasten dar. Diese wurden äußerst packend musikalisch umgesetzt von der Niederbayerischen Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Basil H. E. Coleman. Die Überdeckung des Orchestergrabens wirkte sich erfreulicherweise kaum auf die Transparenz des fülligen Orchesterklangs aus.

Dem Landestheater Niederbayern ist mit dieser Produktion wieder ein Musiktheater-Paukenschlag gelungen, mit dem es sich erneut als innovative Spielstätte profilieren konnte. Es waren diese imposanten und düsteren Bilder in Verbindung mit der packend umgesetzten Musik Donizettis, welche die Premierenbesucher zu frenetischem Schlussapplaus hinrissen. Weitere Termine in Passau:20./21.04. sowie 6./21./25.05.; siehe: www.landestheater-niederbayern.de


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